Raubgräber

Der Fluch des Finderglücks

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Büste aus dem in Rheinland-Pfalz gefundenen Barbaren-Schatz

Mainz - Ein einzigartiger Gold- und Silberschatz wurde in der Pfalz gefunden - doch bei aller Freude mussten die Archäologen auch feststellen, dass die Fundstelle zerstört war. Denn entdeckt hatte den Schatz ein Raubgräber, gegen den jetzt die Staatsanwaltschaft ermittelt. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Für die rheinland-pfälzischen Archäologen ist es ein einzigartiger Fund: Wertvolle goldene und silberne Geschirrteile, Verzierungen eines Gewandes, das keinem armen Mann gehört haben dürfte, ja sogar Reste eines Klappstuhles, der vergoldet und versilbert war - das alles hatte ein Hobby-Archäologe in der Nähe des südpfälzischen Ortes Rülzheim gefunden.Mainzer Chefarchäologe Axel von Berg sagt, dass der Schatz aus dem fünften Jahrhundert nach Christus stammt, als sich das römische Reich auflöste. Hastig vergraben hätten den Schatz ein Römer auf der Flucht oder plündernde Germanen, von den Römern als Barbaren bezeichnet.Was nun gesichert wurde, soll schon bald in Mainz und in Speyer ausgestellt werden. Möglicherweise war der Schatz aus der Spätantike aber sogar noch viel größer, denn die Experten halten es auch für möglich, dass ein Teil bereits verkauft wurde. Nähere Angaben wollen sie nicht machen. Der Mann, der zu den Tausenden von Metallsondengängern in Deutschland gehört, habe den Fund nur unter dem Druck staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen herausgerückt. Wie die „Bild“-Zeitung am Samstag berichtete, soll es sich bei dem Mann um einen 22-Jährigen aus Speyer handeln. Die Ermittler seien ihm über Internet-Filme auf die Schliche gekommen, in denen er über seine Funde fachsimpele.Allerdings hat der Raubgräber die Fundstelle mit seinen unsachgemäßen Grabungen zerstört. Wertvolle Hinweise, die Wissenschaftler aus dem Boden hätten herauslesen können, sind womöglich vernichtet.

Funde muss nach Schatzregal dem Land übergeben werden

Für Eckhard Laufer ist solch eine Fundstelle vergleichbar mit dem Tatort eines Verbrechens, an dem sich in der Regel auch jede Menge Spuren befinden. Der 47-jährige Hauptkommissar ist beim Landeskriminalamt Hessen Koordinator für den Kulturgüterschutz. Seine Hauptaufgabe ist die Prävention, also die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, der Justiz, aber auch der Kuratoren in Museen: „Wir informieren auch darüber, wie der Handel mit illegalen Funden funktioniert.“ Wer illegal unterwegs ist, begeht nach dem hessischen Denkmalschutzgesetz eine Ordnungswidrigkeit, die mit mehreren tausend Euro geahndet werden kann. Denn in Hessen gilt wie in allen Bundesländern außer Bayern das sogenannte Schatzregal: Danach gehören archäologische Funde dem Land und müssen abgegeben werden.Wer gegen das Gesetz verstößt, kann sich auch der Sachbeschädigung, Unterschlagung bis hin zur Hehlerei schuldig machen. Auch wer Funde ankauft, kann sich laut Kommissar Laufer in den meisten Fällen nicht herausreden: „Die Leute wissen schließlich, dass solche Stücke nicht auf den Bäumen wachsen.“ Eckhard Laufer selbst kennt nicht nur die kriminalistische Seite, er hat ehrenamtlich als Geländebegeher gearbeitet, „aber ohne Metalldetektor“, wie er betont. Ihn ärgert es deshalb, wenn Fundstellen zerstört werden: „Das ist für uns alle von Nachteil, denn manche Fragen, die sich auch Museumsbesucher stellen, können deshalb nicht beantwortet werden.“

Quelle: op-online.de

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