Fantasy Filmfest im Frankfurter Cinestar Metropolis

Facetten des fantastischen Kinos

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Amit Shah erlebt in Paul Hyetts „Howl“ einen Horrortrip in einem Londoner Vorortzug.

Frankfurt - Thriller, Horror, Science Fiction, schwarze Komödien und Animation: Das Genre des fantastischen Films lotet das Fantasy Filmfest vom 13. bis 23. August im Frankfurter Kino Cinestar Metropolis aus. Von Carsten Müller 

Vom Underground-Tipp für Fans, 1987 in Hamburg aus der Taufe gehoben, hat sich das Kinofestival zu einer Art Wanderzirkus des fantastischen Films entwickelt, der unter dem Titel „Fear Good Movies“ nun in seine 29. Auflage geht. Nach eigenen Angaben gilt das durch sieben deutsche Städte tingelnde Filmfest als eines der größten Genrefestivals der Welt. Etabliert habe sich der Filmmarathon, der im vergangenen Jahr 100.000 Zuschauer anlockte, laut Veranstalter auch als Schnittstelle zwischen Weltvertrieben, Produzenten und deutschen Filmverleihern. So seien dort Publikumserfolge wie „Sin City“, „Die fabelhafte Welt der Amélie“ oder „Pulp Fiction“ schon vor Veröffentlichung zu sehen gewesen. Mobbing und Mord am Arbeitsplatz sind die Trends des laufenden Filmjahres. Das zeigt schon der Eröffnungsstreifen „Kill Your Friends“ des Briten Owen Harris. Die florierende Musikindustrie der 1990er Jahre bildet den Rahmen für die Geschichte um einen Jungmanager (Nicholas Houdt), der zu drastischen Maßnahmen greift, als ihm die ersehnte Beförderung versagt wird. In „Office“ blickt Won-Chan Hong hinter die mörderischen Kulissen des südkoreanischen Wirtschaftswunders.

Unter den rund 60 Beiträgen im Saal 8 des Frankfurter Multiplex-Kinos am Eschenheimer Turm finden sich auch deutsche Produktionen wie Nikias Chryssos surreales Kammerspiel „Der Bunker“ oder die deutsch-amerikanische Koproduktion „The Stung“ von Benni Diez, in der mutierte Wespen eine Gartenparty aufmischen. In „ABCs of Superheroes“ erschaffen Jens Holzhauer und Oliver Tietgen 26 politisch und moralisch höchst unkorrekte Superhelden – mit Gastauftritten von Uwe Boll, Fettes Brot und Bai Ling. Im „Get Shorty“-Kurzfilmprogramm ist Michael Binz mit „Herman the German“ vertreten, in dem es um einen Bombenentschärfer geht, der auszog, das Fürchten zu lernen.

Oscar-Gewinner Adrian Brody (mit Chloe Bayliss) wird in Michael Petronis Psychothriller „Backtrack“ von übersinnlichen Erscheinungen heimgesucht. - Fotos:

Ein Wiedersehen gibt es mit Oscar-Gewinnern wie Nicole Kidman, Jean Dujardin und Adrian Brody. Während Kidman in Kim Farrants Regiedebüt „Strangerland“ den Horror im australischen Outback erlebt, führt Dujardin in der französisch-belgischen Koproduktion „The Connection“ unter der Regie von Cédric Jimenez als Ermittler in den 1970ern einen Kreuzzug gegen einen Drogenring. Brody wiederum schlüpft in Michael Petronis „Backtrack“ in die Rolle eines Vaters, der seit dem Unfalltod seiner Tochter von quälenden Visionen heimgesucht wird.

Weitere prominente Namen sind Kevin Bacon, der in Jon Watts’ „Cop Car“ Jagd auf zwei Zehnjährige macht, die in seinem Streifenwagen eine Spritztour unternehmen. Bela Lugosi, Christopher Lee, Julian Sands, Roger Corman und Guillermo del Toro betätigen sich im Animationsfilm „Extraordinary“ als Erzähler von Edgar-Allan-Poe-Geschichten. Arnold Schwarzenegger ist in Henry Hobsons „Maggie“ als Vater zu sehen, der sich nicht von seiner Tochter (Abigail Breslin) trennen kann – die in den eigenen vier Wänden zum Zombie mutiert. Olga Kurylenko spielt in Steven S. Campanellis „Momentum“ eine Meisterdiebin auf der Flucht. Und in der österreichischen Komödie „Therapie für einen Vampir“ von David Ruehm landet Tobias Moretti auf der Couch von Sigmund Freud (David Bennent).

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Das „Director’s Spotlight“ rückt den japanischen Vielfilmer Takashi Miike ins Rampenlicht, dessen mittlerweile 98. Werk „Yakuza Apocalypse“ als klassischer Martial-Arts-Thriller daherkommt. Als „Center Piece“ firmiert der französische Entführungs-Krimi „Rabid Dogs“ von Éric Hannezo. Besondere Aufmerksamkeit im „Special Screening“ genießt Matteo Garrones Cannes-Beitrag „Tale of Tales“. Der mit Salma Hayek, John C. Reilly und Vincent Cassel hochkarätig besetzte Märchenfilm basiert auf drei der fünfzig Balladen Giambattista Basiles aus dem frühen 17. Jahrhundert und ist ein Gegenentwurf zur heilen Disney-Welt. Am Ende des Festivals wird zudem der „Fresh Blood Award“ für Debüt- und Zweitfilme verliehen. Über seine Vergabe entscheidet das Publikum.

Quelle: op-online.de

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