EZB-Neubau lässt es „prickeln“

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Noch liegt sie im Dornröschenschlaf, die Großmarkthalle am Mainufer im Osten Frankfurts. Im April sollen die Bauarbeiten beginnen.

Frankfurt ‐ Nun wird gebaut: 185 Meter hoch, mit Fassaden aus Glas und Metall und freiem Blick auf das Bankenviertel in der City. So wird sich der künftige EZB-Sitz voraussichtlich ab 2014 präsentieren. Von Michael Eschenauer

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Der Segen der Krise

Den Beschluss, nun tatsächlich mit dem Bau zu beginnen, hat Zentralbank-Präsident Jean-Claude Trichet im Dezember bekannt gegeben. Das von dem Wiener Architektenbüro Coop Himmelb(l)au entworfene Gebäude soll das Selbstverständnis der Institution widerspiegeln: Das „Heim für den Euro“ versinnbildlicht in den Augen der europäischen Geldmanager Solidität, Stabilität und Transparenz; Werte, die die Finanzmetropole Frankfurt gerne auch für sich reklamiert.

Der Neubau wird aus einem dreiteiligen Ensemble bestehen: Neben den Doppeltürmen umfasst es einen stählernen Verbindungsriegel und die ehemalige Frankfurter Großmarkthalle. In dem Riegel wird die Lobby der Bank samt dem Haupteingang Platz finden, außerdem ein Pressezentrum und Konferenzräume. Gleichzeitig verbindet dieser Trakt das Doppel-Hochhaus mit der ehemaligen Großmarkthalle.

Bau soll mindestens 500 Millionen Euro kosten

Dem Klimaschutz trägt der Bauherr Rechnung: Das Büro-Hochhaus bekommt eine energieeffiziente Glasfassade, die Abwärme der Computer wird zum Heizen genutzt, auch Anlagen für eine mögliche Nutzung von Geothermie sind vorgesehen.

Derzeit arbeiten die Euro-Banker noch an mehreren in Frankfurt verteilten Standorten. Der bekannteste ist das hochabgesicherte Hochhaus am Willy-Brandt-Platz gegenüber dem Schauspielhaus.

Die EZB nennt ihren auf mindestens 500 Millionen Euro veranschlagten Neubau ein „identitätsstiftendes Bauwerk“. Das bezieht sich zum einen auf ihre 1400 Mitarbeiter aus fast dreißig Ländern, die zurzeit auf drei Standorte im Bankenviertel verteilt sind. Mit dem voraussichtlich in vier Jahren stattfindenden Umzug in das ein paar Kilometer entfernte Domizil am Main werden die Beschäftigten erstmals an einem Ort zusammenarbeiten. Zum anderen prägt die seit ihrer Gründung 1998 in Frankfurt ansässige Zentralbank das Image der Stadt Frankfurt als Zentrum europäischer Finanzpolitik.

Der Einzug der Banker ins Frankfurter „Ostend“ ist aber auch das markanteste Zeichen für den Strukturwandel des gesamten Stadtteils - vom einst industriell geprägten Stadtteil zum Dienstleistungsstandort. Menschen vieler Nationen und ein dichtes Nebeneinander von Handwerk und kleinen Läden prägen das Leben in dem Viertel. Der Nachbar EZB wird dazu beitragen, dass „sich das Ostend zum gleichgewichtigen Pol eigener Art gegenüber dem Westen entwickelt“, ist Martin Neitzke überzeugt. Der städtische Planer leitet die Projektgruppe Stadtplanung in der Koordinierungsstelle EZB. Dort laufen die Fäden sämtlicher Maßnahmen zusammen, die im Umfeld der EZB und im Zusammenhang mit diesem Vorhaben realisiert werden.

Zahlreiche Wohnungen im Nordend gebaut worden

Allein in Infrastrukturmaßnahmen investiert die Stadt einen dreistelligen Millionenbetrag. Herzstück der Erschließung ist die Neue Mainbrücke Ost. Das Bauwerk mit einer Spannweite von mehr als 170 Metern wird den Frankfurter Osten mit dem gegenüberliegenden Stadtteil Sachsenhausen verbinden. Geplant ist eine filigran gestaltete Bogenkonstruktion aus vielen dünnen Hängeseilen. Die Arbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen und 2012 abgeschlossen sein. Auf dem Hochkai der Ruhrorter Werft entsteht mit dem „Hafenpark“ ein neuer Grünraum, über dessen Uferpromenade Fußgänger und Radfahrer künftig direkt in die „City“ gelangen. Damit wird auch die letzte Lücke in dem die innere Stadt umgreifenden „Grüngürtel“ geschlossen.

In den vergangenen Jahren sind im Ostend auch zahlreiche Wohnungen gebaut worden, Volkshochschule und Bankakademie haben sich hier niedergelassen , und mit dem berühmten Zoo hat der Stadtteil ohnehin einen Besuchermagneten. „Die Mischung aus Grün- und Freiflächen, Wohnen und Arbeiten machen den Reiz aus. Hier prickelt es“, beschreibt Neitzke den Unterschied zum „etablierteren“ Westend.

Quelle: op-online.de

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