Europas größter Lauf

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Bitte folgen: Mehr als 72 000 in Bewegung - Orientierung war gefragt.

Frankfurt ‐ Das Schönste an geschlagenen Schlachten ist hinterher der Austausch der Heldentaten und Erfahrungen. Von Christian Riethmüller

„In der Mitte hatte ich ja einen kleinen Hänger”, schnauft da etwa einer mit hochrotem Kopf, aber glücklichem Lächeln im Gesicht, weil „dann ging es doch wieder”. Sein Nachbar pflichtet bei „Es war geil” und dürfte damit den Eindruck von möglicherweise 72.741 Menschen wiedergegeben haben. So viele Läufer hatten sich nämlich zum J.P. Morgan Corporate Challenge (JPMCC) angemeldet, jenem Lauf für Firmenmitarbeiter, der sich gestern Abend auf einer Strecke von 5,6 Kilometern durch die Frankfurter Innenstadt schlängelte.

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72.000 laufen durch Frankfurt

Diese Menschenschar brachte nicht nur den Straßenverkehr für einige Stunden nahezu zum Erliegen, sie bedeutete auch fast einen Rekord. Nur im Jahr 2008 waren mit 73719 Teilnehmern noch mehr Läufer am Start als nun bei der mittlerweile 18. Auflage des Corporate Challenge. Einen neuen Rekord gab es trotzdem. Insgesamt 2752 Firmen hatten diesmal für den Lauf gemeldet, so viele wie noch nie. Die Mehrheit der Läufer kam dabei aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet, doch immerhin über ein Drittel der Sportler - fast 25000 Menschen - nahm für das Ereignis weite Reisen auf sich, etwa von der Nordseeinsel Amrum, aus dem bayerischen Fürstenfeldbruck oder aus der Schweiz.

Sie trugen ihren Teil dazu bei, das sich der JPMCC als „größter Lauf Europas” bezeichnen darf, was vorrangig aber den riesigen Teams geschuldet ist, die einige Firmen ins Rennen schickten. Das größte Team stellte diesmal die Commerzbank mit 1936 Teilnehmern vor der Lufthansa mit 1313 Startern, der Deutschen Bank mit 1240 und der Deutschen Bahn mit 1089 Teilnehmern und vor allem auch Teilnehmerinnen. Denn bei keinem anderen Lauf-Ereignis nehmen nach Veranstalter-Angaben so viele Frauen teil. 20861 Läuferinnen waren für den gestrigen Firmenwettbewerb, der von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler eröffnet wurde, angemeldet.

16 Minuten und 34 Sekunden

Ungezählt hingegen die vielen Zuschauer an der Strecke, die den Läufern, oftmals Kollegen, die nötige Unterstützung gaben, sich über die mitunter endlos erscheinenden Asphaltmeter zu quälen. Auf der Zielgerade an der Senckenberganlage, gegenüber vom Naturkundemuseum Senckenberg, war zahlreichen Teilnehmern die Strapaze ins Gesicht geschrieben und an den Bewegungen anzusehen. Mit bebenden Oberschenkeln stampften sie die letzten Meter bis zum Ziel, während andere wie junge Rehe vorbeihüpften, scheinbar kaum gefordert.

Gerade einmal 16 Minuten und 34 Sekunden benötigte der Sieger für die 5,6 Kilometer lange Strecke, die schnellste Frau erreichte nach 19 Minuten und zehn Sekunden die Ziellinie. Doch um Schnelligkeit ging es vielen Läufern nicht, der Weg war das Ziel, auch wenn manche auf den letzten Metern nochmals steil gingen, weil sie gute Zeiten für die Teamwertung erzielen wollten.

Gewinner waren letztlich alle: Der Behindertensport, dem die traditionelle Spende zukommt - diesmal 218.223 Euro. Pro Läufer wurden 1,50 Euro vom Startgeld gespendet und Veranstalter J.P. Morgan verdoppelte dann die zustande gekommene Summe. Die beteiligten Firmen konnten sich freuen, weil ihre Mitarbeiter etwas für ihre Fitness taten - und die waren zum Laufen motiviert, weil sich nach glücklich geschlagenen Schlachten so schön erzählen lässt.

Quelle: op-online.de

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