Hoffnung auf 1000 Jungvögel in Hessen

Erfolgsgeschichte des Storchs geht weiter

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Mit Nistmaterial ist dieser Weißstorch in Biebesheim am Rhein dabei, sein Nest auszubessern.

Frankfurt - Ungewöhnliche Begegnungen in Hessen: In diesen Tagen können Störche und Silberreiher zusammen beobachtet werden. Die einen sind gerade angekommen, die anderen werden bald wegfliegen. Von den Kranichen ist erst die Vorhut unterwegs. Von Sabine Ränsch 

Amseln singen schon, Krokusse und Narzissen blühen - allmählich kommt der Frühling. Aus Süden sind die ersten Störche eingetroffen und inspizieren ihre Horste, schauen, ob etwas repariert oder ersetzt werden muss. Naturschützer hoffen auf ein ähnlich gutes Jahr wie 2015, als über 410 Brutpaare landesweit rund 1000 Jungvögel großzogen. „Das ist eine sensationelle Zahl für Hessen“, sagt Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt. Der größte Teil der deutschen Störche kehrt von Ende März bis Anfang April zurück. Insgesamt leben rund 6000 Storchpaare in Deutschland. Vor 30 Jahren gab es so gut wie keine Störche mehr im Land - ihre Rückkehr ist aus Sicht des Naturschutzbundes Nabu eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes. Besonders viele Horste gibt es im südhessischen Ried - allein dort zählten die Vogelexperten im vergangenen Sommer 180 Brutpaare.

Die starke Vermehrung der Mäuse im heißen und trockenen Sommer, über die sich Bauern beklagen, war für Störche ebenso wie für Greifvögel und Eulen ein Segen. Es gab Nahrung in Hülle und Fülle, die wichtigste Voraussetzung für den Bruterfolg. Und weil der Winter so mild war, haben sich einige Störche den Kräfte zehrenden Zug erspart und sind gar nicht weggeflogen. Zugvögel seien flexibel, sagt Experte Hormann. Sollte es doch einmal sehr kalt werden, sei das für sie keine Katastrophe: „Sie sind hochmobil und können ausweichen.“ Nach ihrer Ankunft aus dem Süden erleben die Störche mancherorts ungewöhnliche Begegnungen. Silberreiher haben in hessischen Auenlandschaften überwintert, etwa in der Wetterau. Seit rund 20 Jahren kommen die schneeweißen, eleganten Vögel über den Winter in die mittelhessischen Auengebiete, wo sie in Trupps von 10 bis 20 Tieren zusammenstehen.

Zum Brüten kehren sie im Frühjahr nach Osteuropa zurück - der Neusiedlersee im österreichisch-ungarischen Grenzgebiet ist eines der Hauptgebiete. Dort gibt es ausgedehnte Schilfareale, die in Hessen fehlen. Vielleicht sei das ein Grund, warum es hierzulande noch keine Bruten gebe, meint Hormann. Als Hauptgrund für das Auftauchen des Silberreihers in Hessen und anderen deutschen Regionen vermuten Experten des Naturschutzbundes Nabu die wachsende Zahl der Brutpaare in den weiter nördlich gelegenen Teilen Osteuropas wie Russland. Dort sei es zwar im Sommer warm, im Winter aber so kalt, dass die Vögel lieber im vergleichsweise warmen Deutschland mit wenig Schnee überwintern. „Aufgrund seiner ständigen Ortswechsel und des ganzjährigen Auftretens in Mitteleuropa ist über das genaue Zugverhalten des Silberreihers bisher nur wenig bekannt.“

Naturschutzbund beringt Störche

Bei Kranichen ist das anders. Sie überqueren Hessen jedes Jahr zwei Mal - im Herbst auf dem Weg nach Südeuropa und im Frühjahr in die Brutgebiete im Nordosten. Rund 250 000 Tiere sind es jeweils. Bei schlechtem Wetter rasten sie häufig in der Wetterau. Etliche Hundert Vögel sind bereits durchgeflogen, aber das war nur die Vorhut - die meisten werden in den nächsten Wochen erwartet.

dpa

Quelle: op-online.de

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