Unterstützung für Flüchtlinge

Fachkräfte von übermorgen

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Die Schülerin Hadeiatou, geflüchtet aus dem westafrikanischen Guinea, absolviert einen Kurs im E-Schweißen.

Frankfurt - Einen Tag nach dem Asylkonvent zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt nennen Handwerk und Industrie- und Handelskammern einige konkrete Projekte. Dabei kommt es ihnen vor allem auf Praxiserfahrung und Spracherwerb an.

Mit Praktika, Sprachkursen und flexiblen Einsteigerprogrammen wollen hessische Wirtschaftsverbände die Integration von Flüchtlingen in die Arbeitswelt leichter machen. „Wir wollen alles daran setzen, dass bei uns keine Ghettobildung stattfindet“, sagte der Präsident des Hessischen Handwerkstages, Bernd Ehinger, gestern in Frankfurt. Er nannte Paris als Gegenbeispiel. Die Integration Schutzsuchender sei „eine Mammutaufgabe, die mehrere Jahre dauern wird“, betonte Ehinger. „Zu Fachkräften werden sie nicht heute oder morgen, sondern erst übermorgen.“ Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern (IHK), Mathias Müller, sagte, es komme auf eine enge Verzahnung mit dem Spracherwerb an.

Das Handwerk habe in Hessen bereits eine Reihe von Projekten begonnen. Ziel sei es, die Chancen von Flüchtlingen in der Arbeitswelt zu verbessern, sagte Ehinger. Derzeit liefen Gespräche mit mehreren Städten und Kreisen über weitere Kooperationen. Zum April sollen zudem rund 1000 Plätze in Berufsbildungszentren geschaffen werden, bei denen die Teilnehmer drei bis fünf Berufsfelder praktisch kennenlernen können. Daneben werde es mehrere Angebote zur qualifizierten Begleitung von Einsteigern und Auszubildenden geben.

Noch seien erst wenige Flüchtlinge bei der Agentur für Arbeit registriert, sagte Ehinger. Geeignete Interessenten für die Angebote von IHK und Handwerk würden daher derzeit zunächst im Gespräch mit den Städten und Kreisen gesucht. Die Unternehmen bei der IHK hätten bald mehr als 1000 Praktikumsplätze für Flüchtlinge zu bieten, ergänzte Müller.

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Ehinger betonte, die Erfahrung mit spanischen Azubis habe gelehrt, dass die Sprache ganz oben angestellt werden müsse. Um in einer Berufsschule teilhaben zu können, sei künftig voraussichtlich eine Sprachprüfung auf dem Niveau B2 notwendig. „Sprache ist der Schlüssel der Integration.“

Die IHK hätten insgesamt 16 Arbeitsplätze für Flüchtlingsprojekte eingerichtet, berichtete Müller. „Wir müssen zu Zertifizierungsmaßnahmen kommen, die es den Flüchtlingen ermöglichen, in einer Schritt-für-Schritt-Prozedur Qualifikationsbausteine zu erwerben.“ Gebraucht werde ein eng verzahntes Modell, das die Durchlässigkeit zwischen IHK und Handwerk ohne bürokratische Hürden ermögliche. Flüchtlinge mit geringer Bildung könnten als Hilfskräfte vermittelt werden - und parallel Alphabetisierungskurse besuchen.

Nach Einschätzung von Experten kann der hessische Arbeitsmarkt die Integration Tausender Flüchtlinge gut verkraften. Der Arbeitsmarkt sei stabil, aufnahmefähig und reiche rein quantitativ für die große Zahl der Asylsuchenden im Land aus, hatte der Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, Frank Martin, am Mittwoch beim dritten hessischen Asylkonvent in Wiesbaden gesagt. Im Handwerk lägen nach Angaben von Martin die größten Chancen für die Flüchtlinge. Vor allem in der Metall- und Elektrobranche gebe es großen Bedarf. Er sehe aber keine Notwendigkeit, die durchschnittlich drei Jahre dauernde Ausbildung für Flüchtlinge zu verkürzen, sagte der Behördenleiter.

Bei dem Expertentreffen wurde ein breites Maßnahmenpaket für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt beschlossen. Im Mittelpunkt der Initiative sollen der berufsbezogene Spracherwerb und die Qualifikation für den Beruf stehen. Neben der Vermeidung von Obdachlosigkeit sei die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt das zentrale Thema für den Zusammenhalt der Gesellschaft, betonte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Es müsse geschafft werden, dass die Flüchtlinge auf eigenen Beinen stehen können.

Nach Einschätzung des Regierungschefs bieten neben dem Handwerk die Pflegeberufe eine große Chance für die Flüchtlinge. Da es aber in Deutschland für den Beruf hohe Qualitätsstandards gebe, sei das eine eher mittelfristige Möglichkeit. Die nächste große Runde des Asylkonvents sei für den 1. Juli geplant, sagte Bouffier weiter. 

dpa

Quelle: op-online.de

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