Eschborner managen Energie

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Die Firma Techem aus Eschborn ist vor allem wegen der Abrechnung von Heizkosten bekannt.

Frankfurt - Die Heizungsableser von Techem sind im Rhein-Main-Gebiet so ziemlich jedem Mieter ein Begriff. Was viele allerdings nicht wissen: Das Traditionsunternehmen sitzt in Eschborn. Von Axel Wölk 

Der Konzern wurde 1952 in Frankfurt gegründet und ist der Region seitdem immer treu geblieben. Techem versteht sich heutzutage als weit mehr als ein Unternehmen für die Heizungsabrechnung und –ablesung. „Unsere Kernkompetenz ist das Energiemanagement für Immobilien, insbesondere für Wärme“, stellt Unternehmenssprecher Robert Woggon klar. „Dabei kommen viele wichtige Leistungen aus einer Hand.“ Wie breit gefächert Techem aufgestellt ist, wird an einzelnen Dienstleistungen deutlich. Beim sogenannten Contracting etwa wird dem Hausbesitzer direkt eine Heizungsanlage in sein Eigentum eingebaut. Fortan muss er sich nicht mehr um Ausfälle, Reparaturen oder Wartung kümmern. Auch den Brennstoffeinkauf übernehmen in diesem Fall die Experten aus dem Rhein-Main-Gebiet. Das Plus für Umwelt, Mieter und Eigentümer: Mit der von den Fachleuten betriebenen Anlage wird massiv Energie eingespart.

Techem setzt mit seinen rund 3400 Mitarbeitern jährlich um die 720 Millionen Euro um. Der im Jahr 2000 an die Börse gegangene und neun Jahre später in eine GmbH umgewandelte Konzern schreibt beständig schwarze Zahlen. Einen großen Teil dazu trägt auch weiterhin das traditionelle Standbein Heizungsablesung und –abrechnung bei. Rund fünfeinhalb Millionen Wohnungen betreut er im gesamten Bundesgebiet. Unter dem Strich haben die Südhessen in 20 Ländern rund 47 Millionen Ablesegeräte im Einsatz.

Seit 1996 bauen sie insbesondere auf Funktechnologie. Der Vorteil: Die Mieter müssen nicht zu Hause sein und dem Heizungsableser die Tür öffnen. Per Funk landen europaweit die Daten in den Rechenzentren der Eschborner. Inzwischen beträgt die Funkquote bei Techem in Deutschland mehr als 60 Prozent – Tendenz steigend. „Das ist auf dem deutschen Markt die höchste Quote“, freut sich Woggon. Der immense Vorteil der Erfassung von Wärmeverbräuchen ist: Jeder Mieter zahlt nur so viel, wie er tatsächlich verbraucht. Das war lange Jahre bei weitem kein Standard und ist insbesondere in südeuropäischen Ländern noch immer häufig eher Ausnahme denn Regel. Der Nutzen liegt auf der Hand: Um die 20 Prozent Energie werden eingespart, wenn der Einzelne für seine Heizung auch wirklich selbst zahlen muss und die Kosten nicht auf die Hausgemeinschaft umgelegt werden.

Das Unternehmen verbreiterte im Laufe der Zeit dauernd seine Geschäftsfelder. Heute kommt zum Energiemanagement im klassischen Sinne auch noch das Thema Sicherheit und Gesundheit dazu. Gemeinsam mit dem Fresenius-Institut werden regelmäßig die seit 2013 vorgeschriebenen Legionellenüberprüfungen vorgenommen. Mittels Funk kann Techem zudem jährlich feststellen, ob Rauchwarnmelder in Wohnungen noch funktionstüchtig sind. Das Gute ist für den Mieter auch hier wiederum: Er muss nicht extra auf den Techniker warten.

Die Südhessen denken europäisch. Erst jüngst kauften sie für eine nicht genannte Summe den skandinavischen Messdienstleister Inergi. Das Unternehmen sieht in Skandinavien echtes Wachstumspotenzial. Selbst im fortschrittlichen Schweden werden die Heizungskosten noch längst nicht immer verbrauchsabhängig ermittelt und abgerechnet. Das eröffnet den Eschbornern erhebliche Marktchancen. Techem sieht sich als innovatives Unternehmen. „Wir haben eine entsprechend ausgestattete Abteilung für Forschung und Entwicklung“, betont Woggon. Das zahlt sich immer wieder aus. Die Techniker entwickelten vor einiger Zeit das patentierte Einsparsystem adapterm. Dabei wird die sogenannte Vorlauftemperatur der Heizungsanlage auf den idealen Wert für den Bedarf der Räume angepasst, bevor das Wasser in die Leitungen fließt. Hieraus ergeben sich Energieeinsparungen von bis zu zehn Prozent.

In Zeiten, zu denen ganz Deutschland über die Energiewende spricht, wird häufig die Bedeutung von Wärme übersehen. Rund 85 Prozent der Energie in Haushalten entfällt auf Wärme und Warmwasser, nur 15 Prozent macht Strom aus. Hier verbergen sich die stärksten Einsparpotenziale, doch Politik und Wirtschaft predigen gebetsmühlenartig über den zu hohen Stromverbrauch. „Über Wärme machen sich die Menschen vergleichsweise wenig Gedanken, achten aber sehr darauf, auch ja ihre Glühbirnen zu ersetzen“, sagt Woggon. Techem spielt auch in Offenbach eine erhebliche Rolle. Hier nutzen viele Mieter und Eigentümer die Dienstleistungen der Eschborner.

Quelle: op-online.de

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