Bauantrag eingereicht

Kommentar: Trockenes Schäfchen Terminal 3

Noch vier Tage bis zur Landtagswahl, und die beiden Lager Schwarz-Gelb und Rot-Grün liegen in Umfragen gleichauf. Alles scheint möglich in Hessen - auch eine Wende nach 15 Jahren CDU-Regierung. Da kann es nicht schaden, schnell ein Schäfchen ins Trockene zu bugsieren.

Das Tier ist etwas größer geraten. Es handelt sich um das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen, für das Fraport gestern den Bauantrag eingereicht hat. Das Projekt hat im Falle eines Wahlsieges von Rot-Grün mit erheblichem Gegenwind zu rechnen. Die Sozialdemokraten sind für einen vorläufigen Stopp und eine Überprüfung. Noch vor wenigen Tagen warnte ihr Spitzenmann Thorsten Schäfer-Gümbel Fraport davor, vollendete Tatsachen zu schaffen. Das Terminal sei zu groß, sein Bau behindere den wichtigen Dialog mit den lärmgeschädigten Bürgern in der Region. Die Grünen sind sowieso gegen den Riesenbau. CDU und FDP stehen der Millioneninvestition in das Luftverkehrsdrehkreuz positiv gegenüber.

Fakt ist, dass planungsrechtlich kaum etwas gegen den neuen Abfertigungskomplex zu machen ist. Durch den Planfeststellungsbeschluss für den Flughafenausbau sind die Voraussetzungen für das Terminal 3 geschaffen worden. Bleibt Fraport innerhalb dieses Rahmens, muss es genehmigt werden. Nicht einmal Fragen der Verkehrserschließung sind Gegenstand einer Überprüfung. Einzige Bedingung ist der Bau eines eigenen Autobahnanschlusses. Wird dieser - wie jetzt angekündigt - gebaut, ist die Sache durch.

Was Politik und öffentliche Meinung angeht, wähnen sich die Flughafenmanager augenscheinlich auf dünnem Eis. Ganz anders beurteilt man die Entwicklung der Luftverkehrswirtschaft insgesamt. Hier geht man nach eher schwachen Passagierzahlen noch Anfang des Jahres und einer Entspannung der Lage im zweiten Quartal von mittelfristig nachhaltigem Zuwächsen aus.

Die Hoffnungsträume manches Ausbau-Gegners, das Fluglärmproblem werde sich aufgrund einer stagnierenden oder gar rückläufigen Entwicklung der Luftverkehrswirtschaft selbst entschärfen, erweisen sich als Fata Morgana. Die Experten der Silbervögel setzen wieder auf Expansion. Alles spricht dafür, dass sie in den kommenden Jahren ihrem Optimismus ein neues Monument errichten werden.

michael.eschenauer@op-online.de

Quelle: op-online.de

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