Entlassungen trotz Mangel an Fachkräften

Offenbach/Hanau (ad) - Trotz guter Konjunktur und vielen Klagen von Unternehmen über Fachkräftemangel - zehntausende Beschäftigte in der Region haben nach Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im vergangenen Jahr ihren regulären Job verloren und sind arbeitslos geworden.

Hart traf es den Main-Kinzig-Kreis: Dort mussten sich 11.136 Arbeitnehmer unmittelbar nach einer sozialversicherten Beschäftigung arbeitslos melden. Damit büßte dort gut jeder Zehnte seine Stelle ein. Im Jahresschnitt 2011 waren etwa 115.500 Menschen im Main-Kinzig-Kreis sozialversichert beschäftigt.

In Stadt und Kreis Offenbach musste nach Angaben des DGB sogar gut jeder Achte den Weg zum Arbeitsamt antreten. In der Lederstadt waren demnach 5346 Menschen vom Verlust ihres sozialversicherten Arbeitsplatzes betroffen, im Kreis waren es fast 10.000 Beschäftigte.

Von Branche zu Branche unterschiedlich

Zwischen den Branchen gab es jedoch deutliche Unterschiede. Das Risiko, seine Stelle zu verlieren, war im abgelaufenen Jahr im verarbeitenden Gewerbe der Region am niedrigsten. „Dabei muss sich diese Branche - aufgrund des hohen Exportanteils - der internationalen Konkurrenz in besonderer Weise stellen“, hieß es beim Gewerkschaftsbund.

In der Stadt Offenbach, wo im Jahresschnitt gut 7200 Menschen in dieser Branche arbeiteten, erhielten 259 Beschäftigte die Entlassungspapiere. Im Kreis Offenbach mussten etwa 800 von im Schnitt fast 20.100 Arbeitnehmern gehen. Und im Main-Kinzig-Kreis traf es 1300 von gut 30.000 sozialversichert Beschäftigten des verarbeitenden Gewerbes.

Entlassungsrisiko fast doppelt so hoch

Ganz anders das Bild im Gastgewerbe in der Region: Hier war das Entlassungsrisiko fast doppelt so hoch wie im Schnitt aller anderen Branchen. Im Kreis Offenbach verlor jeder sechste der gut 3650 sozialversichert Beschäftigten seinen Job, in der Stadt selbst war es schon jeder dritte. Mehr als 16 Prozent oder 528 Arbeitskräfte erhielten im Gastgewerbe des Main-Kinzig-Kreises die Papiere.

Schlimm traf es auch die Leiharbeiter. Fast jeder Zweite büßte im abgelaufenen Jahr seine Stelle ein. In Stadt und Kreis Offenbach war das Risiko der Arbeitslosigkeit für Leiharbeiter mehr als drei Mal höher als für die übrigen Beschäftigten. Im Main-Kinzig-Kreis war es immerhin noch fast fünf Mal höher.

Jede zweite Neueinstellung befristet

„Diese absolut hohe Personalfluktuation zeigt, dass Heuern und Feuern im Verleihgewerbe immer noch an der Tagesordnung ist und Verleiher personalpolitische Risiken schnell auf die Sozialsysteme verlagern. Instabile und prekäre Beschäftigung tragen nicht zum Abbau eines Fachkräftemangels bei, sondern verschärfen ihn eher“, monierten die DGB-Spitzen in der Region angesichts der neuen Zahlen. Bundesweit sei zurzeit fast jede zweite Neueinstellung befristet.

Quelle: op-online.de

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