Viele Interessierte bei erster Frankfurter Pilgerbörse

Pilgern beginnt vor der Haustür

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Thomas Zöller von der Dudelsack-Akademie Hofheim spielt zur „Vamonos 2016“ auf. Das Instrument ist auch in Galicien, der Region um Santiago de Compostela, weit verbreitet.

Frankfurt - Pilgern liegt im Trend. Das belegen nicht nur mehr als 500.000 Deutsche, die jährlich ihren Rucksack schultern, sondern auch der rege Besucherzustrom, den die erste Frankfurter Pilgerbörse der Pfarrgemeinde Sankt Jakobus erfahren hat. Von Katrin Muhl

Unter dem Motto „Vamonos 2016“ (spanisch für „Auf geht’s 2016“) tummelten sich schon kurz nach Beginn gut 200 Interessierte im Gemeindezentrum der Offenen Kirche Mutter vom Guten Rat in Frankfurt-Niederrad. „Mit 50 Besuchern insgesamt wären wir zufrieden gewesen“, sagte Karl-Heinz Kohn sichtlich überwältigt. An einem Bistrotisch im proppenvollen „Cafe Camino“ versucht er den Überblick zu behalten und neue Mitglieder für die Frankfurter Regionalgruppe der Hessischen Jakobusgesellschaft zu gewinnen.

Noch bevor Thomas Zöller, Dudelsack-Spieler aus Hofheim, sein Ständchen zur Eröffnung geblasen hatte, waren alle zwölf Stände im Ausstellungsraum von Interessierten belagert. „Wir bekommen lauter Anfragen von Leuten, die wissen wollen, wo sie in der Region pilgern können“, erzählte Miriam Penkhues, Leiterin der Pilgerstelle im Bistum Limburg. Dass man „nicht gleich die 2 000 Kilometer nach Santiago de Compostela“ laufen muss, will auch Kohn all jenen klarmachen, denen eine Pilgerreise à la Hape Kerkeling eine Nummer zu groß ist.

Möglichkeiten, vor der eigenen Haustür zu starten, gibt es in der Region genug: Der Elisabethpfad verläuft auf 140 Kilometern von der Deutschordenskirche in Frankfurt nach Marburg; ein 17 Kilometer langer Streckenabschnitt der Bonifatiusroute von Mainz nach Fulda kann von Hochheim bis Kriftel gelaufen werden, und entlang des Radwanderwegs „R3“ geht es 8,5 Kilometer auf dem Jakobsweg von der Leonardkirche nach Schwanheim.

„Es gibt gar nicht den einen Jakobsweg, sondern viele, die Europa wie ein Netz überspannen und in Santiago de Compostela enden. Ich persönlich finde, der Jakobsweg ist überall dort, wo sich der Jakobspilger bewegt“, sagte Klaus Schmitt, der sich als Initiator des Jakobswegs von Fulda nach Frankfurt vorstellte. Deshalb finde er es auch nicht schlimm, dass ab dem Frühjahr gelbe Muschelzeichen auf blauem Grund abweichend von der historischen Route den bisher noch nicht ausgeschilderten Weg von Frankfurt nach Mainz weisen. Statt der vielbefahrenen A66 zu folgen, sollen Jakobspilger ab Sankt Leonhard den idyllischen Pfad entlang der Bonifatiusroute nehmen. Ein guter Schachzug – denn Autolärm kann wirklich nicht gebrauchen, wer eine spirituelle Wanderung unternimmt. Informationen zu Schnupperpilgern, Pilgermessen (Gottesdienst), Pilgerstammtisch und Treffen der Regionalgruppen sind auf der Webseite der Hessischen Jakobusgesellschaft einzusehen.

Pilgerpfad Camino Português

Quelle: op-online.de

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