Europaviertel: Zug nach Westen

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Blick auf das Europaviertel-West in Richtung der Frankfurter Innenstadt. Hier sollen künftig zwei Wohnbereiche und zwei - „Boulevards“ genannte - Geschäfts- und Bürolagen entstehen.

Frankfurt ‐ Die Mainmetropole schließt ihre Lücken. Namentlich hinter der Messe zeigt sich der innere Expansionsdrang Frankfurts in Gestalt des derzeit entstehenden Europaviertels. Von Michael Eschenauer

Im Osten dieser riesigen Umwandlungsmaßnahme von brachliegend Flächen auf dem Gleisfeld des einstigen Hauptgüterbahnhofs, also praktisch zu Füßen des Messeturms, soll noch in diesem Jahr das Projekt „Skyline Plaza“ - ehemals Urban Entertainment Center - in Angriff genommen werden. Zwei Hotels, das „Meininger“ und das „Mövenpick“, sind bereits verwirklicht. Der Sockelbau für das Hochhaus „Tower 185“ ist gemauert, und für Ende kommenden Monats steht das Richtfest für das Bürogebäude der BNP Paribas an. Auf dem Erweiterungsgrundstück der Messe, es zählt ebenfalls zum Europaviertel, sind bereits die Hallen 3 und 11 und das Cargocenter fertig. Das Europaviertel-Ost füllt sich zusehens, 1100 Meter weit wird es sich bis zur Emser Brücke im Westen erstrecken.

Seit gestern steht auch für den zweiten Teil des Europaviertels, der sich westlich der Emser Brücke anschließt, der Zeitplan. Derzeit ist hier zwar kaum mehr als eine matschige Brache zu besichtigen, Joachim Wieland, Chef des Grundstückseigentümers und Entwicklers Aurelis, sowie Stadtplanungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) sehen aber die Weichen dafür gestellt, dass das Europaviertel-West spätestens in 15 Jahren zu einem attraktiven Stadtviertel mit Mehrfamilienhäusern, Bürokomplexen und einem zentral gelegenen Park herangereift sein wird. Insgesamt geht es hier um ein Investitionsvolumen von mindestens eineinhalb Milliarden Euro.

Erste Wohnungen schon diesen Sommer bezugsfertig

„Helenenhöfe“, „In den Stadtgärten“, „Boulevard Mitte“, „Boulevard West“ und „Europagarten“ - heißen die Hauptbausteine des Europaviertel-West, in dem künftig 3000 Menschen wohnen und 10 000 arbeiten sollen. Nach Angaben von Wieland sollen die ersten 370 Wohnungen des ambitionierten Projekts schon in diesem Sommer bezugsfertig sein. Er bezifferte die Aufwendungen, die Aurelis in die Erschließung und Entwicklung des 670 000 Quadratmeter großen Areals investiert, auf 70 Millionen Euro. In dieser Summe, mit der Straßen gebaut, Leitungen verlegt werden und der Park gestaltet wird, sind auch die Aufwendungen für den Bau der Kindergärten und der Schule enthalten. Die Stadt Frankfurt wird sich hier beteiligen.

Wir kommen einen Schritt weg von der Brache“, umriss Wieland die anstehenden Arbeiten. So will man bis April das Erdreich für Straßen und Grünanlagen vorbereiten. Schon im Januar rollten die Baumaschinen für umfangreiche Planierarbeiten. Im Laufe dieses Jahres soll mit dem Bau des Europagartens, des Quartiers „In den Stadtgärten“ sowie mit dem Verkauf der Grundstücke bei den „Helenenhöfen“ und des „Boulevards Mitte“ begonnen werden. Auch anderweitig stehen nach seiner Einschätzung die Signale auf Grün. So sei im Sommer damit zu rechnen, dass der Bebauungsplan in Kraft treten werde. Außerdem seien jüngst wichtige Verträge mit der Stadt Frankfurt hinsichtlich der Anlage von Wegen, Straßen und Plätzen zum Abschluss gekommen.

Zwei Drittel sind Eigentumswohnungen

Verkauft ist bereits das Quartier „In den Stadtgärten“ mit 48 000 Quadratmetern Grundstücksfläche. Der Investor will der Öffentlichkeit im Sommer ein detailliertes Konzept für die Wohnbebauung vorlegen. Der Preis für diese Parzelle ist geheim. Wieland rechnet damit, dass zwei Drittel der hier entstehenden Wohnungen Eigentumswohnungen sein werden.

Knapp 2,5 Kilometer lang ist das Europaviertel. Es beginnt südlich des Messeturms - hier rechts - und erstreckt sich parallel zum Gallusviertel und zur etwas weiter südlich gelegenen Mainzer Landstraße in Richtung Westen (in der Grafik links). Die Emser Brücke teilt es in einen westlichen und einen östlichen Abschnitt.

Und das ist ferner geplant: Entstehen sollen auf dem rund 1300 Meter langen und bis zu 440 Meter breiten Areal nördlich des Gallusviertels ein grünes Stadtviertel mit Büros, Wohnungen, Geschäften, Flanierstraßen, Schaufensterzeilen und dem „Europagarten“ als grünem Zentrum. Erschlossen wird das Ganze hauptsächlich durch die zentral gelegene und auch dem Europaviertel-Ost als Rückgrat dienende Europaallee, die in einem fast 400 Meter langen Tunnel unter dem mehr als sechs Hektar großen Park hindurchführt.

Insgesamt werde es mehr Grünflächen geben als Bauland, versprechen die Entwickler. „Hin und weg“ kommen hier Wohnende und Berufstätige mit Auto, Bus, U- und S-Bahn. Auch Kindergärten und eine Schule sind geplant. Während im östlichen und westlichen Teil des neuen Entwicklungsabschnitts „West“ große Geschäftskomplexe („Boulevards“) dominieren, soll sich nördlich des Parks kleinteiligere Bebauung durchsetzen.

Im gesamten Europaviertel sind 3800 Wohnungen für 9500 Menschen geplant, ferner etwa 30 000 Arbeitsplätze. Derzeit, sind nach Angaben von Schwarz 1000 Wohnungen, davon 650 im Ost-Teil, im Bau oder fertig. Die Mieten werden zwischen 14 und 20 Euro pro Quadratmeter liegen, schätzte gestern Wieland.

Quelle: op-online.de

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