Ende einer „Staatsposse“

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Navid Kermani

Wiesbaden ‐ Es wird ein netter Abend werden mit wohl gesetzten Reden, einer Gratulationscour und gesel ligem Beisammensein. Schließlich versammeln sich heute im Wiesbadener Kurhaus gesittete Menschen zur Verleihung des Hessischen Kulturpreises 2009. Von Christian Riethmüller

Doch das vermeintliche Idyll ist gestört. Grund ist die Vorgeschichte dieser Preisverleihung, die sich zu einer „Staatsposse“ (Bundestagspräsident Norbert Lammert) auswuchs, in der die hessische Landesregierung eine denkbar unglückliche Rolle spielte.

Zur Erinnerung: Wegen ihres Engagements für „interreligiöse Kooperation“ und eine „Kultur des Respekts“ sind in diesem Jahr der Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, der frühere Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Peter Steinacker, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, und der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani gemeinsam für den mit insgesamt 45.000 Euro dotierten Hessischen Kulturpreis ausgewählt worden.

Dann aber machte sich Kermani mit einem in der „Neuen Zürcher Zeitung“ veröffentlichten Essay, in dem er über den gekreuzigten Christus nachdachte, bei Lehmann und Steinacker unbeliebt. Der Kardinal schrieb an den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU), dass er den Preis nicht gemeinsam mit Kermani annehmen könne. Sekundiert wurde Lehmann dabei von Steinacker. Zum Eklat kam es, als das für die Preisvergabe zuständige Kuratorium im Mai die Entscheidung traf, Kermani den Preis wieder abzuerkennen. Nach etlichen Debatten wurde der Schriftsteller dann doch wieder für preiswürdig erachtet.

Die Opposition im Landtag hat den Verdacht, dass der Ministerpräsident zu diesem Eiertanz einen Beitrag leistete, und forderte eine Entschuldigung Kochs. Der traf sich zwar schon vor einigen Wochen mit Kermani, doch öffentlich wird er sich erst heute Abend zu der Angelegenheit äußern. Es dürfte aber gesittet zugehen.

Quelle: op-online.de

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