Einkaufsmeile Flughafenterminal

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Kein flüssiges Gold, sondern nur Mineralwasser wird hier verkauft.

Frankfurt - Martina Pohl aus Kassel ist noch nicht in Urlaubsstimmung. „Vier Euro für eine Flasche Wasser, das ist doch Abzocke“, sagt die 43-Jährige. Von Sebastian Scholz

Dabei ist sie noch gar nicht an ihrem Reiseziel, im schweizerischen Luzern, angekommen, sondern noch am Frankfurter Flughafen. Die Einkaufspassagen an den Flughäfen würden immer länger und die Preise seien gesalzen, sagt Pohl.

Die Abfertigung von Jets ist für die Flughafenbetreiber längst nicht mehr das einzige Geschäftsfeld. Die Einnahmen aus Geschäften oder Hotels seien für die Betreiber immer wichtiger geworden, schrieb der Wirtschaftswissenschaftler Michael Oechsle in einer Analyse. Seit der Luftverkehr vor rund 20 Jahren liberalisiert wurde, stehen die Fluggesellschaften in starkem Konkurrenzkampf und senken die Ticketpreise. Die Flughafenbetreiber können ihre Gebühren kaum noch erhöhen und bauen stattdessen den sogenannten Non-Aviation-Betrieb aus: mehr Geschäfte, mehr Hotels, neue Kongresszentren, Parkhäuser und Büros.

Flughafe Tegel soll bald ausgedient haben

Der Wandel wird auch in Berlin deutlich. Der alte Hauptstadtflughafen Tegel mit klassischem sternförmigem Terminal und kurzen Laufwegen soll bald ausgedient haben. Der neue Flughafen Schönefeld ist breit angelegt, mit länglichen Terminals und viel Platz für Geschäfte. Auch der Frankfurter Flughafen hat angebaut: Im vergangenen Jahr wurde über dem angeschlossenen Fernbahnhof ein großes Einkaufszentrum mit vielen Geschäfts- und Büroräumen eröffnet, das „Squaire“.

Der Betreiber des Frankfurter Flughafens, Fraport, macht nach eigenen Angaben mit rund 47 Prozent mittlerweile fast die Hälfte seines Gewinns außerhalb des eigentlichen Flugbetriebs. So wolle man unter anderem große Investitionen wie in die neue Nordwestlandebahn finanzieren, sagt Sprecher Christopher Holschier.

Attraktiver Standort

Nicht nur für den Einzelhandel werden Flughäfen immer interessanter. Die gute Erreichbarkeit über Flugzeug, Bahn oder Nahverkehr mache sie attraktiv als Standort für Büros, Verteilerzentren, Tagungen und Kongresse, so Oechsle. Auch die Werbung habe Flughäfen für sich entdeckt und nutze den hohen Durchlauf an Menschen aus der ganzen Welt gezielt für Marketing.

Die wachsende Bedeutung des Non-Aviation-Betriebs spiegelt sich auch in den Preisen für Wasserflaschen, Würstchen und Parfüm wider. An vielen Produkten verdient der Flughafenbetreiber mit. „Die Preise machen natürlich die Händler“, sagt Holschier. Der Einzelhandelsverband spielt den Ball zurück: „Da die Mieten an Flughäfen höher sind, sind auch die Preise etwas höher“, sagt Sprecher Stefan Hertel.

Asien und Russland sind kaufkräftig

Besonders kaufkräftig seien Reisende aus Asien und Russland, heißt es in Oechsles Analyse. Dies seien oft Geschäftsreisende mit wenig Zeit, die es auf europäische Luxusprodukte wie Uhren oder Mode abgesehen hätten. Doch der Shopping-Fokus gefällt nicht jedem Reisenden. „Ich habe mittlerweile das Gefühl, die machen die Laufwege extra lang, damit ich an möglichst vielen Geschäften vorbeikomme“, sagt Vielflieger Werner Kuntze aus Mainz am Frankfurter Flughafen. „An manchen Flughäfen habe ich das Gefühl, dass die Flugsteige extra spät angesagt werden, damit ich länger im Einkaufsbereich bleibe. Oft steht die Maschine dort schon viel länger.“

Der Zeitpunkt der Flugsteigansage habe rein organisatorische Gründe und auf einem großen Flughafen seien die Laufwege nun mal länger, sagt hingegen Fraport-Sprecher Holschier. Seit einigen Jahren müssen Reisende außerdem sämtliche Flüssigkeiten an den Sicherheitsschleusen abgeben. Wer danach durstig wird, muss sich ein Getränk in der Shoppingzone kaufen. Als alleiniger Nutznießer dieser Regelung möchte der Einzelhandel aber nicht gelten. „Einzelne Händler freuen sich darüber sicher“, sagt Sprecher Hertel, aber auch die Gastronomie und der Verkauf im Flugzeug profitierten.

dpa

Quelle: op-online.de

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