„Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ in Hayner Burg

Dem Tod entronnen und doch nichts gewonnen

Dreieichenhain - Ewiges Leben – Traum oder Alptraum? Auf jeden Fall Anlass für einen traumhaften Theaterabend bei den Burgfestspielen Dreieichenhain! Mit der Geschichte vom „Brandner Kaspar“, der dem Tod ein Schnippchen schlägt, unterhält ein Trio von der Neuen Volksbühne Köln prächtig – regt das Publikum aber auch zum Nachdenken an. Von Markus Terharn 

Von der Erzählung Franz von Kobells, 1871 erschienen und mehrfach für Theater oder Film adaptiert, hat sich die Fassung weit entfernt. Es beginnt und endet in einem modernen Krankenhaus. Dazwischen rollt in 75 äußerst kurzweiligen Minuten die Handlung ab, die viele im Rund gekannt, aber so noch nie gesehen haben dürften. In fliegendem Wechsel verkörpern drei Darsteller alle Rollen inklusive Musik und Geräusch: Michl Thorbecke, Gregor Höppner und Bernd Kaftan. Da ist die Titelfigur, ein knorriger bayrischer Jäger und Büchsenmacher, der diese schöne Welt noch nicht verlassen möchte. Da sind seine Söhne, der Schorsch und der Toni. Da ist der Tod, der ihn holen will. Da ist Petrus, der ihn im Himmel erwartet. Und da sind ein paar Weibsbilder, der Erotik wegen.

Dick aufgetragen wie die Schminke ist das Spiel, krachledern sozusagen. Regisseurin Ute Kossmann lässt die Rheinländer bajuwarisieren, was das Zeug hält, ohne dass die Verständlichkeit darunter litte. Claus Stump hat ihnen selbsterklärende Kostüme geschneidert. Christian Herbert sorgt nicht nur für Licht, sondern auch für viel Schatten. Bernd Kaftan an Tasten und Akkordeon ist musikalischer Dreh- und Angelpunkt. Als Nahtoderlebnis lässt sich das Gesehene deuten: Am Anfang bringt ein laut knatternder Hubschrauber einen am Berg Verunglückten in ein Zelt, das sich als variable Kulisse erweist. Am Schluss stirbt er dann doch. In der Mitte die Legende jenes Mannes, der den Boanlkramer (Gebeinehändler) mit Kirschwasser besoffen macht und ihm beim Kartenspiel weitere 18 Jahre abgaunert.

Und was nützt es? Die Gesundheit schwindet; die Frau ist eh längst tot; die Geliebte geht; beide Söhne frisst der Krieg – eine grandiose Szene in Schattentheatermanier. „Ist es großartig oder dumm, so am Leben zu hängen?“, fragt der Knochenmann und erkennt: „Du hast Angst zu sterben.“ Gallig kommentiert er seinen eigenen Kalauer: „Leb wohl – wenn ich das sag, dann klingt das fast ein bisserl humoristisch.“ Es dauert, bis der Kaspar in seinen Tod einwilligt. Nicht zuletzt erweisen die Schauspieler dem Ortsgeist ihre Reverenz. Die Mauersegler vor der Ruine werden in den Text eingebaut, Berge mutieren zur Burg, ein umgestürzter Baum verwandelt Drei- in Zweieichenhain. Das hatten wir so noch nicht.´Wenn’s denn stimmt, dass Lachen die beste Medizin ist, werden alle, die das Glück hatten, dabei zu sein, sicher 90 Jahre alt! Ob wir uns das wünschen sollten, ist freilich eine andere Frage...

Quelle: op-online.de

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