Einzigartiges Postangebot

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Wolfgang Bieger holt auch Briefe bei Kunden zu Hause ab.

Hofheim - Pünktlich um 17 Uhr fährt Wolfgang Bieger in Hofheim wieder vor, holt die Post ab, legt einen Gang ein auf seinem Motorroller und düst davon. Als „mobiler Briefkasten“ ist er mit seiner Idee nach Post-Angaben noch einzigartig in Deutschland.

Am 1. September brachte der 58-Jährige seinen ungewöhnlichen Service für Briefeschreiber ins Rollen - anfangs wurde dieser aber wenig in Anspruch genommen, mittlerweile hat er sich aber in Hofheim etabliert. Zwischen 25 und 75 Briefe schluckt der Original-Postkasten auf dem gelben BMW-C1-Roller pro Tag - das sind mehr als die stationären Briefkästen in Hofheim.

Allerdings hat dieser nun tagsüber auch einen festen Standort: Von 7.30 Uhr bis 17 Uhr steht der Post-Roller vor dem Hofheimer Einkaufszentrum und kann dort direkt vor Ort „gefüttert“ werden. Die Touren für alle, die den Roller nicht dort erreichen können, fährt Bieger trotzdem noch. Schließlich hat er nicht nur den einen Motorroller, sondern noch zwei weitere Exemplare daheim. „Ich hätte nie gedacht, dass die Sache so gut laufen würde“, erzählt Bieger, der zunächst im Juni in seinem Modellbahn-Fachgeschäft eine Postagentur eröffnet hat. Die Idee, daraus einen fahrbaren Briefkasten zu machen, kam ihm in einem entspannten Moment in der Badewanne.

Inzwischen wird der Erfinder des Briefkastens auf Rollen überall auf der Straße erkannt und gegrüßt. Sein gelber Flitzer hat es sogar auf Briefmarken geschafft: Etwa 5000 Marken für Briefe und Postkarten wurden mit dem Gefährt versehen. Dass er mit seiner Idee eine Art Vorreiter sein könnte für andere Städte und Gemeinden, kann sich Bieger schon vorstellen.

Die Deutsche Post glaubt aber nicht daran, dass sich der mobile Briefkasten deutschlandweit durchsetzen wird: „Wir finden das eine tolle Sache, aber es sollte ein Einzelfall bleiben“, sagt Alexander Böhm, Sprecher der Post in Frankfurt. „Wenn mehrere dieser Roller unterwegs wären, würde das die Kunden zu sehr verunsichern. Sie würden sich immer fragen, ob ihre Sendung auch wirklich ankommt.“ In Hofheim sei das anders: „Da ist Wolfgang Bieger bekannt wie ein bunter Hund und die Leute vertrauen ihm gern ihre Briefe an.“ So wird Bieger mit seinem Kundenservice wohl ein Unikat bleiben. Einen Roller wie seinen hätte es vermutlich eh nicht noch ein zweites Mal gegeben: Der Bau des BMW-Modells wurde bereits 2003 eingestellt. Aber wird das Exemplar auch im Winter durch Hofheim flitzen? „Bei Schnee und Eis bleibt der Roller stehen“, meint Bieger.

dpa

Quelle: op-online.de

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