Erfahrungen von Medizinern aus der Region

„Hausbesuche besser strukturieren“

Dr. Reinhold Jerwan, Arzt in Dietzenbach

Offenbach - Was ist los beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst in Hessen? Funktioniert er tatsächlich schlecht und schleppend? Medienberichte über eine große Unzufriedenheit mit der Reform bringen Patienten und Ärzte immer wieder auf die Palme; einige fühlen sich bestätigt, andere widersprechen.

Zuletzt meldete der Hessische Rundfunk (hr) - mit Verweis auf eigene Recherchen: „Zwei Drittel der hessischen Landkreise und kreisfreien Städte sind mit der neuen Struktur des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes unzufrieden.“ Demnach beklagen Patienten nun, dass die Wartezeiten für den Bereitschaftsdienst zu lang sind; „teilweise warten Anrufer eine halbe Stunde und länger“. Verantwortliche in den Landkreisen sehen laut hr die medizinische Versorgung gefährdet: „Auch weil die Patienten jetzt vermehrt unter der Notrufnummer 112 anrufen; das bestätigen zum Beispiel der Hochtaunuskreis, der Werra-Meißner-Kreis, der Kreis Limburg-Weilburg und die Stadt Offenbach.“ Entsprechend voller seien die Notaufnahmen in den Krankenhäusern.Dr. Reinhold Jerwan aus Dietzenbach reagierte auf Anfrage unserer Zeitung gelassener: „Es sind seit Beginn der Änderung ab 1. Januar lediglich vier Beschwerden eingegangen. Nicht wegen langer Wartezeiten oder ähnliches; es ging um Ärger über einen Diensthabenden.“

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Recherchen von Jerwan ergaben, dass in den neuformierten Zentralen insgesamt einiges „unrund“ gelaufen ist, besonders in der Anfangsphase. Die Veränderungen haben sich nach seinen Angaben erst „einspielen müssen“. „Die Wartezeiten in unserer Zentrale sind moderat; die Hausbesuche, zugegeben, könnten besser strukturiert sein und effektiver ablaufen“, so das Urteil des Dietzenbacher Mediziners. Bereitschaftsdienstärztin Heike Berger aus Obertshausen machte ihre eigenen Erfahrungen.

Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

„Am Ende eines Dienstes lasse ich meine Fälle oft Revue passieren und stelle fest, dass nur ein Bruchteil der Besuche aus medizinischer Sicht wirklich nachvollziehbar waren. Ich habe im Schnitt pro 1 000 Patienten vielleicht zwei bis fünf Prozent Schwerkranke - also Herzinfarkt, Lungenembolie.“ Was die Ärztin verwundert: „Ich hatte am Sonntag eine 19-jährige Patientin, die sich mit Schnupfen als schwer krank bezeichnet hat.“ Ein anderer Mediziner berichtet aus seiner Erfahrung als Dienstarzt im kinderärztlichen Notdienst und bestätigt Einschätzungen von Heike Berger: „Sei es Verunsicherung der heutigen Elternschaft oder Bequemlichkeit: relativ viele leichte Fälle bevölkern den Notdienst und machen es den wahren Notfällen schwer. Gerade mit schwer kranken Kindern möchte man ja nicht drei Stunden warten.“ J psh

Quelle: op-online.de

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