Fleißig beim Sport statt faul vor der Glotze

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Der Skyliners-Kapitän und frühere Nationalspieler Pascal Roller (links) gehört zu den Profisportlern, die den Jugendlichen das Einmal-Eins des Basketballs näher bringen.

Frankfurt ‐ Sie sind faul, übergewichtig und unmotiviert. Ihre Freizeit verbringen sie vornehmlich vor der Spielkonsole oder beim Saufen und Kiffen auf der Straße. Von Jörn Polzin

Dieses Bild wird nicht selten herangezogen, um auf die Missstände in der Welt der Jugendlichen hinzuweisen. Auch Jakob Merz ist süchtig. Seine Droge heißt Basketball. Der 14-Jährige ist die Hauptfigur in einem Werbespot, den Basketball-Bundesligist Skyliners Frankfurt gestern präsentierte. Er dribbelt, wirft und vermittelt darin vor allem eines: Spaß am Sport. „Wir sagen der Glotze den Kampf an“ heißt der kurze Streifen, der Teil der Initiative „Basketball macht Schule“ (BMS) ist.

Das Projekt haben die Skyliners mit Partnern aus der Wirtschaft auf die Beine gestellt. Es steht auf den vier Säulen Bewegung, Ernährung, Integration und Vereinssport. „Wir bieten 60 Schul-AGs für insgesamt 1300 Schüler aus Frankfurt, Wiesbaden und Offenbach an“, erklärt Skyliners-Manager Gunnar Wöbke, selbst diplomierter Ernährungswissenschaftler. Gerade auf diesem Sektor bestehe großer Handlungsbedarf.

Vorläufiger Name „Eat and win“

„Der Anteil der übergewichtigen Kinder ist relativ groß“, stellte Professor Thomas Heiner von der Hochschule RheinMain (Wiesbaden) fest. Dies belegt auch eine Studie, die der Basketball-Klub unlängst bei der Hochschule in Auftrag gegeben hat, um die Nachhaltigkeit des Projektes zu überprüfen. „Nur 17 Prozent der befragten Schüler erhalten ein Mittagessen in der Schule. In der Folge greifen sie zu Süßigkeiten“, erläutert Heiner und sieht die Eltern in der Verantwortung. Mit Experten wie Ernährungsberatern sollen von Oktober an Klassen je einen halben Tag lang über gesunde Kost und richtiges Essverhalten aufgeklärt werden, kündigte Wöbke an.

Auch Profisportler wie Skyliners-Kapitän Pascal Roller unterstützen die Initiative. „Wenn jemand wie Pascal den Kindern erzählt, dass er keine Cola trinkt, sondern Apfelsaft und Wasser, hat das einen Wert“, sagte Wöbke. Der vorläufige Name „Eat and win“ (Iss und gewinn) soll dann Programm werden.

Vier von fünf spielen Basketball im Verein

Brücken gebaut hat BMS bereits bei der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. „Durch den Sport ergeben sich immer wieder neue Konstellationen, die von einem Großteil der Schüler gerne angenommen werden“, erzählte Heiner. Bedenklich stimmt ihn hingegen, dass viele Kinder alleine zum Training geschickt werden, gemeinsamer Sport mit der Familie aber die Ausnahme bleibt.

Gute Noten gab es für das Hinlenken zum Vereinssport, bei dem der BMS eine „Katalysatorfunktion“ übernimmt. „22 Prozent der befragten Kinder wollen einem Verein beitreten. Vier von fünf Befragten gaben an, Basketball schon im Verein zu spielen“, erzählt Heiner.

Quelle: op-online.de

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