Flucht auf Fahrrad ohne Sattel?

Frankfurt - (AP) Heiße Spur vom Millionenerpresser Thomas Wolf: Der 56-Jährige hat am Freitag sein Fluchtauto in einem Wald in Niedersachsen festgefahren und ist mit einem Fahrrad geflüchtet, wie die Frankfurter Polizei am Wochenende berichtete. Der silberne VW Golf Variant, ein Mietwagen, wurde am Maifeiertag im Landkreis Oldenburg verlassen aufgefunden. Ein Anwohner hatte es entdeckt.

Die Fahnder gehen davon aus, dass Wolf das Auto mit gestohlenen Kennzeichen tarnte.

Der Gewaltverbrecher hatte am 27. März in Wiesbaden die Ehefrau eines Bankiers verschleppt und 1,8 Millionen Euro Lösegeld erpresst. Er flüchtete in dem Mietauto mit dem Kennzeichen HH-FU 7109.

Am Freitag war jedoch das Kennzeichen AP-FY 43 angeschraubt. Dieses wurde ebenso wie das Kennzeichen M-XA 8036 Anfang April in Berlin gestohlen. Im Fahrzeug befand sich außerdem das Kennzeichen KT-LV 44, das bei Würzburg gestohlen worden war.

Die Ermittler gehen jetzt davon aus, dass sich Wolf eine gewisse Zeit im Landkreis Oldenburg aufgehalten und im Auto geschlafen hat. „Wodurch sich Wolf zur plötzlichen Flucht veranlasst sah, bei der er das Fahrzeug unverschlossen, mit dem Fahrzeugschlüssel im Zündschloss steckend, einschließlich einiger persönlicher Gegenstände zurückließ, wird derzeit geklärt“, berichtete die Polizei. Ein im Golf aufgefundener Fahrradsattel und weiteres Zubehör lassen darauf schließen, dass Wolf ein Fahrrad bei sich hatte.

In dem Fluchtwagen fanden die Ermittler unter anderem „wenige tausend Euro“, wie Polizeisprecher André Sturmeit sagte. Von weiteren Gegenständen verspreche sich die Sonderkommission neue Fahndungsansätze. Eventuell habe sich Wolf unter falschem Namen ein Auto gemietet, einen Pkw gestohlen oder sei mit dem Fahrrad ohne Sattel nach Bremen gefahren. All dies werde überprüft. Eine Hundertschaft der Polizei begann nach der Entdeckung des Autos mit der Durchsuchung des Waldes.

Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters oder zur Wiederbeschaffung der Beute führen, ist eine Belohnung bis zu 100 000 Euro ausgesetzt. Wolf, der Anfang 2000 einen Freigang vom Gefängnis zur Flucht genutzt hatte, lebte neun Jahre unauffällig mit einer Lebensgefährtin im Frankfurter Westend; er gab sich als Niederländer David van Dijk aus. Seinen Lebensunterhalt bestritt er von der Beute eines Bankraubs in Hamburg.

Quelle: op-online.de

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