Senckenberg forscht über die Mammuts

Ein extrem erfolgreiches Modell

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In der sibirischen Arktis wurde dieser komplette linke Stoßzahn eines Mammuts gefunden. Hier wird er von der Tajmyr-Halbinsel abtransportiert.

Frankfurt/Weimar - Als zottelige Riesentiere zogen sie einst übers Land. Die Jagd auf Mammuts war für die Menschen der jüngsten Eiszeit gefährlich, das Fleisch jedoch begehrt.

Ein Forscher hat nun im Auftrag der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt eine Karte ihres Verbreitungsgebietes erstellt. Mehr als 2000 Wollmammut-Funde auf drei Kontinenten hat der Weimarer Eiszeit-Paläontologe Ralf-Dietrich Kahlke auf einer Weltkarte erfasst. Seit 25 Jahren beschäftige er sich mit der maximalen geografischen Verbreitung dieser Symbolfiguren während der letzten Eiszeit, sagte Kahlke. Wollmammute (Mammuthus primigenius), auch Wollhaar- oder Fellmammute genannt, lebten vor 110. 000 bis 12.000 Jahren in fast ganz Europa, der Mongolei, Nordchina, Südkorea, Japan und Nordost-Sibirien. Insgesamt gebe es in Europa, Asien und Amerika Tausende derartiger Fundstellen. Jedes Jahr kämen Hunderte Funde hinzu, sagte Kahlke.

Der Eiszeit-Paläontologe Ralf-Dietrich Kahlke begutachtet in seinem Labor den frisch präparierten Oberschenkelknochen eines eiszeitlichen Mammuts.

Auch im Mittelwesten der USA und in Ost-Kanada wurden fossile Reste der Großsäuger gefunden. Die eiszeitlichen Dickhäuter besiedelten eine Fläche von mehr als 33 Millionen Quadratkilometern - fast das 100-fache der Fläche Deutschlands. Das Mammut kann damit als erfolgreichstes Großsäugetier während der jüngsten Eiszeit bezeichnet werden. Begrenzt wurde seine Ausbreitung nach neuesten Erkenntnissen durch Veränderungen des Klimas sowie durch davon unabhängige Parameter. Hier spielen die Wanderbewegung einschränkende Gletscher, Gebirgsketten, Halbwüsten und Wüsten eine Rolle, aber auch Veränderungen des Meeresspiegels oder Wechsel in der Vegetation. Das Wissen darüber sei wichtig, auch, um die Verbreitung anderer Tierarten und deren Aussterben zum Ende der letzten Eiszeit zu verstehen, sagte Kahlke. Diese Daten würden zudem helfen, Veränderungen bei der Verbreitung heutiger Tierarten zu begreifen.

In das Interesse der Forscher rückten zunehmend Meeresböden, entlegene Landregionen und ehemalige militärische Sperrgebiete wie die Insel Sachalin, sagte der Forscher. Auch in den Schelfregionen des Arktischen Ozeans und Nordwest-Europa und auf dem Grund der heutigen Adria seien Fossilien des Fellmammuts gefunden worden. In der Eiszeit seien dies aufgrund der niedrigeren Meeresspiegel Landmassen gewesen. Auch in den heutigen Gebirgen der Krim wurden die Rüsseltiere nachgewiesen. Süditalien und Südgriechenland gehörten noch zu den „weißen Flecken“ ohne Mammut-Nachweise. „Uns interessieren vor allem diese Randgebiete, um die weitere Verbreitung des Mammuts nachweisen zu können.“

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Laut Kahlke entstand so die bislang exakteste Karte zu den weltweiten Lebensräumen des Wollhaarmammuts. „Solche detaillierten Kenntnisse über die Verbreitungsgebiete gibt es selbst für zahlreiche heute lebende Tierarten nicht.“ Einzig die eiszeitlichen Bisons brachten es demnach auf eine ähnliche Verbreitung wie das Mammut. Ganz Deutschland etwa sei Mammut-Land gewesen. Allein für Thüringen habe er über 60 Fundstellen erfasst, nachgewiesen seien durchaus mehr als 100. Bekannt seien vor allem die tiefgefrorenen Mammuts oder Fell- und Skelettreste, die jedes Jahr im Sommer durch das Schmelzen der oberen Schichten des Perma-Frostbodens in den Polarzonen und Tundren an die Oberfläche kämen. Mammut-Elfenbein habe dort schon vor Jahrzehnten, gar vor Jahrtausenden, die Begierde der Einheimischen geweckt. Kahlke hat sich bei seinen Forschungen auf lokale Funde und Berichte der Wissenschaftler gestützt und diese überprüft. Die Datenanalyse wurde im Fachjournal „Quaternary International“ veröffentlicht.

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Die Gesellschaft betreibt drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden.

dpa/mic

Quelle: op-online.de

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