Für Ernte kann jede Flugstunde zählen

Frankfurt - Der grün-gelbe Ehrengast ruhte hinter einer verkleideten Absperrung aus Bauzaun. Keiner der Gabelstapler, die mit Paletten voller Kisten durch die weite Exporthalle düsen, sollte ihm zu nahe kommen. Eine solche Behandlung könnte einen Manager schon stolz machen. Von Sebastian Faerber

Aber Jochen Hering, Logistikexperte des Land- und Forstmaschinenherstellers John Deere, blieb gelassen. Immerhin ist seine Firma ein wichtiger Kunde von DHL Global Forwarding. Klar, dass der Ehrengast an diesem Vormittag, ein Traktor des Modells 5090R, ob seines frisch glänzenden Lacks nicht behandelt wurde, wie jedes andere zu verschickende Paket.

Zum Tag der Logistik gab der DHL-Unternehmenszweig Global Forwarding, verantwortlich für Luft- und Seefracht, gestern einen Einblick in sein eiliges Geschäft. Das erklärte Henning Dieter, Niederlassungsleiter „Luftfracht“ am Flughafen Frankfurt, am Beispiel des weltweit engagierten US-Unternehmens. Für dieses hat Global Forwarding mit Stammsitz in der Cargo-City Süd am Flughafen im vergangenen Jahr 6500 Transporte geflogen – in ein- und abgehender Richtung. Denn das amerikanische Unternehmen hat Niederlassungen in Mannheim, Bruchsal und Zweibrücken.

„Wenn Erntezeit ist und eine Maschine ausfällt, kann der Bauer nicht ewig auf die Ersatzteile warten“, berichtete Dieter über die speziellen saisonalen Anforderungen des Traditionsunternehmens. Immerhin drohen Ernteausfälle und finanzielle Einbußen. In solchen Fällen sei es wichtig, schnell reagieren zu können. Schließlich habe John Deere eine Verpflichtung, die Maschinen der Kunden am Laufen zu halten.

Weltweit 30.000 Mitarbeiter

Für solche und andere Transporte beschäftigt Global Forwarding weltweit 30.000 Mitarbeiter, davon 1600 in Deutschland. Die schicken jährlich viereinhalb Millionen Tonnen an Gütern gen Himmel. Damit organisiert die Firma unter anderem die Logistik für 14 der 15 größten Konsumgüterunternehmen. Nur in Frankfurt sind mehrere hundert Kunden ansässig.

Dass John Deere wie im aktuellen Fall einen kompletten, fast vier Tonnen schweren Traktor per Luftpost verschickt, ist allerdings die Ausnahme, die Regel sind Land- oder Schiffftransporte. Denn vorwiegend kommen kleinere Güter in den Genuss des Expressversands oder Waren, deren Lieferung so schnell wie möglich über die Bühne gehen muss. „Pharmaunternehmen habe es mit Medikamenten immer eilig“, weiß Dieter. Gleiches gelte für Formel-1-Teams, die mit ihren Boliden bekanntlich ungern Zeit verlieren. „Aber manchmal kann man sich auch wundern, wie eilig es Textilfirmen haben, wenn es um die neue Modekollektion geht“, schmunzelt er.

Quelle: op-online.de

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