Energieressourcen aus der Erde

Vom Fracking absolut überzeugt

+
Tougas-Geschäftsführer Horst-Tore Land zeigt die Chemikalie, die sehr zähflüssig ist.

Frankfurt - Karl-Gerhard Seifert kann die Aufregung nicht so richtig verstehen. Während in Deutschland Politiker und Umweltaktivisten beim Thema Fracking auf die Barrikaden gehen, setzt der Gesellschafter des Unternehmens Allessa auf die Technologie, bei der Wasser, Sand und eine Chemikalie in den Boden gepresst werden. Von Marc Kuhn

Dabei wird Gas frei, das gefördert werden kann. Vor einigen Wochen hat Seifert die Firma Tougas Oilfield Solutions gegründet, eine Tochter der Allessa, wie der Geschäftsführer des Start-ups, Horst-Tore Land, berichtet. Der frühere Pharmavorstand des Hoechst-Konzerns habe schon immer Interesse am Fracking gehabt und bei Allessa die dafür nötigen Polymere entwickeln lassen, erklärt Land. Er halte sehr viel vom Fracking, sagt Seifert. „In der Erde schlummern wahnsinnige Energieressourcen.“

In Berlin war erst kürzlich der Gesetzentwurf der schwarz-gelben Regierung zur Neuregelung der Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten gescheitert. Die Unionsfraktion im Bundestag habe entschieden, den Entwurf nicht mehr in dieser Wahlperiode einzubringen, musste Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) berichten. Eine Pleite für ihn und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Kritiker befürchten, dass der Einsatz von Chemikalien zu Risiken für die Umwelt führt. Auch deshalb hatten Union und FDP ihren schon fertigen Gesetzentwurf zum Fracking Mitte Mai verschärft. Schwarz-Gelb wollte das Vorhaben unbedingt noch vor der Bundestagswahl auf den Weg bringen. Mit einem neuen Passus sollten auf Druck der Südwest-CDU noch Gewässer wie der Bodensee vor dem Fracking geschützt werden. Doch das reichte offenbar nicht aus. Auch in der hessischen Landesregierung gibt es Vorbehalte gegen das Fracking.

Absatzmärkte außerhalb Deutschlands

Seifert und Land interessieren die Querelen hierzulande wenig. Sie haben ohnehin die Absatzmärkte vor allem in USA, Russland, China und Südamerika im Visier. Das Interesse an den Polymeren von Tougas sei sehr groß, erläutert Land. Seifert spricht von einer umweltfreundlichen Chemikalie. Zudem gebe es keinen Grund, dass sie mit Grundwasser in Berührung komme. Schließlich sei das Rohr abgedichtet und einzementiert.

Beim Fracking werde etwa drei Kilometer senkrecht in die Erde und dann rund zwei Kilometer waagerecht gebohrt, erklärt Land. Das Gemisch, das in das Loch gepumpt werde, bestehe zu 99,5 Prozent aus Wasser und Sand. Der Rest sei Chemie. Der Vorteil der Polymere von Tougas sei, dass sie bei Temperaturen bis 220 Grad funktionierten, Konkurrenzprodukte nur bis 120 Grad, erläutert Land. Deshalb könne tiefer gebohrt werden.

Land hält Fracking für eine wichtige Technologie. „Die Zahl der Öl- und Gasvorkommen, die man anbohren kann, sind geringer geworden“, berichtet er. Weltweit werde aber mehr Energie benötigt.

Wie sicher ist unsere Stromversorgung? Fragen und Antworten

Wie sicher ist unsere Stromversorgung? Fragen & Antworten

„In den USA ist in den vergangenen Jahren sehr viel Gas mit Fracking gefördert worden“, sagt Land. Wegen des größeren Angebots seien die Preise kräftig gefallen. Deshalb sei der Gaspreis in Amerika „dramatisch niedriger als in anderen Ländern“, erklärt er. Indirekt könnte sich Fracking auch auf die Kosten in Deutschland auswirken. Das energiehungrige China werde in den nächsten Jahren viel Flüssiggas importieren. Gelinge es, den Bedarf aus heimischen Quellen mit Hilfe von Fracking zu befriedigen, müssten die Chinesen weniger Gas einführen, sagt Land. Das wirke sich auf den Weltmarkt aus und könnte so mittelfristig die Preise in Deutschland sinken lassen.

Wenn größere Mengen preiswerteres Gas vorhanden seien, lasse sich auch die Klimaerwärmung stoppen, meint Land. Schließlich könnten Kohlekraftwerke durch Gasanlagen ersetzt werden, „Fracking ist eine grüne Technologie“, sagt Land.

An diesem Image will Tougas weiter feilen. Bisher werde für das Fracking Frischwasser genutzt, erläutert Land. Seine Firma wolle die Zusammensetzung der Polymere ändern, so dass zum Beispiel auch salzhaltiges Wasser verwendet werden kann. Solche Innovationen könnten beispielsweise für China wichtig sein, da Fracking häufig in wasserarmen Gebieten eingesetzt wird.

Quelle: op-online.de

Kommentare