Fette Party vor der Haustür

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Volle Tanzflächen wie im Biergarten in Dieburg finden Partywütige nicht nur in den Großstädten. Feiern ist schließlich kein Privileg der urbanen Bevölkerung

Hessen (cor/akr/sef/map) - Ausgehmöglichkeiten sind auf dem Land oft Mangelware. Scheunenfeste oder Bierzelt-Sausen verlieren irgendwann ihren Reiz. Und immer mit den gleichen Gesichtern den Bierkrug stemmen, ist ja auch nicht jedermanns Erfüllung.

Deshalb zieht es das partywillige Jungvolk Wochenende für Wochenende in die Großstadt. Schließlich haben „Dorfdiscos“ nicht gerade den besten Ruf. Eilt ihnen doch der nächtliche Charme von Industriegebiet, Arschgeweihen und Vokuhila-Frisuren voraus. Um der provinziellen Tristesse zu entkommen, präsentiert die Szene-Redaktion fünf Locations.

Tribe Clounge

Wer beim Ausgehen auf keinen Fall auf Großstadt-Flair verzichten will, ist in der Tribe Clounge in Hainburg genau richtig. „Keep Clounging - Be the Tribe!“ lautet das Motto des neuen Electro und Minimal Clubs in der Siemensstraße 26. Abgeschnitten von der Außenwelt ist im Untergeschoss eines Gewerbekomplexes im Industriegebiet eine Lounge mit Club-Ausstattung, kurz „Clounge“, entstanden, die mit einem Szeneclub in Frankfurt locker mithalten kann.

Bei der Ausstattung haben sich die Macher nämlich ganz besonders viel Mühe gegeben und eine Mischung aus industriellem, minimalem und modernem Design ausgewählt. Zwischen Holz, Beton und Leder lässt es sich gemütlich und gleichzeitig stylish feiern. Eine robuste Tanzfläche aus Echtholzparkett, macht die etwa 200 Quadratmeter große Location partytauglich. Szenebekannte Klangkünstler wechseln sich wöchentlich hinter dem großzügigen DJ-Platz, der in die Bar integriert ist, ab.

Cocktails schlürfen, der Musik lauschen und die Nächte durchtanzen, können Nachtschwärmer, Musikliebhaber, Party-Monster und Dancing Queens donnerstags von 19 bis zwei Uhr sowie freitags und samstags von 22 bis fünf Uhr. Die Soundanlagen auf dem neuesten Stand der Technik sorgen dazu für ordentlich Wumm aus den Boxen, und die Lichtinstallation für Farbspektakel auf der Tanzfläche. Da kann man auch schon mal den einen oder anderen Blick auf die Partymeute werfen. Schöne Menschen vor und hinter der Theke machen die Tribe Clounge zum wahren Blickfang. Aber Aufpassen, wie viele Bierchen ihr spendiert! Denn bezahlt wird nicht mit Bargeld, sondern mit der Tribe-Card. Von der aufladbaren Prepaid-Karte gibt’s auch kein Geld zurück. Das nicht verbrauchte Guthaben steht beim nächsten Besuch aber wieder zur Verfügung. Und der kommt garantiert!

Club 62

 Um Mitternacht ist die Tanzfläche im Club 62 voll. Darauf lässt sich jeden Freitag und Samstag getrost ein Bier wetten. Der Grund: Die Tanzfläche ist klein, der Andrang groß. Ab 22 Uhr lässt sich in der Darmstädter Straße 62 unter dem Club-Motto „the new generation of entertainment“ ein gemischtes Partyvolk aus Dreieich, Neu-Isenburg und Langen nieder.

