Test des ADFC

Fahrradfreundlichkeit: Alles eine Frage der Lobby

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Heusenstamm und Mühlheim schaffen es in die Top Ten der fahrradfreundlichen Städte in Hessen.

Frankfurt/Heusenstamm - Wenn es um die Fahrradfreundlichkeit geht, macht Heusenstamm offenbar vieles richtig: Jedenfalls schnitt die Schlossstadt beim gestern in Frankfurt veröffentlichten Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hervorragend ab. Von unseren Redaktionen und Ira Schaible

Hinter Mörfelden-Walldorf und Baunatal ist Heusenstamm die Nummer drei in Hessen. Gute Noten erhält Heusenstamm etwa bei der Erreichbarkeit des Stadtzentrums und bei den Radwegen, die wenige Hindernisse und eine gute Oberfläche aufweisen. Auch beim Thema „geöffnete Einbahnstraße in Gegenrichtung“ punktet die Stadt. Sehr erfreut äußerte sich Bürgermeister Peter Jakoby (CDU): „Wir haben ja auch schon viel für die Radler getan.“ So sei etwa ein Fahrrad-Leitbild mit Bürgern und Experten von der Fachhochschule in Darmstadt erarbeitet und ein Radwegeplan mit Beteiligung des Bauamtes und des Ordnungsamtes aufgestellt und umgesetzt worden. „Schön, dass man dafür belohnt wird“, so Jakoby.

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Bernd Fischer, Stadtverordneter der Grünen, vertritt nicht nur im Parlament der Kommune die Lobby der Radler: „Da ist ein guter Weg eingeschlagen worden, aber man darf sich jetzt nicht auf den Lorbeeren ausruhen.“ Unter die Top Ten der fahrradfreundlichsten Kommunen in Hessen hat es auch Mühlheim als Sechster geschafft. Dreieich und Rodgau, aber auch Obertshausen und Neu-Isenburg liegen immerhin noch vor Frankfurt (23). Die Mainmetropole ist zwar bundesweit von Platz neun auf Platz acht der Städte über 200.000 Einwohner aufgestiegen, die Bewertung verbesserte sich jedoch kaum. „Das Umsetzungstempo in den Dezernaten ist zu langsam“, kritisierte Bertram Giebeler vom ADFC Frankfurt.

Weniger gut: Hanau, Offenbach und Dietzenbach

Weniger gut platziert sind Hanau (38), Offenbach (40) und Dietzenbach (52). Das schlechte Abschneiden seiner Heimatstadt überrascht Erwin Teitzel, Vorsitzender des ADFC Dietzenbach, nicht: „Radfahrer haben hier keine Lobby.“ Bereits vor einigen Jahren habe der Ortsverband ein verkehrspolitisches Konzept erarbeitet. Doch passiert sei seitdem nichts. „Es mangelt an Geld“ laute immer die Antwort der Stadt, so Teitzel. Er kritisiert vor allem, dass es kaum Einbahnstraßen gibt, die für Radfahrer auch in der Gegenrichtung geöffnet sind. Viele Ampelschaltungen seien ebenfalls radler-unfreundlich. Dietzenbach mag sich damit trösten, dass Wiesbaden von den 54 analysierten Städten am schlechtesten abschneidet und auch bundesweit das Schlusslicht in der Kategorie der Städte über 200.000 Einwohner ist. Doch in der Landeshauptstadt wurde inzwischen ein Radverkehrsplan erstellt und Ende vergangenen Jahres eine Radverkehrsbeauftragte eingestellt, sagte Andrea Scheffler vom Verkehrsdezernat. „Wir wollen eine bessere und nachhaltige Radverkehrspolitik ins Rollen bringen.“ Dies brauche aber einige Zeit.

Mit Schulnoten zwischen 3,5 und 4,0 liegt Hessen bundesweit nur im Mittelfeld, sagte ADFC-Landesgeschäftsführer Norbert Sanden bei der Vorstellung der Ergebnisse in Frankfurt. So erreicht Mörfelden-Walldorf (Note 2,95) im Deutschlandvergleich in der Kategorie der Städte bis 50.000 Einwohner nur Platz 21. Heusenstamm liegt mit der Note 3,1 auf Rang 36. „In Hessen gibt es weiterhin weder eine konzeptionelle noch eine angemessene finanzielle Radverkehrsförderung durch das Land“, monierte Sanden. „Es mangelt an politischem Willen auf allen Ebenen.“

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Der ADFC-Fahrradklima-Test ist eine bundesweite, nicht repräsentative Befragung zur Fahrradfreundlichkeit von Städten und Kommunen. Bei der vom Bundesverkehrsministerium geförderten Befragung wurden in Hessen die Antworten von mehr als 7300 Radfahrern berücksichtigt. Die Fahrradfreundlichkeit wurde mit 27 Fragen gemessen. Gefragt wurde im Herbst 2014 zum sechsten Mal, zwei Jahre nach der letzten Umfrage. Eschborn wurde als zweitbester Aufholer in Deutschland prämiert - in der Kategorie der Städte unter 50.000 Einwohner. Die Kommune im Main-Taunus-Kreis hat sich im Zwei-Jahres-Vergleich von Platz 199 auf Rang 89 von insgesamt 292 katapultiert. Als Gründe nannte Sanden mehr Radparkplätze, die Öffnung der Einbahnstraßen für Räder sowie engagierte Kommunalpolitiker.

Quelle: op-online.de

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