Dem „Wilden Kerl“ ganz nah

Frankfurt ‐ Irgendwo im Riederwald. Irgendwo in einer kalten Industriehalle. „Bitte noch einmal“, ruft der Regisseur. Immer wieder Händchenhalten mit Jimi Blue. Es gibt schlimmere Jobs für eine 18-Jährige. Von Kathrin Rosendorff

Sabrina Wilstermann hat ihre langen, bleichblonden Haare zu einem Zopf zusammengebunden. Die rote Lederjacke verleiht der Neu-Isenburgerin fast einen lässigen Uma-Thurman-Kill-Bill-Look. Es ist ihr erster Film. Und gleich eine Hauptrolle. Sie spielt Stella, die Freundin von Marvin alias Jimi Blue Ochsenknecht, dem Mädchenschwarm der „Wilden Kerle“-Reihe. In der Szene stehen sie auf einer Bühne eines Hip-Hop-Battles, unter ihnen Fans.

Seit Anfang März dreht Jimi Blue Ochsenknecht, der spargeldürre Rapper und Schauspieler mit Sabrina Wilstermann. Außerdem sind über 600 Komparsen beim Hip-Hop-Film mit dem Arbeitstitel „Homies“ (in Rapperkreisen für Kumpels) in Frankfurt engagiert worden. „Frankfurt finde ich schon ganz gut, aber ich mag München, meine Heimatstadt, trotzdem lieber“, erzählt der 18-Jährige. Der Film ist eine Art Romanze à la West Side Story. 2011 soll „Homies“ in die Kinos kommen.

Doch statt Ballett und Musical-Gesang wird hier gerappt, gebreakt und gesprayed. Der Sohn von Uwe Ochsenknecht spielt Marvin, einen reichen Jungen, der keine Freunde hat, und sich als arm ausgibt, um bei den Ghetto-Jungs anzukommen. Und bei Stella (Sabrina Wilstermann), mit der er in einer Pizza-Station arbeitet. „Ich spiele ein Mädchen aus dem Ghetto“, erzählt die Neu-Isenburgerin, die als frisches Gesicht, direkt von der Oberurseler Musicalschule „Academy of Stage Arts“ vom deutsch-türkischem Regisseur Adnan Köse engagiert wurde. Sie findet es einfach nur „schön“, dass sie einen Film drehen darf.

Laut Drehbuch fliegen wie wild die Schmetterlinge zwischen Jimi Blue und Sabrina. „Nur im Film“, beteuern beide. Und das scheint nicht gelogen. Denn in einer Pause knutscht Jimi Blue wenige Meter hinter der Kamera mit einer brünetten Unbekannten. Der Filmkuss liegt noch vor Jimi und Sabrina. „Die Szene macht ein Double“, scherzt Jimi Blue. Sabrina lacht. Beide witzeln viel miteinander.

Der 1,90-Meter-Schlaks mit dem Schmollmund ist überhaupt vor und hinter der Kamera total „gechilled“: beantwortet Journalistenfragen, posiert für Fotos, hält Händchen für die Kamera und erzählt, dass es seine Traumrolle sei, einmal einen Psychokiller zu spielen. Als Rapper Marvin trägt er eine Lederjacke der Chicago Bulls, Kapuzenpulli und eine glitzernde Bling-Bling-Kette.

Die Komparsen warten unterdessen auf ihren Auftritt, im etwas wärmeren Aufenthaltsraum. Die blonde Anna Lena (19) aus Hattersheim, ist hier, weil auch ein paar Freunde mitspielen, und sie „es halt einfach mal beim Film ausprobieren“ will. Und sie betont, dass sie nicht wegen des Protagonisten gekommen ist: „Nee, auf Jimi Blue stehe ich gar nicht, der sieht ja noch aus wie 15.“ „Lieber Männer mit Bart“, ergänzt ihre Freundin.

Lucas Senzel (19) mit Brilli im Ohr  und  lila  Jacke kommt aus Dieburg und hat nettere Worte für Jimi übrig. „Er ist überhaupt nicht abgehoben, einfach ein korrekter Typ.“ Zusammen sind sie nach Drehschluss, schon was trinken gegangen. Lucas hat sich beim Casting eine Nebenrolle ergattert. Er spielt Jimis Homie Tom. Schauspielerfahrung hat er keine. „Aber ich habe lange bei Radio Darmstadt moderiert“, sagt er.

Ich bin Bayer. Ich jodle.

Dann kommt Günther Kaufmann ans Set. Die meisten Komparsen wissen nicht, wer da an ihnen vorbeiläuft. „Der ist Schauspieler und bekannt echt?“, fragt Anna-Lena. Der 62-Jährige trägt eine hellblaue Baseballjacke, dicke Goldringe und eine ebenso fette goldene Armbanduhr: „Ich spiele DW Court, einen Rapper aus der Bronx, der vor 30 Jahren erschossen wurde. Ich bin Marvins Vorbild und erscheine ihm als guter Geist“, erzählt Kaufmann, der in 16 Fassbinder-Filmen mitgespielt hat, sich aber zuletzt im Dschungelcamp unter C-Promis mischte.

Kaufmann selbst hat zu Hip-Hop keinen Bezug: „Ich kann mich gar nicht mit meiner Rolle identifizieren. Ich bin Bayer. Ich jodle, das ist mein Naturell.“ Auch singen könne er, aber fürs Rappen fehle ihm das Gefühl. Einen Rapper spielen, sei aber kein Problem. Seinen nächsten Film dreht er mit Otto.

Über Jimi Blue ist er voll des Lobes: „Ein hochbegabter Schauspieler und mit seinen langen, dünnen Beinen auf dem Boden geblieben“, sagt er. Mit jungen Leuten zu drehen sei für ihn kein Problem, denn er komme er bei den Jugendlichen gut an. „Ich habe Jimi Blue mit meinem derben Humor beeindruckt“, tönt er. Und Jimi Blue erzählt dann später auch, dass er sich bei den Drehszenen mit Kaufmann kaputtgelacht hat. Für ihn sei Kaufmann ein Kumpel. Ein Homie eben.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Sauda

Kommentare