An den Türstehern vorbei, macht sich die im März eröffnete Diskothek direkt beliebt. Weit und breit ist keine Kasse zu sehen. Wer seine Winterjacke loswerden will, investiert einen Euro bei der Garderoben-Dame. Wenige Schritte weiter ist man mittendrin, statt nur dabei: Die Wege zwischen Bar, Sitzgelegenheiten und Tanzfläche sind in dem kleinen Laden kurz. Interessant ist im Club 62 der Querschnitt der Besucher. Im Schwarzlicht tanzen Studenten neben Pärchen aus der 68er-Generation, Latinos mit Girlies und Ballermann-Fußballer Seite an Seite mit ehemaligen Anhängern der Techno-Generation aus den 90ern.

Die Musik vom DJ ist eine entsprechend ausgewogene Kompromisslösung. Rihanna drückt Michael Jackson das Mikro in die Hand - Safri Duo, Faithless, Black eyed Peas, Usher folgen. Wer früh kommt, hat gute Chancen, eine der Sitzecken im Zebra-Look als Ausgangspunkt zur Tanzflächen-Pendelei zu ergattern. Später eingetroffene Gäste positionieren sich mit ihren Getränken gerne entlang eines Geländers um die Tanzfläche. Von dort lässt sich die um eine Stufe tiefergelegte tanzende Meute einwandfrei beobachten. Funktioniert natürlich auch in umgekehrter Richtung - praktisch für Flirtwillige.

Deutlichster Minuspunkt des Clubs: Ein Blick in die Getränkekarte lässt das Herz hessischer Besucher bluten. Nicht etwa wegen der Getränkepreise. Die liegen mit 2,50 Euro für ein kleines Bier und Softdrinks durchaus im Rahmen. Aber: es gibt keinen Äppelwoi. Der Bier-Pitcher von 1,5 Liter kann darüber nur teilweise hinwegtrösten. Infos und Öffnungszeiten unter http://www.club62.de

Club Biga

Es sieht ein wenig so aus, wie in einer Lagerhalle, wenn man an der Kasse vorbei durch einen schweren Vorhang in den Club gelangt – kein Wunder, denn der Biergarten (Biga) in der Hohe Straße 17 in Dieburg war früher mal eine Kfz-Werkstatt. Seit Mai 1980 fahren keine Autos mehr auf die Bühne, denn die gehört seitdem den Tanzwütigen. In den 80er Jahren gaben sich hier Rockgrößen wie die Rodgau Monotones oder die Toten Hosen auf der Live-Bühne das Mikro in die Hand. Auch heute gibt es noch regelmäßig Konzerte im Biergarten. Der Biga bietet seinen Besuchern zwei Tanzflächen, auf denen jeweils unterschiedliche Musik gespielt wird. Samstags tummeln sich Ü-30er auf der einen Tanzfläche zu „Rock, Pop and more“. Eine schalldichte Glasfront trennt sie vom zweiten Floor, auf dem die jüngeren Besucher der „Alternativen Party-Attacke“ zu (Nu)-Metal, Rock und Electrobeats abtanzen. Donnerstags gibt‘s bei „Temple of Fusion“ auf Floor 1 Dark Wave, Gothic und Mittelalter auf die Ohren. Indie, Crossover und Hardcore schallt bei „Urban Chaos“ aus den Boxen auf Floor 2. Freitags werden immer wieder Special-Events und Motto-Partys geboten.
Mal kurz durchatmen können die Tänzer im großzügigen Aussenbereich, wo im Sommer Livekonzerte gespielt werden oder gegrillt wird. Jetzt im Winter laden aber weniger die Liegestühle am benachbarten Teich, sondern der wärmende Feuerkorb zum Verweilen ein.  Eine große runde Säule bildet das Zentrum von Floor 2 und wirkt auf den ersten Blick etwas störend. Die Besucher haben sie allerdings zu schätzen gelernt, so sehr dass auch auf der anderen Tanzfläche eine „flexible“ Säule installiert wurde. Jetzt wird auf beiden Floors fröhlich um die Säulen getanzt. Punkten kann der Biergarten auch mit zivilen Preisen. Infos rund um den Biergarten gibt's auf der Homepage: http://www.club-biga.de

77Beatz

In den 90er Jahren lockte der Paramount Park Raver aus dem ganzen Land. Ende Juli öffnete dort das 77Beatz seine Türen. Doch von der einst bekanntesten deutschen Großraumdiskothek in Rödermark ist nicht mehr viel übrig. Zwar haben noch einige Clubs versucht, in der Kapellenstraße für ebenso viel Aufsehen zu sorgen, am Ende mussten sie aber dicht machen. Nun versucht das 77Beatz die Location wieder aufleben zu lassen.

