Pfarrer plant ungewöhnliche Predigt

„Erotischer Gottesdienst“ zum Thema Sex

Wiesbaden - Sexualität und Religion - zwei Themen, die in Kombination manchmal ein gewisses Spannungsverhältnis aufweisen. Denn für Fundamentalisten ist sexuelle Freizügigkeit oft ein moralisches Problem. Ein Pfarrer in Wiesbaden plant nun einen „erotischen Gottesdienst“.

Ein evangelischer Pfarrer will am Sonntag in Wiesbaden einen „erotischen Gottesdienst" feiern. „Ich möchte erreichen, dass die Menschen erleben: Die Kirche ist nicht sexualfeindlich, nicht leibfeindlich, und dass unsere menschliche Sexualität gottgegeben ist und dass wir sie ausleben sollen", sagte Ralf Schmidt, Pfarrer der Erlösergemeinde im Stadtteil Mainz-Kastel. Auch in der Sexualität sei Gott gegenwärtig.

Der Gottesdienst solle mit Musik, Tänzen und Düften alle Sinne ansprechen. Schmidt will aber auch das abfällige, vulgäre Reden über Sexualität nicht aussparen. „Alle Welt, auch meine Schüler, redet von Poppen und Ficken, und diese Worte kommen auch in der Predigt vor." Er wolle diesen Begriffen „gute Worte, um Sexualität zu beschreiben" entgegensetzen.

Allein die Ankündigung hat ein großes Medienecho hervorgerufen, mit dem Pfarrer Schmidt nach eigenen Worten nicht gerechnet hat. Mit dem zuständigen Dekanat sind die Inhalte des Gottesdienstes nur in Grundzügen abgesprochen. „Ich kenne weder die Predigt, noch habe ich sie genehmigt", sagte der Rüsselsheimer Dekan Kurt Hohmann auf Anfrage. Das sei aber auch nicht notwendig, denn er sei sich sicher, dass Schmidt „eine gute Form" für das Thema finden werde.

Ein Sprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sagte: „Wir sind gespannt auf den Gottesdienst. Grundsätzlich betrifft das Evangelium aber alle Lebensbereiche, auch Sexualität und Erotik." Bereits 2007 hatte ein Pfarrer auf dem Evangelischen Kirchentag in Köln einen „erotischen Gottesdienst" mit Musik und Tänzen abgehalten.

Interview mit Pfarrer Ralf Schmidt

Was erwartet die Kirchgänger beim „erotischen Gottesdienst"?

Es ist ein Gottesdienst für alle Sinne und vor allem für die prickelnden Sinne. Mit Worten, mit Riechen, mit Fühlen mit Tasten wird alles angesprochen und der Mensch soll aus dem Gottesdienst rausgehen und eine wohlige Wärme in sich spüren.

Aber beginnen soll es mit deftigen Worten?

Bei der Predigt werde ich deftige Worte verwenden, weil unsere Sprache in Bezug auf Sexualität und Erotik sehr vulgär ist. Dann werde ich aber die mit Schülern erarbeiteten guten Worte, um Sexualität zu beschreiben ins Zentrum rücken, so dass die Menschen aus dem Gottesdienst hinausgehen und neue Worte für Sexualität haben, die gut tun.

Was wollen Sie mit dem Gottesdienst erreichen?

Ich möchte erreichen, dass die Menschen erleben: Die Kirche ist nicht sexualfeindlich, nicht leibfeindlich, und dass unsere menschliche Sexualität gottgegeben ist und dass wir sie ausleben sollen und praktizieren. Auch in der Sexualität ist Gott gegenwärtig. Ich bin davon überzeugt, dass die Gesellschaft eine neue Sexualmoral braucht, da unser ganzes leben auch durch Werbung dermaßen sexualisiert ist, dass sich die Kirche einer Antwort nicht entziehen kann, sondern Worte finden muss, die auch in die Sexualität hineinwirken.

dpa

Quelle: op-online.de

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