400.000 Überstunden

Frankfurt: Es fehlen mindestens 200 Feuerwehrleute

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Genau 1693 Brände musste die Frankfurter Berufsfeuerwehr im vergangenen Jahr löschen.

Frankfurter Feuerwehrleute ächzen unter Überstunden. Mehr Auszubildende sollen Abhilfe bringen - Bedarf gibt es vor allem in der Leitstelle.

Noch ist die Frankfurter Feuerwehr nicht über den Berg. Der Berg, der Überstunden heißt und in den vergangenen Jahren auf die astronomische Zahl von weit über 400.000 Stunden angewachsen ist. „Die Zahl der Überstunden hat ein Maß erreicht, bei dem wir handeln mussten“, sagt der stellvertretende Amtsleiter der Frankfurter Feuerwehr, Thomas Jackel. Also schrieben er und sein Chef Karl-Heinz Frank eine Vorlage für die Stadt, in der sie um mehr Personal baten. Fast zeitgleich war aber auch eine Vorlage zum Brandschutzbedarfsentwicklungsplan fällig. Als diese vor gut einem Jahr ebenfalls an Personaldezernent Stefan Majer (Grüne) herangetragen wurde, machte dieser Nägel mit Köpfen und forderte ein Gesamtkonzept, das ihm einen Überblick über den Personalbedarf der Feuerwehr in den kommenden Jahrzehnten verschafft.

Herausgekommen ist das nun im Stadtparlament verabschiedete Konzept „Feuerwehr Frankfurt 2040“. Mindestens 200 zusätzliche Stellen, so haben es Jackel und Frank errechnet, werden langfristig gebraucht. Geschafft werden soll das vor allem mit einer enormen Erhöhung der Ausbildungszahlen. Die Zahl der jährlich Auszubildenden soll von 48 auf 75 steigen. „Das schaffen wir, genügend Bewerber sind da“, ist sich Jackel sicher. Auch wenn es immer schwerer werde, aus der Zahl der Bewerber geeignete Kandidaten zu finden. „Die Bewerber haben eine erkennbar körperlich schlechtere Leistungsfähigkeit als früher. Ein gesellschaftliches Problem.“

Das größere Problem sieht Jackel an anderer Stelle. Es müsse nämlich auch gelingen, möglichst viele der dann gut ausgebildeten Feuerwehrleute in Frankfurt zu halten. Diese Herausforderung bezeichnet der 60-Jährige als „am schwierigsten beherrschbar“. Denn weil es die Freiwilligen Feuerwehren auf dem Land immer schwerer haben, ausreichend ehrenamtliche Helfer für die Gefahrenabwehr zu finden, stellen auch kleinere Kommunen auf professionelle Strukturen um und suchen ausgebildete Feuerwehrleute. Zusammen mit einer bevorstehenden Pensionierungswelle rechnet die Frankfurter Feuerwehr mit jährlich 65 Abgängen und geht mittelfristig von zehn zusätzlichen Feuerwehrleuten pro Jahr aus. Dies soll bis 2040 rund 200 neue Leute bringen.

Frankfurt: Immer mehr Notrufe, immer weniger Feuerwehrleute

Dringend gebraucht wird Personal vor allem in der Leitstelle. Dort ächzen die Kollegen unter der Arbeitsbelastung, vor allem wenn Unvorhergesehenes passiert wie Starkregen oder Sturm. Dann stehen die Telefone in der Leitstelle nicht mehr still. „Wir brauchen einen Puffer“, sagt Jackel. In anderen Bundesländern, wie etwa Bayern, hat der Gesetzgeber eine „Rückfallreserve“ vorgesehen. Eine solche soll es auch in Frankfurt geben. Unabhängig davon braucht die Leitstelle ohnehin mehr Personal. „Die Zahl der Notrufe steigt ständig“, sagt Jackel. Das liegt vor allem am stark gestiegenen Rettungsaufkommen. Die Steigerung habe drei Gründe: Bevölkerungszuwachs, demografischer Wandel und ein geändertes Meldeverhalten. „Wir stellen immer mehr fest, dass die ärztliche Versorgung nicht so ist, wie sie sein sollte“, sagt Jackel. Wenn die Menschen keinen Termin beim Hausarzt bekommen, rufen sie den Rettungsdienst an. Die Steigerung des Bedarfs an Rettungsmitteln sei „exorbitant“, sagt Jackel. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Rettungswagen um 30 Prozent. So müssen die Disponenten bis zu 35 Rettungsfahrzeuge gleichzeitig koordinieren. Die Zahl der Notarzt-Einsatzfahrzeuge stieg von vier auf sechs. „Das siebte Fahrzeug steht schon vor der Tür“, so Jackel.

Die gestiegenen Anforderungen helfen natürlich nicht gerade, den Überstunden-Berg abzubauen, auch wenn schon etwa 25.000 Überstunden jährlich ausbezahlt werden. Noch zwei bis drei Jahre, schätzt Jackel, wird die Zahl der Überstunden weiter ansteigen, wenn auch deutlich moderater. Dann, hofft der stellvertretende Amtsleiter, ist die Feuerwehr über den Berg und die Zahl der Überstunden wird abgebaut werden können.

Ausbildung

Gesucht werden junge Schulabsolventen für den „Mittleren feuerwehrtechnischen Dienst“. Die Bewerber müssen als Schulabschluss Hauptschule oder Mittlere Reife vorweisen. Die Ausbildung dauert drei Jahre.

Die ersten 18 Monate erhalten die Auszubildenden eine handwerkliche Grundausbildung in den Bereichen Elektro, Holz, Metalle und Gas-Wasser. In der zweiten Hälfte folgt die feuerwehrtechnische Ausbildung im Brandschutz-, Katastrophen- und Rettungszentrum am Marbachweg. Es beinhaltet zwei Wachpraktika von je drei Monaten auf einer der Frankfurter Feuerwachen.

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