Europäische Raumfahrt-Agentur ESA

Europa 50 Jahre im Weltraum

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Darmstadt - Es gab Misserfolge, zugegeben. Aber letzten Endes steht die Europäische Raumfahrt-Agentur ESA für ein erfolgreiches Raumfahrtkonzept - und sie entstand unabhängig vom Militär. Von Joachim Mahrholdt 

In der Raumfahrt liegen wissenschaftlicher Erfolg und technische Niederlage manchmal nahe beieinander. Da gelingt es einer Raumsonde der Europäischen Raumfahrt-Agentur ESA, sich nach zehn Jahren Flug durchs All in vielen hundert Millionen Kilometer Entfernung einem rasenden Kometen zu nähern, um im November ein Landegerät auf ihm abzusetzen: Rosetta - eine sensationelle Mission. Und da versagt ein seit Jahrzehnten erprobtes Trägersystem (Sojus) und hängt die beiden ersten einsatzfähigen Navigationssatelliten Europas 4000 Kilometer zu tief an den Himmel: Galileo. Bei der ESA dürfte man insofern die Feiern zu 50 Jahren europäischer Zusammenarbeit im All durchaus mit gemischten Gefühlen angehen.

Und doch: Letztlich ist Europas Weg zu den Sternen eine Erfolgsstory. Er ist ein wichtiger Teil der Friedens- und Einigungspolitik, welche den alten Kontinent nach dem zweiten Weltkrieg prägte. Denn während Amerikaner und Russen den Weltraum durchaus auch als militärische Option verstanden, setzten die Europäer von Beginn an ausschließlich auf wissenschaftliche und wirtschaftliche Nutzung des Alls.

So waren die ersten Trägersysteme der USA und der Sowjetunion für denkbar unfriedliche Zwecke konzipiert. Es handelte sich um modifizierte Interkontinentalraketen, mit denen Ost wie West Satelliten und Menschen ins All schickten. Raumfahrt war ein Nebenprodukt des Wettrüstens.

Zusammenarbeit in Europa funktioniert

In Europa war es in den fünfziger und sechziger Jahren nicht viel anders. Frankreich und England entwickelten schon früh eigene Raketen - für Sprengköpfe, nicht für Satelliten. Und doch gab es in mehreren Ländern jenseits der nationalen Militärs zivile Initiativen für eine Erforschung des erdnahen Alls.

Bestes Beispiel für eine funktionierende europäische Zusammenarbeit bot das CERN in Genf, das europäische Nuklearforschungszentrum. Es dauerte allerdings Jahre, bis 1964 die ESRO (European Space Research Organisation) gegründet wurde. Das Tauziehen um Finanzierung und Einfluss kostete Zeit. Man konzentrierte sich auf die Erforschung der oberen Atmosphäre durch vergleichsweise kleine Raketen. In diesen Jahren schickten Russen und Amerikaner schon Menschen in den Orbit.

Für größere Nutzlasten jedoch fehlte den Europäern die nötige Rakete. Aus verschiedenen Gründen wollte man sich nicht von den USA abhängig machen, und die Briten mit ihrer „Blue Streak“ hatten schon einen brauchbaren Träger. Auch in diesem Bereich raufte man sich also zusammen und gründete ebenfalls 1964 eine Schwesterorganisation, die nur für Raketen zuständig sein sollte, die ELDO (European Launcher Development Organisation). Heraus kam die Europa 1, eine britisch-französisch-deutsch-italienische Koproduktion, die vom australischen Woomera starten sollte. Neun von zehn Starts bis Anfang der siebziger Jahre schlugen jedoch fehl. Zu dieser Zeit hatte der erste Mensch bereits den Mond betreten.

Europas Weg ins All war also besonders steinig. Erst durch eine neue Organisation, die sowohl für Nutzlasten als auch für die Raketenentwicklung zuständig sein sollte, gelang es, eine gemeinsame Perspektive zu schaffen: 1975 schlug die Geburtsstunde der ESA, in der ESRO und ELDO aufgingen. Die Briten reduzierten ihren Anteil, dafür engagierten sich die Franzosen besonders. Sie setzten Kourou als neuen Startplatz durch und gründeten federführend auch gleich Arianespace, die Herstellerfirma der späteren Erfolgsrakete. Langsam entpuppte sich trotz aller Kontroversen ein europäisches Raumfahrtkonzept. Im Mittelpunkt: Entwicklung und Einsatz von wissenschaftlichen Nutzlasten, aber auch von kommerziellen Satelliten, außerdem Entwicklung einer eigenen europäischen Trägerrakete.

Ariane - die französische Version von „Ariadne“ aus der griechischen Mythologie - führte Europas Raumfahrt in der Tat aus der Krise. Sie stellte sich von Anfang an als moderne und kostengünstige Lösung für unbemannte Transporte heraus, die im Laufe der Jahre auch kommerzielle Erfolge feierte.

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Wissenschaftliche Erfolgsgeschichten schrieben besonders die Astronauten an Bord des Europäischen Raumlabors Spacelab, das US-Shuttles in den Orbit brachten, und ihre Kollegen in der Internationalen Raumstation ISS. Sie zeigten, dass internationale Zusammenarbeit und Offenheit wichtige Erfolgsprinzipien der ESA sind.

Heute sind wissenschaftliche und wirtschaftliche Hintergründe der Raumfahrt bestimmend. Um Technikkompetenz und um „Abfallprodukte“ der Raumfahrt geht es: etwa um Kommunikations- und Medizintechnik, Navigation, Patente.

Übrigens: Die viel zitierte Teflon-Pfanne gehört nicht zu diesen Abfallprodukten der Weltraumforschung. Ihre Wurzeln liegen in einer deutlich früheren Geschichtsepoche: Dieses Material geht auf ein Reichspatent von 1938 zurück.

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Quelle: op-online.de

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