Und ewig grüßt der Baggerlärm

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Auf der Baustelle für die Erweiterung des Terminals durch den Flugsteig A-Plus herrscht geschäftiges Treiben. Hier sollen einmal jährlich 6 Millionen Fluggäste abgefertigt werden.

Frankfurt ‐ So viel wird gebaut und gewerkelt am Frankfurter Flughafen, dass die Medienvertreter bei der „Baustellen-Rallye“ dieser Tage nicht einmal den sich aktuell im Bau befindenden neuen Tower präsentiert bekamen – zu voll war das Programm ohnehin schon. Von Jens Dörr

Dabei hätte man das 30-Millionen-Euro-Projekt zumindest kurz erwähnen können, als der „Rallye-Bus“ Halt machte vor der Baugrube für die Terminal-Erweiterung A-Plus vis-à-vis. Immerhin tritt als Tower-Bauherr die Deutsche Flugsicherung auf – und die ist ihrerseits beteiligt an der Initiative „Luftverkehr für Deutschland“, die zur Besichtigungs-Tour auf die aktuellen Flughafen-Baustellen eingeladen hatte.

Wenn dieses Großprojekt nicht vorkam, wie groß erst müssen dann die vorgestellten Bauprojekte sein? Riesig, in der Tat: Ob das von der A3 zu bestaunende Airrail-Center, die Nordwestlandebahn, der Ausbau der Cargo-City, das „House of Logistics and Mobility“ (HOLM) oder eben A-Plus – Gigantismus herrscht am größten Arbeitsplatz Deutschlands allerorten. „Am Frankfurter Flughafen ist die Zukunft des Luftverkehrs bereits heute sichtbar“, betonte Stefan Schulte, Vorstands-Chef von Fraport, erfreut.

Heitere Stimmung bei den Fraport- und Lufthansa-Entscheidern

Seine Aussagen und die von Karl-Rudolf Rupprecht, Hub-Manager Frankfurt der Deutschen Lufthansa, wären wohl noch euphorischer ausgefallen, hätten beide zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, dass der für Freitag angekündigte Streik des Bodenpersonals doch nicht stattfinden würde. So trübte diese Sorge zumindest ein klein wenig die ansonsten heitere Stimmung bei den Fraport- und Lufthansa-Entscheidern, die die Tour mitmachten.

Hier war einmal Wald: Die Baustelle der neuen Nordwestlandebahn bei Kelsterbach ist derzeit das sichtbarste Zeichen für den Expansionskurs des Frankfurter Flughafens.

Das Airrail-Center mit seinen 140000 Quadratmetern Geschäftsfläche über dem ICE-Fernbahnhof werden vor allem von die Großmieter Hilton und KPMG prägen. „Sie können aber gerne auch ein einzelnes Büro für nur einen Tag mieten, wenn Sie möchten“, bot Jens Friedemann, Kommunikationschef des Investors IVG, im Rahmen der Führung an. Von der einst genannten Bausumme in Höhe von 660 Millionen Euro hat sich IVG inzwischen verabschiedet – viel eher werde sie sich am Ende Richtung 900 Millionen Euro bewegen, blickte Friedemann voraus. Mitte nächsten Jahres soll die Fläche nahezu komplett an Unternehmen und Gastronomen, aber auch an Fachärzte vermietet sein. „Wir sind optimistisch, dass uns das gelingt“, so Friedemann.

Optimistisch blicken Fraport und Lufthansa auch dem Ende der Terminalerweiterung A-Plus entgegen – denn laut Plan sollen ab März 2012 sechs Millionen Fluggäste pro Jahr über diesen Flugsteig flanieren und in die andockenden Airbusse des Typs A380 einsteigen. Wer etwas auf sich hält im öffentlichen Raum, kommt nicht mehr ohne schicke „Lounges“ aus – die sollen sich bei A-Plus mit einem „runden Marktplatz“ und seinen vielen Ladenflächen zu einem attraktiven Zentralbereich fügen.

Cargo City wird um 27 Hektar erweitert

Zum Starten und Landen allerdings ist das Dach der 900 Meter langen Terminal-Erweiterung A-Plus dann doch noch nicht geeignet – dafür wird die umstrittene Nordwestlandebahn gebaut. Dank der 2800 Meter langen Bahn, unter deren Fläche Telekommunikations-Technik und Leitungen en masse stecken, kann man nach Fertigstellung 126 statt bisher 81 Flugbewegungen pro Stunde abwickeln.

Damit nicht nur die Passagiere, sondern auch die Fracht standesgemäß untergebracht werden können, wird zudem „Cargo City“, wo alleine 11.600 Menschen arbeiten, um 27 Hektar erweitert. Die Bedeutung der Logistik spiegelt sich auch im „House of Logistics and Mobility“ wieder, das geplant und konzipiert ist als Schnittstelle von Wirtschaft und Wissenschaft. In diesem weltweit ersten Uni-Campus an einem Airport sollen weltweite Transportketten analysiert werden.

Wer am Wachstums-Gedanken und dessen strikter Verfolgung durch Fraport und ihren Hauptkunden Lufthansa zweifelt, der möge seinen Blick aktuell aus der Ferne über das Areal des Flughafens schweifen lassen: Von dort grüßen majestätisch 40 Baukräne.

Quelle: op-online.de

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