Fachpersonal im Unruhezustand

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Beim SES besuchen pensionierte Fachkräfte hilfesuchende Firmen in aller Welt. So auch Peter Demarczyk hier in Pakistan.

Hanau - (dk) „Senioren Experten“ helfen mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung in aller Welt. Ihre Einsätze werden vom „Senior Expert Service (SES)“ in Bonn koordiniert. Insgesamt 20500 Einsätze waren es in den vergangenen 26 Jahren.

Gestern kamen im Hanauer Technologie- und Gründerzentrum in Wolfgang 70 der rund 150 „Senioren Experten“ aus den Bereichen Offenbach, Hanau/Main-Kinzig und Aschaffenburg zu ihrem regelmäßigen Erfahrungsaustausch zusammen und berichteten bei ihrer Regionaltagung von ihren jüngsten Projekten.

Diese Projekte werden bis zu sechs Monate lang unterstützt, je nach Bedarf besuchen die pensionierten Fachleute im „Unruhezustand“ aus Deutschland hilfe- und ratsuchende Firmen und Betriebe in aller Welt auch mehrfach.

So wie etwa Hartwin Weber aus Hanau, ehemals Werkstoffwissenschaftler bei der Hanauer Vacuumschmelze. Zum wiederholten Mal besuchte er die chinesische Firma Jinwei, die Anlasser für Last- und Personenwagen herstellt. Dies mit Hilfe der Umformtechnik, einer Produktionsweise, die Weber bereits während seiner aktiven Berufszeit stark interessierte. Bei der Firma Jinwei fielen die Fach- und Sachkenntnisse des Hanauers auf fruchtbaren Boden. Nicht von Anfang an, wie Weber sich erinnert. Das gegenseitige Beschnuppern brauchte Zeit. Da Webers Ratschläge Erfolge zeitigten, ist bei Jinwei das Interesse groß an weiteren und tiefgreifenderen Veränderungen und Verbesserungen im Fertigungsablauf mit der Hilfe aus Hanau. Zumal der Betrieb mit 300 Beschäftigten seine Konkurrenzfähigkeit gegenüber den Großen behaupten lernt. Nicht die „Global Player“ gelte es zu unterstützen, so Weber, sondern Firmen von der Größe Jinweis.

Wer sich für die Arbeit der SES interessiert, kann sich auf der Internetseite informieren.

In einer Stadt in Sibirien nahm sich der pensionierte Metzgermeister Rudolf Münch aus Rödermark die ehrgeizige Zielsetzung einer Metzgerei vor, täglich 20 Tonnen Wurst produzieren zu wollen. Und das mit bescheidenen Produktionsmitteln und viel zu wenig Kühl- und Räucherkapazität. Münch musste viel Überzeugungsarbeit leisten, um das Planziel Mengensteigerung umzuwandeln in das wichtigere Ziel Qualitätsverbesserung. Denn die in dem Betrieb hergestellte Wurst sei nicht nur für deutsche Gaumen „einfach fürchterlich“ gewesen. Den sorgsamen Umgang mit den Produkten, Hygiene und Kreativität bei der Sortengestaltung hat Münch seinen Schützlingen vermittelt. Und die teilen dem Experten jetzt regelmäßig per E-Mail mit, wie das veränderte Produkt beim Kunden immer besser ankommt.

Ähnliches Wissen wie Münch hat der ehemalige Küchenchef Werner Reinhart aus Karlstein dem Küchenpersonal eines Tagungshauses in Namibia vermittelt. Auch dort haben sich Aussehen und Geschmack der Mahlzeiten sehr verändert, seitdem der Experte aus Deutschland mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. Ein Engagement, das auch für die deutsche Wirtschaft nicht ohne Folgen bleibt. Denn vielfach werden Produktionsabläufe mit einfachen Maschinen optimiert. Und die werden in Deutschland gekauft.

Quelle: op-online.de

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