Kleine Kinder fast tot geprügelt

Berndorf - Es ist ein ordentlich wirkendes Mehrfamilienhaus, im Erdgeschoss betreibt die Sparkasse eine Filiale, die Mülltonnen stehen in Reih und Glied neben dem Gebäude. Was sich in der Nacht zu Samstag und in den Stunden danach hinter den Mauern des weißen Hauses im nordhessischen Berndorf abgespielt hat, lässt selbst erfahrenen Rettern die Tränen in die Augen steigen. Von Sascha Pfannstiel (dpa) 

Ein 40 Jahre alter Mann hat versucht, seine beiden Töchter im Alter von fünf und sieben Jahren sowie deren dreijährigen Bruder in seiner Ein-Zimmer-Wohnung mit einem Hammer zu erschlagen. Alle drei Kinder erleiden lebensgefährliche Kopfverletzungen. Dass etwas passiert ist in dem Ort bei Korbach, das spricht sich am Samstagmittag herum wie ein Lauffeuer. Rettungsfahrzeuge und Notarztwagen mit Martinshorn und Blaulicht fahren im Sekundentakt vor dem Mehrfamilienhaus in der Ortsmitte vor, Streifenwagen und zivile Autos der Polizei kommen hinzu. Wenig später riegelt die Feuerwehr hektisch die Zufahrtsstraßen ab, ein Rettungshubschrauber kreist über dem Dorf und landet schließlich auf dem Sportplatz. Zwei andere Helikopter gehen kurz danach auf dem Grün nieder, später fliegt die Polizei mit einer weiteren Maschine noch einen Arzt ein. Am ebenfalls abgeriegelten Sportplatz sammeln sich unzählige Neugierige, der ganze Ort scheint auf den Beinen. Was passiert ist, weiß von den Schaulustigen noch niemand, erste Gerüchte über einen „schlimmen Unfall“ machen die Runde. Aus der Wohnung in der Ortsmitte haben die Retter unterdessen die drei Kinder zu den Fahrzeugen getragen, sie ringen um deren Leben. Die Kinder schweben in Lebensgefahr. Von „stumpfer Gewalt gegen die Köpfe“ ist zunächst bei der Polizei die Rede. Ein Notarzt sagt später, dass er solche Einsätze bislang nur aus dem Fernsehen gekannt hat. In der Tat schockiert die blutige Familientragödie die Menschen ebenso wie die weiteren Umstände. Nach dem Angriff auf seine Kinder hat der 40 Jahre alte Vater diese allein in der Wohnung zurückgelassen. Etliche Stunden später erst stellt er sich in Kassel in einer Justizvollzugsanstalt und berichtet dort von der Bluttat: „Ich habe meine Kinder umgebracht“. Zum Glück hat er unrecht: Die Kinder leben, der Dreijährige ist bald außer Lebensgefahr. Der Mann wird festgenommen, über sein Motiv schweigt er sich zunächst aus. Nachdem ihn ein Haftrichter wegen Mordversuchs in Untersuchungshaft geschickt hat, kommt eine karge Erklärung: Als Motiv des allein lebenden Mannes nennt die Polizei „allgemeine Perspektivlosigkeit und Verzweiflung über die familiäre Situation“. Um die geschockte Mutter kümmern sich neben Rettungskräften auch Pfarrer der Notfallseelsorge. Die vom Vater getrenntlebende Mutter hatte die Kinder übers Wochenende zu ihrem Ex-Mann gegeben.

Quelle: op-online.de

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