Familiengeschichte endet mit Doppelmord

Frankfurt - Klein und schmächtig ist der 68-Jährige. Kaum zu glauben, dass er in der Familie ein Gewaltregiment führte, das schließlich mit heimtückischem Doppelmord endet.Von Matthias Gerhart, dpa

Der Rentner muss nun lebenslang hinter Gitter.  Er ist einer der schmächtigsten und unscheinbarsten Angeklagten, mit denen es die Schwurgerichtskammer je zu tun hatte. Kaum 1,50 Meter groß, nach einer Krebserkrankung abgemagert, saß der 68 Jahre alte Rentner aus Marokko am Dienstag auf der Anklagebank des Landgerichts Frankfurt, um sich sein Urteil anzuhören: Lebenslange Haft wegen zweifachen Mordes an seinem ältesten Sohn und seiner Ehefrau, begangen im November vergangenen Jahres in einer Wohnsiedlung im Frankfurter Riederwald.

Der kleine Mann und sein jahrzehntelanges Gewaltregiment in der Familie, das in den beiden Mordtaten gipfelte, scheint nach dem äußeren Eindruck völlig unglaublich. Und doch hatten sich die Ehefrau und die vier Kinder lange dem Vater völlig untergeordnet. „Die Frau wurde gehalten wie ein Tier“, hatte einer der Zeugen vor Gericht gesagt.

Jeder sich regende Widerspruch wurde mit brutaler Gewalt abgewürgt. Auf seinen 38 Jahre alten Sohn, den er später erschoss, hatte es der Vater besonders abgesehen. Er wollte der Mutter verbieten, dessen Kinder zu besuchen. „Das war die Initialzündung für die Frau, den Angeklagten zu verlassen“, schilderte Vorsitzende Richterin Bärbel Stock in ihrer Urteilsbegründung.

„In fester Tötungsabsicht“

Die Frau zog zu dem Sohn, der eine Anwältin einschaltete, um Unterhaltsansprüche gegen den Vater geltend zu machen. Für den kleinen Mann brach daraufhin eine Welt zusammen. „In seiner Ohnmacht war ihm alles entglitten in der Familie, was er bisher mit festem Zügel hielt“, sagte die Richterin. „In fester Tötungsabsicht“ richtete er zunächst die Waffe auf den verhassten Sohn und kurz danach gegen die abtrünnig gewordene Ehefrau.

Die in einem Nachbarzimmer sitzende Schwiegertochter hörte den Knall. „Ich bitte meine Kinder um Verzeihung“, sagte der Angeklagte in seinem Schlusswort unmittelbar vor der Urteilsverkündung, ohne aber den beiden Söhnen und Enkeltöchtern auf der Nebenklagebank ins Gesicht schauen zu können. „Nutzen Sie die verbleibende Zeit, um sich ihrer Familie vielleicht doch noch einmal zu nähern“, forderte ihn die Richterin am Ende des Urteils auf. Viel Zeit werde ihm dafür nicht bleiben - „angesichts seines Alters und des Gesundheitszustandes wird die Strafe ein lebenslang im wahrsten Sinne des Wortes werden.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © pixelio/ Michael Grabscheit

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