„Den Geist der legendären Diskotheken wie dem Dorian Gray oder dem Paramount Park möchten wir beleben und mit moderner Musik und aktuellen Konzepten auf uns aufmerksam machen“, erklärt Inhaber Mohammed Yasser Rassoul. Wesentlich kleiner und in ländlichem Charme präsentiert sich „das musikalische Highlight der Region“, wie es auf der Internetseite heißt. Die wirren Farbspiele an der Wand und die kunterbunte Lichtorgel über der Tanzfläche erinnern eher an eine Kita am Prenzlauer Berg. Vom Alter würde das auch passen, sind die meisten Gäste doch wohl erst seit Kurzem im Besitz eines Personalausweises. Geraucht wird trotzdem, natürlich in einem dafür abgegrenzten Bereich. Der Freitagabend ist für R’n’B reserviert, der Samstag verspricht „erstklassige, elektronische Bookings, die selbst Clubs auf Ibiza alt aussehen lassen“. Das 77Beatz in Rödermark ist im wahrsten Sinne ein „einmaliges Partyerlebnis“.

Steinbruch-Theater

Das Urgestein der hiesigen Diskotheken ist wohl das Steinbruch-Theater. Seit 1980 ist der Party-Tempel an der Odenwaldstraße 26 im Mühltal eigener Angabe zufolge Treffpunkt Feierwütiger. Dabei hat es die Tanzstätte auf ein möglichst breites Publikum abgesehen: Von Metal-Jüngern und Anhängern der Gothic-Szene über Rocker und Schlagerfans bis hin zur Generation Oldie treffen dort die unterschiedlichsten Musik-Geschmäcker aufeinander. Zumindest ansatzweise, denn das Steinbruch-Theater kann mit mehreren Tanzflächen aufwarten, auf denen unterschiedliche Stile zum Zappeln auffordern.

Außerdem stehen die drei Hauptöffnungstage unter verschiedene Mottos, sodass das Publikum keinesfalls immer gleich ist: Der „Rock Dance and Oldie Monday“ huldigt bekannten Rock- und Popklassikern sowie Funk und Soul. Die „Club Therapie“, immer donnerstags, hat mit Tanzmusik die Party voll im Blick. Zu dieser Veranstaltung haben Gruppen ab fünf Personen freien Eintritt. Die Freitage stehen unter verschiedenen Mottos, etwa Metall, Industrial, Mittelalter, Cross-Over und Hardcore an einem Abend; dieser Mix schallt im Übrigen auch samstags zur „Underground Evolution“-Party über die Tanzfläche. An anderen Freitagen jagen die DJs Rock-, Pop- und feierorientiete Tanzmusik aus den Boxen.

Außer an diesen drei festen Abenden öffnet das Steinbruch-Theater auch hin und wieder mittwochs, dann geht es etwas szenespezifischer zu: Zum „Circle of Doom“ sind allerlei dunkle Gestalten der Gothic-Gemeinschaft anzutreffen. Die Musik: Heavy-, Power-, Speed- und Trashmetal. (Programm unter http://www.steinbruch-theater.de). Der „Bruch“ ist für diejenigen geeignet die Lust auf eine lockere Atmosphäre haben und die keine Berührungsängste zu Subkulturen oder Feierwilliger anderer Jahrgänge haben. Die Preise sind fair, eine Kleiderordnung gibt es nicht.

Quelle: op-online.de

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