Raumsonde „Rosetta“ wird geweckt

Ein Ereignis wie die Mondlandung

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Darmstadt - Fast 1000 Tage Winterschlaf sind für die Raumsonde „Rosetta“ genug. Heute soll sie geweckt werden - und Kurs nehmen auf einen Kometen, um mit einem Landegerät erstmals die Kinderstube des Sonnensystems zu erforschen. Von Joachim Baier

Aufwachen und ran an die Arbeit: Mit einem Weckruf für die Raumsonde „Rosetta“ im Weltall startet die europäische Raumfahrtagentur Esa heute die heiße Phase einer ehrgeizigen Mission. Das Ziel: Mit einer nach Esa-Angaben noch nie dagewesenen Landung auf einem Kometen sollen die Anfänge des Sonnensystems erkundet werden. „Rosetta“ war auf ihrer langen Reise vor zweieinhalb Jahren in einen energiesparenden Tiefschlaf versetzt worden. Der Wecker klingelt am heutigen Montag exakt um 11 Uhr. Gesteuert werden Europas Raumsonden und Satelliten vom Esa-Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt.

Die Landestufe Philae (Mitte) macht sich von der Weltraumsonde Rosetta (oben) auf ihren Weg zum Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. (Bild vergrößern)

Wenn alles klappt, „Rosetta“ also wieder richtig loslegt und dann den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko erreicht hat, wird es ernst. Für November 2014 ist die spektakuläre Landung des von der Raumsonde transportierten Minilabors „Philae“ auf dem Schweifstern geplant. Das kann eine Goldgrube für die Forschung werden. Kometen - eine Mischung aus Stein, Eis und Staub - sollen Urmaterie vom Beginn des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahre enthalten. Damit wäre der Blick in die Kinderstube des Sonnensystems möglich. Vom „ersten wirklichen Rendezvous mit einem Kometen“, spricht Esa-Flugdirektor Paolo Ferri (54). Besucht worden seien Kometen schon des öfteren, ein solches wirkliches Aufeinandertreffen habe es aber noch nicht gegeben.

„Das Heikelste ist die Landung selbst“

„Das Heikelste ist die Landung selbst“, sagt Stephan Ulamec (47), der „Philae“-Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Wir wissen nicht, ob die Oberfläche des Kometen weich oder hart ist.“ Gelandet wird deshalb auch ganz langsam. „Wir werden versuchen, einen Aufprall zu verhindern.“ „Rosetta“ war am 2. März 2004 mit einer Ariana-5-Rakete vom der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana ins All gestartet. Seit dem 8. Juni 2011 befindet sie sich in einem energiesparenden Tiefschlaf, rast aber noch durchs All. Die Raumsonde muss so lange unterwegs sein, damit sie genug Tempo bekommt, um den rasend schnellen Kometen einzuholen.

Das heutige Aufwachen sei mit dem Hochfahren eines Computers zu vergleichen, schildert Ferri die Angelegenheit. Bereits nächstes Jahr wird es heikel. Im August 2015 wird der Komet auf seiner Bahn der Sonne am nächsten sein. Dann wird es für den auf ihm gelandeten „Philae“ zu heiß. Ulamec geht davon aus, dass dies für den Lander das Aus bedeutet. So sieht es auch Ferri. Aber das mache den Wissenschaftlern keinen Strich durch die Rechnung. „Wenn „Philae“ gelandet ist, hat er schon ein paar Tage danach seinen Dienst getan.“

Weltraumforscher vergleichen das Vorhaben mit der Mondlandung 1969. Bislang ist zwar noch keine Sonde auf einem Kometen gelandet. Allerdings war die japanische Raumsonde „Hayabusa“ im Jahr 2005 auf dem Asteroiden Itokawa und hat Bodenproben zur Erde gebracht.

dpa

Quelle: op-online.de

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