Vorliebe für kleinere Clubs

Fans feiern Boy im ausverkauften Gibson

Frankfurt - Videoleinwände, eine aufwendige Lichtshow und Kostüme gibt’s beim Duo Boy nicht. Bilder erzeugt die Musik, die Texte liefern die Regieanweisungen für das persönliche Kopfkino. Seit dem Hit „Little Numbers“ sind Boy eine große Nummer und Garant für ausverkaufte Konzerte wie nun im Gibson. Von Ronny Paul

Dicht gedrängt an der Bühnenkante erwartet das Publikum im Frankfurter Club „Gibson“ vom Singer/Songwriter-Duo mitsamt vierköpfiger Begleitband auf eine anderthalbstündige Reise zu den kleinen Momenten des Lebens mitgenommen zu werden. Denn spätestens seit dem Radio-Hit „Little Numbers“ sind Sängerin Valeska Steiner aus Zürich sowie Bassistin und Gitarristin Sonja Glass aus Hamburg kein Geheimtipp mehr und weltweit auf Tour. Die Ticket-Nachfrage zur aktuellen „We Were Here“-Tour ist groß. Viele Konzerte sind schon lange ausverkauft. Auch das Gibson, in dem die Band am 17. November noch eine (ausverkaufte) Zusatzshow gibt.

Boy scheinen die intime Atmosphäre in kleineren Clubs gegenüber größeren Hallen zu bevorzugen. Hier sind Valeska Steiner und Sonja Glass auf Augenhöhe mit dem Publikum. Die männliche Begleitband breitet leicht erhoben hinter den Frauen entweder einen dichten Klangteppich aus, etwa wie beim sphärischen, von Synthesizer-Klängen getragenen Konzert-Opener und Titelstück des aktuellen Albums „We Were Here“, oder liefert perfekten Up-tempo-Pop wie bei „Oh Boy“. So gut wie alle Songs, etwa „Fear“ oder „Drive Darling“, die Steiner mit glasklarer sanfter Stimme singt, gehen sofort ins Ohr und bleiben auch noch nach dem Konzert im Gedächtnis.

Besonders eingängig ist aber das Lied, das Boy berühmt gemacht hat. Mit den Zeilen „Seven Little Numbers Baby, They Could Be A Start“ ist das Duo 2011 zur großen Nummer geworden. Und wenn es den besungenen Herren tatsächlich gibt, dürfte er oft genug daran erinnert worden sein, zum Telefon zu greifen. Auch das Publikum im Gibson singt die Zeilen laut genug mit. Zudem ist das Lied Titelsong im Kinofilm „Kein Sex ist auch keine Lösung“ und nicht mehr wegzudenken aus der Comedy-Serie „Knallerfrauen“. Selbst wenn Steiner und Glass, die sich 2005 bei einem Popkurs an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg kennengelernt haben, für Konzerte im Flieger unterwegs sind, trällert ihnen ihr Lied in einem Lufthansa-Werbespot entgegen.

Tokio Hotel Konzert im Gibson Frankfurt

Für den Song „New York“ sind die beiden aber nicht ins Flugzeug gestiegen, wie Steiner dem Publikum erzählt. Zwar sei das geplant gewesen, doch nichts daraus geworden. Stattdessen hat das Duo in einer „verzweifelten Situation“ die perfekten Anweisungen fürs Kopfkino geschrieben: „Anywhere With You Could Be New York...“

Quelle: op-online.de

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