Entwickler mit hohem Tempo

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Karl-Heinz Streibich

Darmstadt - Karl-Heinz Streibich gibt wie wohl kaum ein Unternehmer in Deutschland ein rasches Tempo vor. Kürzlich machte der Vorstandsvorsitzende der Darmstädter Software AG mit der Übernahme des Entwicklers und Dienstleisters IDS Scheer Schlagzeilen. Mit dem Schachzug hat er seine selbst gesteckten Ziele für das IT-Haus übertroffen. Von Marc Kuhn

Dabei blickt die Software AG auf eine durchaus wechselvolle Geschichte zurück.

Die Gründung durch Peter Schnell vor 40 Jahren war ein gewagtes Unternehmen. 1969 steckte die Branche noch in den Kinderschuhen, Computer waren kaum verbreitet. Software wurde von den Unternehmen meist selbst entwickelt, wie Norbert Eder, Vize-Präsident der Software AG, berichtet. Schon früh habe sich die Firma deshalb in den USA engagiert, dort habe es einen Markt für die Produkte gegeben. „Das war das Besondere.“ Aber auch in Asien wurde schon bald Geld verdient. Die erste Software ADABAS sei dann in den 70er Jahren mit der beginnenden Digitalisierung auch in Deutschland erfolgreich gewesen. Das Unternehmen sei „unheimlich reich geworden“, erinnert sich Eder. Kunden wie die öffentliche Hand und Banken griffen auf die Software der Darmstädter zurück. Die sprudelnden Finanzquellen ermöglichten in den 80er Jahren dann den Bau „der Burg“, erklärt Eder - eine heute noch imposante Anlage in Darmstadt-Eberstadt, die aus Naturstein, Holz, Glas und Kupfer gebaut wurde. Sie ist von viel Grün und Teichen durchzogen. So sollte ein „privater Stil für das Funktionsgebäude entstehen“, erläutert Eder. „Die Entwickler sollten sich von der Natur inspirieren lassen.“ Doch die Erfolge blieben allmählich aus. Große Trends seien nicht verfolgt worden. „Der Tiefpunkt war 2003 erreicht.“ Die Firma sei nicht mehr überlebensfähig gewesen.

Dann übernahm Streibich die Software AG, die damals gerade mal 400 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete. Sein neuer Ansatz neben dem Stammgeschäft: Die verschiedenen Systeme eines Unternehmens sollten besser verbunden werden. Kommunikationswege, Partnerschaften und gemeinsame Forschungsprojekte mit Instituten wurden aufgebaut. Streibich stellte einen Zehn-Jahres-Plan auf. Alle zwei Jahre sollte sich der Umsatz verdoppeln. „Ein hohes Tempo“, berichtet Eder. 2005 legte das Wachstum wieder zu, erklärt Paul Hughes, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. „Seitdem geht es aufwärts.“ 2007 wurde die Firma webmethods in den USA übernommen, die sich mit Integrationssoftware beschäftigt.

Heute sagt Eder selbstbewusst: „Wir sind ein Prozessoptimierer.“ Die Übernahme von IDS Scheer passt genau in das von Streibich forcierte Konzept. Die Saarbrückener Firma ist führend in den Bereichen Analyse und Design, die Software AG bei der Implementierung. „Wir bieten die komplette Wertschöpfungskette an, um Abläufe zu digitalisieren“, berichtet Streibich. Die Übernahme sei auf Wachstum ausgerichtet, ein Arbeitsplatzabbau nicht geplant. 61 Prozent hält die Software AG bereits an IDS Scheer, im Herbst sollen es 75 Prozent sein. Dann beginne die Integration der Firma, berichtet Streibich. Geht der Kauf über die Bühne, erreicht er sein erst für 2011 gestecktes Ziel von einer Milliarde Euro Umsatz schon im nächsten Jahr. Die Größenordnung ist nach Ansicht von Streibich wichtig, „um als Softwarefirma auf dem internationalen Markt sichtbar zu sein“. Die Darmstädter sind nach SAP die zweitgrößte Software-Schmiede in Deutschland, in Europa kommen sie auf Platz vier. Weltweit zählt sie Software AG zu den Top 30.

Quelle: op-online.de

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