Erlebnispfade zum Klimakiller

Der Wald als Universalgenie

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Dieser Würfel in der Größe eines Kubikmeters Holzes steht auf dem Erlebnispfad in Geisenheim. Er verdeutlicht die klimaökologische Funktion des Waldes.

Geisenheim - Alle vier Sekunden wächst ein Kubikmeter Holz nach. Werner Weitzel, Forstdirektor bei HessenForst, verpackt solche Informationen in Erlebnispfaden. Von Petra Wettlaufer-Pohl 

Für Werner Weitzel ist die Diskussion über den Klimawandel müßig: „Wir sind längst an einem Punkt, an dem man den Wandel nicht mehr abstreiten kann.“ Der Forstdirektor ist beim Landesbetrieb HessenForst zuständig für den sogenannten Klimakiller Nr.1, das Kohlendioxid (CO2).

Oder besser gesagt für die Information über das klimaschädliche Treibhausgas, von dem weltweit jährlich 30 Milliarden Tonnen ausgestoßen werden, mindestens 40 Millionen davon in Hessen. Denn der Wald, so der Forstexperte, sei das „Universalgenie“, das lautlos gegen den Klimakiller arbeite.

Infos auf Erlebnis-Lehrpfaden

Anschaulich gemacht werden diese und andere Informationen auf Erlebnis-Lehrpfaden, für die Weitzel das Konzept entwickelt hat. An teils interaktiven Stationen werden die Bürger über Klimawandel, Ursachen und Lösungen informiert. Bislang ist das Konzept zwei Mal umgesetzt worden: seit Oktober vergangenen Jahres am Rothaarsteig bei Dillenburg-Donsbach (Lahn-Dill-Kreis) und - ganz neu - am Rheinsteig bei Geisenheim im Rheingau.

Man habe bewusst Strecken auf Premiumwanderwegen gewählt, so Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) kürzlich bei der Eröffnung des Rheingauer Pfades, denn dort könne man möglichst viele Wanderer erreichen. Die lernen, dass der Wald der Atmosphäre durch die Photosynthese CO2 entzieht. Und dass der Atmosphäre durch die Nutzung von Holz anstelle anderer Bau- oder Brennmaterialien rund drei Millionen Tonnen CO2 erspart bleiben, wie Weitzel im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert.

Erlebnispfade bezahlt aus Landesmitteln

Zahlen, die für manche schwer fassbar sind, deshalb hat Weitzel eingängige Beispiele parat: „Im hessischen Wald wächst alle vier Sekunden ein Kubikmeter Holz nach. Dabei werden der Atmosphäre etwa 1,4 Tonnen CO2 entzogen. Das ist so viel, wie ein 6-Liter-Auto auf rund 10 000 Kilometern ausstößt.“ Auch aus nordhessischen Waldgebieten wird bereits Interesse an den Lehrpfaden bekundet, so HessenForst-Sprecherin Petra Westphal. „Spruchreif ist aber noch nichts.“ Bezahlt werden die Erlebnispfade aus Landesmitteln, der Pfad in Geisenheim schlug mit 75 000 Euro zu Buche.

Autofahrer etwa können auf dem Wanderweg erfahren, wieviele Bäume sie pflanzen müssten, um den CO2-Ausstoß ihres Autos zu kompensieren: Bei 16 000 Kilometern Jahresleistung und einem Verbrauch von fünf Litern Diesel wären es 51,6 Buchen, 64,9 Eichen, aber nur ganze 6,4 Douglasien (siehe Hintergrund). Doch so eingängig und unterhaltsam der Erlebnispfad am Rheinsteig auch ist - bei manchem Waldbesucher haben Weitzel und HessenForst noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Ein Spaziergänger meinte lapidar: „Alles Propaganda, wer keine Probleme hat, macht sich welche“.

Quelle: op-online.de

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