Feucht-fröhlicher Auflauf

Rund 500 „Flashmobber“ trafen sich in Frankfurt zu einer friedlichen Wasserschlacht, da wurde der eine oder andere Teilnehmer auch nass.

Schon bevor die Trillerpfeife den Start des sogenannten Flashmobs verkündet, muss den meisten Passanten gedämmert haben, dass ein feucht-fröhliches Ereignis bevorsteht: So viele – zumeist Jugendliche – mit Wasserpistolen und anderer Ausstattung Bewaffnete hatte der Frankfurter Opernplatz noch nicht erlebt.

Auf den Anpfiff per Trillerpfeife folgte eine wilde Wasserschlacht, an der sich rund 500 „Aktivisten“ beteiligten. Es regnete Wasserbomben und ganze Eimerladungen ergossen sich über die Beteiligten. Die Zeugen des Spektakels, die sich in den umliegenden Cafés zu Eisbecher und Süßgespritztem niedergelassen hatten, blieben verschont.

„Klar hat es einen Sinn: Fremde Menschen treffen aufeinander, haben Spaß und lachen zusammen“, sagt der Urheber der Aktion über die Motivation der Flashmobber. Daneben, so ist aus der Szene oft zu hören, bringt der Eingriff in das öffentliche Leben den Kick – und sorgt für verblüffte Mienen der nicht eingeweihten Passanten über das scheinbar absurde Benehmen ihrer Mitmenschen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass hunderte Menschen in einem Fast-Food-Restaurant mit der gleichzeitigen Bestellung von Cheeseburgern die Kapazität der Küche sprengen. Oder ein kleiner Trupp baut in einem Einkaufzentrum Liegestühle auf und fläzt sich im Strandoutfit zum Sonnenbad nieder.

Über Foren wie Facebook, MySpace und Twitter hatte der Organisator der „Wasserschlacht von Frankfurt“ zu der Aktion aufgerufen. Der im Netz unter dem Pseudonym agierende „DeejayDizze“ war über die Tragweite selbst erstaunt – wenn auch im positiven Sinne: „Ich habe nicht damit gerechnet, dass so viele kommen und mich riesig gefreut.“ Die Idee zu der Wasserschlacht hatte er von einer ähnlichen Aktion aus Köln mitgebracht: „Ich dachte mir, wir in Frankfurt können das auch.“ Der Erfolg hat mittlerweile auch andere Flashmobber auf den Plan gerufen, deren Ideen zu skurrilen Aufläufen nun in den einschlägigen Foren gedeihen.

Dass den genauen Verlauf einer solchen Zusammenkunft niemand vorhersehen kann, zeigen hingegen Beispiele aus den Vereinigten Staaten: In Philadelphia endete eine Aktion mit wüsten Ausschreitungen und Verletzten. Die US-amerikanischen Beamten beobachten die Szene seitdem ganz genau. Laut Alexander Kießling, Pressesprecher der Frankfurter Polizei, zeichnet sich ein derartiger Trend in der Mainmetropole nicht ab: „Wir waren vor Ort, um zu überwachen, dass der Spaß nicht aus dem Ruder läuft. Die Leute waren aber sehr kooperativ.“ Als es dem Brunnen sichtlich an Wasser mangelte, hätten die Beamten darum gebeten, nicht noch mehr abzuschöpfen, was die Planschenden anstandslos akzeptiert hätten.

Trotzdem behält auch in Frankfurt eine Beamtin die Internet-Aktivitäten der Flashmobber im Auge. Allerdings nicht, um als Spielverderber in Erscheinung zu treten: „Rechtlich ist dagegen nichts einzuwenden, und mit einem Verbot würde sich auch niemand einen Gefallen tun.“

SEBASTIAN FAERBER

Quelle: op-online.de

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