Familie des Opfers randaliert im Gerichtssaal

Frankfurt - Nach einer tödlichen Messerattacke wegen eines Streits um 45 Euro ist ein 19-jähriger vom Landgericht Frankfurt zu sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt worden.

Die Richter gingen gestern von Totschlag aus, weil der Angeklagte dem 23 Jahre alten Opfer das Messer „mit bedingtem Tötungsvorsatz“ in den Oberkörper gestochen habe.

Nach der Urteilsverkündung kam es zu Tumulten, nachdem Angehörige des aus der Türkei stammenden Opfers auf Familienmitglieder des Angeklagten losgingen und die Schutzscheibe zum Zuschauerraum durchbrechen wollten. Erst nach einer halben Stunde gelang es zahlreichen Polizeibeamten und Wachtmeistern, die Mitglieder der bedrohten Familie unbehelligt aus dem Gerichtssaal zu bringen. Drei Angehörige des Opfers wurden vorübergehend festgenommen und in Handschellen abgeführt. Die Eltern des Getöteten empfanden die Strafe als zu niedrig und taten dies lautstark kund.

Wegen 45 Euro Schulden

Die Tat hatte sich Ende Juli 2011 in Frankfurt-Fechenheim ereignet. Zwischen dem Angeklagten und dem späteren Opfer war es bereits einige Tage zuvor zu Spannungen gekommen, weil der 23-Jährige bei ihm 45 Euro Schulden hatte. Nachdem sich beide auf dem Parkplatz zunächst geprügelt hatten, stach der Angeklagte zu.

Die Jugendstrafkammer ging zwar von einer „objektiven Notwehrsituation“ aus. Gleichwohl aber habe der Angeklagte mit dem Messereinsatz nicht das gebotene „mildeste Mittel“ gewählt, um den Angriff seines Kontrahenten abzuwehren. „Er wusste, dass der Stich zum Tode führen kann, es war ihm aber gleichgültig“, sagte der Gerichtsvorsitzende.

dpa

Quelle: op-online.de

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