Fluggesellschaften klagen über hartes Nachtflugverbot

Frankfurt - Drohen tausenden Flugreisenden schon bald lange Wartezeiten und Übernachtungen im Terminal? Vertreter von Lufthansa und Condor klagen am Flughafen Frankfurt über die zu enge Auslegung des Nachtflugverbots in Deutschland.

Am Frankfurter Flughafen klagen die Fluggesellschaften über die ihrer Ansicht nach zu enge Auslegung des Nachtflugverbots ab 23.00 Uhr. Eine derartig rigide Handhabung sei weltweit einmalig, warnten gestern Abend Vertreter der Lufthansa und der Condor im Luftfahrt-Presseclub Frankfurt. Schon mehrfach seien voll besetzte Maschinen wegen Zeitüberschreitungen ans Terminal zurückbeordert und die Passagiere in Hotels untergebracht worden. „Derzeit bluten die Airlines“, sagte Condor-Geschäftsführer Uwe Balser.

„Tausende Passagiere und tausende Tonnen Fracht sind seither zurückgegangen“, sagte Fraport-Cheforganisator Peter Schmitz. Bei zunehmend schlechter Witterung drohten am größten deutschen Flughafen in den kommenden Monaten zum jeweiligen Tagesbetriebsende große Staus, mahnten die Airliner. Möglicherweise müssten schon bald wieder tausende Passagiere in den Terminals übernachten, wenn die Maschinen nicht mehr rauskämen.

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„Bei starkem Schneefall und Frost wird der Ablauf unter anderem wegen der notwendigen Enteisungen fast unkalkulierbar“, erklärte der Frankfurter Lufthansa-Stationsleiter Andreas Döpper, der sich bereits auf den Titelblättern chinesischer Tageszeitungen die Handy-Fotos von wartenden Passagiermassen ausmalt. Ein internationales Drehkreuz in Europa benötige Interkontinental-Slots am späten Abend, sagte Döpper. Derzeit seien in Frankfurt solche Flüge nach 22 Uhr nicht mehr seriös planbar.

Die Lufthansa habe in der Folge zahlreiche Flüge vorverlegt und verliere damit spätere Umsteigerverkehre. Wegen der betrieblich engeren Abläufe werde zudem zusätzlich zur üblichen Reserve jeden Tag in Frankfurt ein Jumbo-Jet im „Hot-Standby“ gehalten. Die Verluste allein für das Passagiergeschäft beziffert der Manager auf 10 Millionen Euro für den Winterflugplan. Dazu kommen Verluste bei der Fracht, die vom Nachtflugverbot besonders stark betroffen ist. Der hessische Ministerialdirigent Bernhard Maßberg verteidigte die bisherige Linie der Aufsichtsbehörde zu den Einzelgenehmigungen.

„23.00 ist 23.00. Darauf konnten sich alle einstellen.“

„23.00 ist 23.00. Darauf konnten sich alle einstellen.“ Er wies zudem darauf hin, dass auch die Ausnahmen nur Flugbewegungen bis 24.00 Uhr erlaubten. Danach ist laut Planfeststellung bis 05.00 Uhr definitiv Schluss. Genau dies könnte nach Meinung der Flugexperten zum massenhaften Stranden von Passagieren und Fracht führen. „Die Diskussion werden wir führen müssen, wenn erstmal 20.000 Menschen im Terminal übernachten“, meinte Lufthansa-Cargo-Chef Karl Ulrich Garnadt.

Verspätete Jets dürfen in Frankfurt noch bis 24 Uhr landen, wenn ihre Verspätung nicht bereits im Flugplan angelegt war. Starts sind nach 23 Uhr nur noch per Einzelgenehmigung aus Gründen möglich, die von der Airline selbst nicht zu vertreten sind. Zusätzliche Kosten etwa bei der Umlaufplanung oder der Unterbringung gestrandeter Passagiere sind explizit kein Grund für Ausnahmen. Diese Regelungen der Planfeststellung gelten unabhängig davon, ob das Bundesverwaltungsgericht im März für oder gegen das Nachtflugverbot entscheidet.

Durchschnittlich 17 Nachtflüge

Die Planfeststellung sieht durchschnittlich 17 Nachtflüge vor nach bis zu 50 in den vergangenen Jahren. Derzeit gilt bis zum Urteil ein vorläufiges Nachtflugverbot. Frankfurt müsse sich seinen Ruf und seine Funktion als zuverlässiger internationaler Hub bewahren, sagte Cargo-Chef Garnadt. Er plädierte dafür, die aktuellen Auseinandersetzungen um Fluglärmbelastungen von der Diskussion um das Nachtflugverbot zu trennen. Auf der heftig bekämpften neuen Landebahn dürften nachts gar keine Flugzeuge landen.

Condor-Manager Balser verlangte von der Landesregierung einen nachvollziehbaren Kriterienkatalog, unter welchen Umständen nächtliche Flugbewegungen genehmigt werden könnten. Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) verteidigte in einem Interview erneut den Revisionsantrag der Landesregierung gegen das faktische Nachtflugverbot. Man müsse Rechtssicherheit erlangen und werde die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts umsetzen, auch wenn es auf Null Nachtflüge hinauslaufen sollte, sagte der Minister der „Bild-Zeitung“ (Donnerstag). Zudem setzte man sich für lärmmindernde An- und Abflugverfahren ein.

dpa

Quelle: op-online.de

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