Kaum neue Rotoren in der Region

Energiewende ohne Wind

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Symbolbild

Frankfurt - Die Energiewende wird im Rhein-Main-Gebiet fast ohne Windenergie umgesetzt. Die nach den Vorgaben des Landesentwicklungsplans vom Regionalverband erstellte Windvorrangflächenkarte untersagt fast überall die Errichtung von Windkraftanlagen. Von Christian Riethmüller

Wie Birgit Simon (Grüne), die Erste Beigeordnete des Regionalverbands, gestern in Frankfurt bei der Vorstellung der Karte sagte, können nur 0,94 Prozent des rund 250 000 Hektar großen Gebiets des Regionalverbands als sogenannte Windvorrangflächen ausgewiesen werden. Das heißt, nur etwa 2320 Hektar Fläche stünden für die Errichtung von Windrädern zur Verfügung.

Wie Simon sagte, befinden sich die meisten Vorrangflächen im Norden des Verbandsgebiets, also vornehmlich im Wetteraukreis. Dagegen werde es im gesamten Kreis Offenbach, im nördlichen Kreis Groß-Gerau sowie in den Städten Offenbach, Hanau und Frankfurt keine Windräder mehr geben. Auch größere Areale im Hochtaunus, in Bad Vilbel, Niederdorfelden, Nidderau und Hammersbach seien aus dem Plan gefallen.

Grund für die starke Beschränkung der Vorrangflächen in der Region sind laut Simon Vorgaben des Landes Hessen. So wird beim Bau einer Windkraftanlage eine Windgeschwindigkeit von 5,75 Metern pro Sekunde in 140 Meter Höhe verlangt. Außerdem muss der Abstand eines Windrades zur nächsten Wohnbebauung 1000 Meter betragen. Wie Simon sagte, plädiert der Regionalverband für eine Herabsetzung dieser vorgegeben Werte. Vorgeschlagen wurden eine Windgeschwindigkeit von 5,5 Metern pro Sekunde sowie Ausnahmeregeln hinsichtlich des Abstands zur Bebauungsgrenze. Hier hätten in Einzelfällen auch nur 750 Meter Abstand genügen sollen.

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Bei Anwendung dieser Vorschläge des Regionalverbands würde der Anteil an Windvorrangflächen in der Region immerhin drei Prozent betragen, was letztlich mehr Spielraum bei der tatsächlichen Ausweisung von Flächen für die Windenergie brächte. Denn Simon und Verbandsdirektor Ludger Stüve (SPD) sind sich sicher, dass ihre Windvorrangflächenkarte noch weiter schrumpfen wird, etwa wenn die Deutsche Flugsicherung (DFS) auf gebührenden Abstand (15 Kilometer Radius) zu Flugsicherungsanlagen in Neu-Isenburg, Niddatal und Nauheim pocht. Bei strikter Auslegung dieser Forderung stünden nur noch 1100 Hektar oder 0,45 Prozent der Gesamtfläche des Regionalverbandsgebiets für Windenergie zur Verfügung.

Entschieden ist über diesen Plan aber noch lange nicht. Am 6. September wird die Regionalversammlung Südhessen über ihn befinden. Bis zum Ende des Jahres soll dann der Vorentwurf zum Teilplan erneuerbare Energien von der Verbandskammer des Regionalverbandes verabschiedet werden. Dessen erste Offenlegung ist von Februar 2014 an vorgesehen. Zwei Monate haben Bürger und Institutionen dann Zeit für mögliche Einwendungen.

Auch eine neue Landesregierung könnte noch Einfluss auf den Teilplan nehmen, etwa, wenn sie die bisherigen Vorgaben des Landesentwicklungsplans lockern und sich den Vorschlägen des Regionalverbands anschließen würde. Mit der Verabschiedung des Plans mit den Vorrangflächen wird Mitte bis Ende des Jahres 2015 gerechnet.

Quelle: op-online.de

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