Etwa 70.000 mehr Flüchtlinge als in 2013

Enormer Zuwachs an Flüchtlingen in Hessen

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Frankfurt - Die Flüchtlingszahlen in Hessen und anderen Bundesländern steigen rasant an. Vor allem in diesem Jahr wurde die Rekordgrenze weit überschritten. Jetzt müssen geeignete Unterkünfte her.

Die Zahl der Flüchtlinge wächst, die in Deutschland Zuflucht vor Verfolgung und Bürgerkrieg suchen. Hessen wurden in den ersten sieben Monaten 70 Prozent mehr Menschen zugewiesen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Von Januar bis Ende Juli kamen nach Angaben des hessischen Sozialministeriums 7123 Flüchtlinge ins Land, jeder fünfte (21 Prozent) aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Allein im Juli seien 1503 Flüchtlinge aufgenommen worden, doppelt so viele wie im Juli vergangenen Jahres und mehr als im ganzen Jahr 2007. Bis zum Jahresende sei mit einer Zuweisung von mindestens 1300 Asylbewerbern monatlich zu rechnen. Die Flüchtlinge aus Syrien sind mit 1495 Personen die größte Gruppe, gefolgt von Menschen aus Eritrea (1207) und Afghanistan (766).

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Auch am Frankfurter Flughafen sind am Montag zwei Familien aus Saudi Arabien ohne gültige Dokumente angereist und haben Asylanträge gestellt. Doch oft sind Flüchtlinge durch die unerlaubte Einreise nicht nur Täter, sondern auch Opfer - denn Schleuserbanden nutzen ihre Hilflosigkeit und Verzweiflung aus und profitieren von den hohen Geldbeträgen, die sie von ihnen für die Einreise verlangen. Bei den beiden Familien wurde jedoch keine solche Schleusung festgestellt.

„Wir brauchen einen Generalplan“

Momentan werden überall in Deutschland Unterkünfte für die Neuankömmlinge gesucht. Vorhandene Quartiere sind meist belegt. Städte versuchen, Wohnungen zu mieten, Gemeinschaftsunterkünfte einzurichten oder Container aufzustellen. Eine einfache Lösung gebe es nicht, betonte Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) vor einigen Tagen. Noch bis Ende September müssen Flüchtlinge in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) in Gießen auch in Zelten ausharren. Ab Oktober stünden dann wieder genügend feste Unterkünfte für alle zur Verfügung, sagte eine Sprecherin des zuständigen Regierungspräsidiums Gießen. Derzeit warteten mehr als 1600 Flüchtlinge in Gießen auf ihre Anhörung zum Asylverfahren oder auf eine dauerhafte Bleibe.

„Wir glauben, dass die Aufnahme von Flüchtlingen eine sehr wichtige Aufgabe ist, und wir klagen auch nicht, dass es immer mehr werden“, sagte der Geschäftsführende Direktor des hessischen Städtetages, Stephan Gieseler in Wiesbaden. Der Hessische Städte- und Gemeindebund fordert nicht nur mehr Geld für die Versorgung der Flüchtlinge. Investitionen des Landes für den Umbau von Häusern und Kasernen zur Unterbringung der Menschen seien ebenso wichtig: „Wir brauchen einen Generalplan, wie wir mit dem weiter wachsenden Zustrom an Flüchtlingen umgehen“, sagte Geschäftsführer Karl-Christian Schelzke. „Das Land ist durch das Landesaufnahmegesetz in besonderer Weise gefordert, den betroffenen Kommunen möglichst schnell zu helfen“, sagte der flüchtlingspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Ernst-Ewald Roth. Ehrenamtliches Engagement könne nicht alles abdecken.

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dpa/jbr

Quelle: op-online.de

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