Ende 2014 ziehen Mitarbeiter um

EZB-Neubau von außen schon fertig

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Frankfurt - Ein „dreidimensionales Symbol für die Europäische Union“ soll der Neubau der Europäischen Zentralbank sein, sagt der Architekt, „eine Symbiose aus Alt und Neu“. Ende 2014 ziehen die EZB-Mitarbeiter um. Einen Gourmettempel gibt es nicht, dafür heizt das Rechenzentrum ein.

Noch pfeift der Wind durch den 41. Stock. In weniger als einem Jahr wird Mario Draghi hier die Ratssitzungen der Europäischen Zentralbank leiten, der runde Tisch für den Ratssaal ist bereits bestellt. In diesen Tagen schließen Handwerker in der obersten Etage die letzten Lücken in der Fassade.

Die Sanierung der denkmalgeschützten Großmarkthalle rund 150 Meter weiter unten ist inzwischen abgeschlossen. Durch sie betritt man den Neubau: eine Decke aus Tonnengewölben, kleine flache Fenster an den Längsseiten, schmale Klinkerbänder an den Stirnseiten. In der Mitte steht - wie ein Haus im Haus - ein zweistöckiger Konferenzsaal; dort werden künftig die Zinsentscheidungen verkündet. Er habe "die größtmögliche Sichtbarkeit der Halle" erhalten und nicht den Platz voll ausnutzen wollen, sagt Architekt Wolf Prix vom Büro COOP HIMMELB(L)AU. Sonst wäre Martin Elsaessers Bau aus den 1920er Jahren "nicht mehr erfahrbar gewesen".

Seinen Neubau versteht er als "dreidimensionales Symbol für die Europäische Union: Das Gebäude ist eine Symbiose aus Alt und Neu - und was ist die Europäische Union anderes als die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft?" Dafür habe er "eine neue Art der Geometrie" ersonnen: Er nahm einen Kubus, teilte ihn mit einem gekurvten Schnitt in zwei Teile und setzte geraden Seiten aneinander.

Rundgang durch die EZB-Großbaustelle

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Knapp 1,2 Milliarden Euro gibt die EZB als Gesamtinvestitionskosten an. Der Umzug ist zwischen Mitte und Ende 2014 geplant. "Am Zeitplan und an den Kosten hat sich nichts geändert", betonte Sprecherin Andrea Jürges. Auch das angebliche Gourmet-Restaurant im 45. Stock sei "eine Erfindung": Die obersten Etagen beherbergen nur Technik.

"Die Hülle ist so gut wie fertig", kann Thomas Rinderspacher, der Projektmanager des EZB-Neubaus, am Donnerstag verkünden. Die Fassade wachse um ein Geschoss die Woche, "je nach Wetter ist die Fassade in vier Wochen zu". Die beiden Teile des Doppelturms sind bereits komplett fertig. Das sogenannte Atrium dazwischen gleicht derzeit noch einem Urwald aus Baugerüsten. Vier Brücken in dieser Freifläche verbinden die beiden Bürotürme.

EZB-Gebäude in Frankfurt feiern Richtfest

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Von unten nach oben schreitet bereits der Innenausbau voran. In Blöcken á vier Stockwerke werden Böden verlegt, Decken abgehängt, Wände eingezogen. 14 Quadratmeter hat das kleinste Einzelbüro, weiß der für den Ausbau zuständige Bauleiter Norbert Groß. Nicht nur die Außenwand ist voll verglast, auch die Wand zum Flur. Öffnen lassen sich die Fenster nicht; für frische Luft zieht man ein Fensterelement heraus wie einen Apothekerschrank.

2300 Arbeitsplätze sind derzeit hier geplant, 2800 passen rein. Die rund 1000 Mitarbeiter der bei der EZB angesiedelten Europäischen Bankenaufsicht zögen nicht ins Ostend; für sie wird ein anderes Gebäude gesucht. Auch wenn es bis zum 37. Stockwerk schon aussieht, als könnten die EZB-Mitarbeiter morgen einziehen: es gibt keinen Strom, kein Telefon, keine IT. Mit der Abwärme des Rechenzentrums unter dem Dach wird übrigens die Fußbodenheizung im Foyer gespeist.

Fassade schon fertig: EZB-Baustelle nimmt Form an

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dpa

Quelle: op-online.de

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