Schlepper versprachen Familie eigenes Haus

Mit Unterkunft unzufriedene Flüchtlinge blockieren Straße

Karben - Die halbe Wetterau diskutiert in dieser Woche über eine Szene, die sich am Montagnachmittag in Karben ereignet hat: Mitten auf einer belebten Kreuzung in der Nähe des Rathauses zwingt ein kurdischer Vater seine Frau und seine beiden kleinen Kinder zu einem Sitzstreik, er selbst legt sich provokativ vor ein Auto, fordert die Fahrerin sogar auf, ihn zu überfahren. Von Ingrid Zöllner

Mit dieser Aktion wollte die Familie erreichen, dass sie die städtische Flüchtlingsunterkunft verlassen und in ein Haus ziehen kann. Das sei ihr nämlich im Heimatland Irak versprochen worden, erklärte der Vater wenige Minuten später einer Polizeistreife. Die vierköpfige Familie war erst in der vergangenen Woche in Karben angekommen und bekam der Stadt zufolge eine 50 Quadratmeter große Unterkunft zugewiesen. Der Vater lehnt diese jedoch ab und pocht auf ein Haus, das ihm wahrscheinlich Schlepper in Aussicht gestellt hatten. Bereits kurz nach der Ankunft vor dem Rathaus hatte die Flüchtlingsfamilie mit einem Sitzstreik protestiert.

Die Frage ist nun, ob das Ehepaar mit Konsequenzen rechnen muss, weil es seine Kinder aktiv gefährdet hat. Das Jugendamt des Wetteraukreises ist über den Vorfall informiert: „Wir werden mit der Familie zeitnah ein Gespräch führen“, sagte Michael Elsaß, Pressesprecher des Wetteraukreises. Die Polizei in Friedberg sieht derweil keine Veranlassung, gegen die Familie zu ermitteln. „Sie hat sich maximal für zehn bis 20 Sekunden auf dem Fußgängerüberweg aufgehalten und nach Eintreffen der Polizei die Straße auch wieder verlassen“, teilte Polizei-Pressesprecher Erich Müller auf Anfrage mit. Man habe gemeinsam mit Angestellten der Stadt Karben und einer Dolmetscherin die Gründe „für diese Art von Demonstration“ klären können. „Es liegt kein Straftatbestand vor“, betonte Müller.

Für Ulrike Loos, Flüchtlingshelferin in Karben, ist das Ganze eine traurige Angelegenheit: „Es zeigt, wie verzweifelt ein Mensch ist, wenn er alles riskiert hat, mit der Realität konfrontiert wird und sich von seinen Träumen verabschieden muss.“ Für sie steht fest, dass die hohe Politik handeln muss, weil sich die Flüchtlinge über das Internet austauschen und darüber auch Fehlinformationen verschickt werden. „Die sind alle vernetzt, daher muss an dieser Stelle etwas passieren, damit die richtigen Informationen ankommen.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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