Mit viel Zeit im Gepäck

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Günstig von A nach B? Fernbusse machen’s möglich. Wer sparen will, muss allerdings früh buchen. Und darf es nicht eilig haben. An der Südseite des Frankfurter Hauptbahnhofs halten seit anderthalb Jahren auch Fernbusse. Genutzt werden sie vor allem von jungen Leuten.

Offenbach - Günstig von A nach B? Fernbusse machen’s möglich. Wer sparen will, muss allerdings früh buchen. Und darf es nicht eilig haben. Von Lena Marie Jörger

Freitagabend, 17. 42 Uhr. Mein Handy kündigt eine SMS an. „Lieber Mein-Fernbus-Gast, Ihr Bus der Linie 007 Richtung Freiburg hat heute verkehrsbedingt etwa 40 Minuten Verspätung“, steht darin. „Wir bitten um Ihr Verständnis. “ Das habe ich. Schließlich bin ich froh, dass ich überhaupt informiert werde – und dann auch noch rechtzeitig. So kann ich in aller Ruhe meinen Koffer für das Wochenende bei meinen Eltern packen, die ich regelmäßig besuche. Weil das mit der Bahn ganz schön ins Geld ginge, fahre ich ab und an mit dem Fernbus.

Seit Januar 2013 dürfen Busunternehmen auch auf Fernstrecken Linienverkehr anbieten. Gut anderthalb Jahre nach der Liberalisierung boomt der Markt. Derzeit kämpfen etwa zehn deutschlandweit agierende Anbieter um Kunden und bieten knapp 300 Linien an. Auch immer mehr Ziele im Ausland werden angefahren. So kann man von Frankfurt aus unter anderem nach Hamburg, Berlin, Stuttgart, Köln, Amsterdam, Zürich, Mailand oder Luxemburg reisen.

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Die Tickets sind übers Internet schnell gebucht und schon ab acht Euro zu haben – ein wahres Schnäppchen, vorausgesetzt, man schlägt früh zu. Je später man bucht, desto teurer wird es. Wer sich spontan zu einer Reise entschließt, kann auch direkt beim Fahrer eine Karte kaufen, falls noch Platz ist. Der Preisunterschied ist manchmal enorm. Kinder, Jugendliche, Studenten und Senioren können sich über Rabatte freuen. Bei einigen Busunternehmen dürfen Schwerbehinderte und eine Begleitperson umsonst fahren, bei anderen gibt es eine Ermäßigung.

Umweltfreundliche Alternative - aber nur voll besetzt

Für ein paar Cent mehr kann man bei vielen Anbietern online die Option CO2-Kompensation dazu buchen. Aber auch ohne gilt der Reisebus im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln als umweltfreundliche Alternative – allerdings nur voll besetzt. Für Mein Fernbus dennoch Grund genug, mit dem Slogan „Fahr’ grün“ zu werben.

19.35 Uhr. Vorsichtig ziehe ich meinen Koffer hinter mir über den Gehweg. An den Fernbushaltestellen auf der Südseite des Frankfurter Hauptbahnhofes herrscht schon dichtes Gedränge. Gleich mehrere Linien fahren hier ab. Auch meine. Als der weiße Reisebus schließlich auf die Mannheimer Straße rollt und langsam in die Haltebucht rangiert, macht sich bei vielen Wartenden aber Enttäuschung breit. „Der ist ja gar nicht grün“, seufzt eine junge Frau neben mir und spielt damit nicht nur auf den Werbespruch, sondern auch auf das markante Design der Fernbusse dieses Unternehmens an. Muss einer der firmeneigenen Busse aber in die Werkstatt, oder ist zu Hauptreisezeiten wie Feiertagen oder Ferien besonders viel los, werden Fahrzeuge von Subunternehmen gepachtet.

Der Bus hält, und sofort bildet sich dichtes Gedränge um die Vordertür und die Gepäckabteile. Nur drei Leute steigen aus. Ihre Koffer sind schnell aus-, unsere eingeladen. Bei den meisten Anbietern ist ein Gepäckstück pro Person erlaubt, dazu ein Handgepäck. Gegen einen Aufpreis können Fahrgäste auch mehr mitnehmen. Immer mehr Busunternehmen transportieren auch Fahrräder, manche gegen Aufpreis und nur mit Voranmeldung. Ähnliches gilt für Sperrgepäck.

Es gibt auch Minuspunkte

Ich stelle mich in die Warteschlange. Einige Fahrgäste zücken ihr Smartphone, um die Buchungsbestätigung vorzuzeigen und den QR-Code vom Fahrer scannen zu lassen. Ich habe mein Ticket ausgedruckt. Sicher ist sicher. Ein kurzer Blick genügt dem Mitarbeiter, und ich darf einsteigen. Zielstrebig steuere ich einen Platz im hinteren Teil des Busses an – am Fenster – und lasse mich auf den Sitz fallen. Dann zücke ich mein Smartphone und versuche, mich ins W-LAN einzuwählen. Ohne Erfolg. Der Service, mit dem mittlerweile fast alle Anbieter werben, funktioniert heute nicht, erklärt Busfahrer Bernhard in seiner kurzen Vorstellungsrede. Weil der Bus eben nicht zur Mein-Fernbus-Flotte, sondern zu einem Subunternehmen gehört. Bernhard bringt es auf den Punkt: „Außer Verspätung hat der Bus nichts.“ Das stimmt nicht ganz, immerhin gibt es Snacks und Getränke zu kaufen.

19.41 Uhr. Mit 41 Minuten Verspätung verlassen wir die Haltestelle. Nach einigen hundert Metern endet die Fahrt aber schon wieder. Der Bus stoppt, um eine junge Frau einzusammeln, die zu spät war und uns um wenige Sekunden verpasst hatte. Per Telefon hatte sie den Fahrer kontaktiert. Der lacht kurz. „Für heute habe ich meine gute Tat getan.“

Mein Sitznachbar, ein dunkelblonder Mittdreißiger in hellblauem Hemd und schwarzer Anzughose, bekommt davon nichts mit. Er schaut sich auf seinem Tablet-PC einen Film an. Vor mir sitzt ein Ehepaar. Die beiden unterhalten sich darüber, welche Sehenswürdigkeiten sie sich in Heidelberg ansehen wollen. Ich mache es mir unterdessen in meinem Sitz bequem. Kopfhörer in die Ohren, Musik an, Buch aufgeklappt.

23.20 Uhr. Geschafft. Nach etwa 3,45 Stunden und Zwischenstopps in Darmstadt und Heidelberg hält der Bus am Freiburger Bahnhof. Die lange Fahrzeit ist ein Minuspunkt. Mit der Bahn wäre ich nach nur 2,23 Stunden am Ziel gewesen, mit dem Auto sogar noch etwas schneller. Eine Fernbusfahrt ist eben nichts für Eilige.

Quelle: op-online.de

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