Firma „Deck13“ schafft virtuelle Welten

„Spiel für PC ist ein Kulturgut“

Frankfurt - Computerspiele sind nicht nur bei Jugendlichen beliebt. Das Erschaffen der virtuellen Welten ist meist recht aufwendig. Die Frankfurter Entwicklerfirma „Deck13“ hat schon einige Spiele erfolgreich auf den Markt gebracht. Von Lara Sturm

Bilder aus einem fantastischen Venedig der Renaissance, eigens komponierte Musik, bekannte Synchronsprecher und große Gefühle. Ein neuer Kinofilm? Nein, all das passiert in einem Computerspiel. „Venetica“ heißt das Rollenspiel von „Deck13“. Die Heldin Scarlett muss sich nach einem Überfall auf ihr Dorf, bei dem sie auch ihre große Liebe verlor, den dunklen Mächten stellen. Sie, die bis vor kurzem noch nichts von den übersinnlichen Kräften ahnte, die in ihr schlummern, muss nun gegen einen übermächtigen Nekromanten kämpfen. All das geschieht in der Kulisse eines beeindruckenden, an die Renaissance angelehnten Venedig.

Dafür fuhren Mitarbeiter des in Frankfurt ansässigen Spieleentwicklers „Deck13“ extra nach Italien, fotografierten und filmten in Venedig alles, was ihnen vor die Linse kam. „Die Leute dachten bestimmt, dass sind die Super-Touristen“, lacht Florian Stadlbauer, einer von zwei Geschäftsführern der „Deck13 Interactive GmbH“. „Man ahnt bei einem ersten Blick nicht, was alles hinter einem Computerspiel steckt“, erklärt Stadlbauer.

Fünf große Bereiche gibt es in der Spieleentwicklung

Fünf große Bereiche gibt es in der Spieleentwicklung: Bevor losgelegt werden kann, muss eine Idee entwickelt werden. Ein Set muss entworfen werden. Was gibt es für eine Geschichte, was für Charaktere und wo spielt das Ganze? Und ebenso wichtig: Nach welchen Regeln wird gespielt? Wie wird der Spieler geführt? Was darf er? Game-Design nennt man diesen Bereich. Dann muss der geschäftliche Bereich abgeklärt werden. „Spieleentwickler kann man mit einer Band vergleichen“, findet Stadlbauer. „Die Band leistet die kreative Arbeit, aber um sie herum passiert auch ganz viel, zum Beispiel durch die Plattenfirma.“ Während Musiker eine Plattenfirma finden müssen, suchen Spieleentwickler nach einem sogenannten Publisher, der das Projekt vorfinanziert. „Wie viel Geld benötigt wird, hängt von dem Projekt ab, aber ich würde mal sagen, dass es so bei einem Minimum von 600 000 Euro anfängt und dann in die Höhe von zwei bis drei Millionen Euro gehen kann.“

Das klingt erst mal viel. „Deck13“ beschäftigt allerdings rund 40 Mitarbeiter, die dann je nach Laufzeit zwischen zwei und drei Jahren an einem Projekt arbeiten. Umgesetzt werden die Ideen in drei unterschiedlichen Bereichen. Eine Grafik muss geschaffen werden. Dafür wird eine ganze Welt erstellt, in der das Spiel seinen Lauf nimmt. Über jedes kleinste Detail muss entschieden werden. Stadlbauer zeigt beispielsweise verschiedene Skizzen von Lampen. Aus rund zwanzig Vorschlägen wird schließlich für eine Lampe entschieden. Langsam bekommt man einen Eindruck, wie viel Arbeit hinter jedem Spiel steckt. Animationen, wie zum Beispiel eine brennende Fackel, müssen ebenso erschaffen werden, wie die Charaktere. Entweder werden sie per Hand am Computer erstellt oder „Deck13“ arbeitet mit Motion Capture. Darunter versteht man ein sogenanntes Tracking-Verfahren, das es ermöglicht, menschliche Bewegungen auf im Computer generierte 3D-Modelle zu übertragen. „Bei unserem Abenteuerspiel Jack Keane haben wir zum Beispiel mit einem Stuntmann und einer Stuntfrau gearbeitet, die an Kränen befestigt durch die Gegend geflogen sind“, berichtet Stadlbauer.

Soundeffekte müssen bedacht werden

Der nächste große Bereich ist der Ton. Soundeffekte müssen bedacht werden. Wenn Scarlett durch eine riesige Kathedrale schreitet, muss man ihre Schritte auf dem Marmorboden hören und deren Widerhall in dem menschenleeren Gebäude. Und wie sollen die Charaktere klingen? „In Deutschland haben wir das große Glück, dass es üblich ist, professionelle Sprecher für die Spieleentwicklung einzusetzen“, freut sich Stadlbauer, „David Nazhan, die deutsche Synchronstimme von Johnny Depp, leiht zum Beispiel Jack Keane seine Stimme.“ Auch die Musik darf nicht vergessen werden: Für das sich noch in der Entwicklung befindende Spiel „Tiger and Chicken“ wurde zum Beispiel extra ein Orchester beauftragt, das eigens komponierte Lieder einspielt. All die verschiedenen Elemente werden dann zu einem Spiel zusammengefügt. „Die Technologie ist letztendlich der Träger, der alles logisch miteinander verknüpft“, erklärt Stadlbauer. Dazu kämen noch viele kleine Teilbereiche wie das Projektmanagement oder das Marketing.

Vor diesem Hintergrund versteht man, warum der Geschäftsführer davon überzeugt ist, dass es sich bei Computerspielen um „Kulturgut“ handelt. Deswegen will sich Stadlbauer in seiner neuen Position als Vorsitzender des regionalen Branchenverbands Gamearea FRM auch dafür einsetzen, dass Computerspiele ebenso staatlich gefördert werden wie Filme. Er wünscht sich, dass es in Zukunft nicht nur auf Technik, sondern auch auf Inhalte ankommt. Schließlich haben diese bei Spielen eine ähnlich große Rolle wie bei Filmen. So wie bei „Luca“, einem vielfach ausgezeichneten Rollenspiel, das Gewalt, Alkohol- und Drogenkonsum vorbeugen soll und das von „Deck13“ gemeinsam mit der Polizei entwickelt wurde.

Für bessere Förderbedingungen hat Stadlbauer zwei gute Argumente: „Ich schätze die Symbolkraft der Computerspiel-Branche sehr hoch ein. Gerade jetzt sollte Deutschland gegen den hohen Fachkräftemangel im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) ein Zeichen setzen.“ Durch bessere Förderung könnte die Branche mehr Leute ausbilden. Somit hätten junge Leute mehr Motivation, sich für ein Studium im MINT-Bereich zu entscheiden.

Quelle: op-online.de

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