„Leiserer Anflug unproblematisch“

Langen/Frankfurt - Der so genannte „Segmented Approach“ zählt zu den für die Region Offenbach wichtigsten und am heißesten diskutierten Vorschlägen. Von Michael Eschenauer

Mit seiner Hilfe soll die Lärmbelastung durch den Flugbetrieb auf Rhein-Main gesenkt werden. Dabei werden Offenbach, Mühlheim und Hanau von den aus Richtung Osten landenden Fliegern südlich umflogen. Dies bedeutet einerseits eine Schonung dieser Siedlungsschwerpunkte, gleichzeitig aber eine Mehrbelastung für Städte wie Obertshausen, Heusenstamm und Rodgau. Gestern hat die Deutsche Flugsicherung in Langen (DFS) eine erste Bilanz des neuen, bisher nur nachts praktizierten gekrümmten Anflugs vorgelegt.

Lesen Sie dazu außerdem:

Staatsanwaltschaft will nicht ermitteln

Unerwarteter Gegenwind

Schwenk in Offenbachs Prozesstaktik

„Es stellt sich bei Piloten und Fluglotsen bereits ein Übungseffekt ein“, berichtet Michael Kraft, Leiter des Bereichs Airport-Relations und Umwelt bei der DFS. Nachdem Lufthansa-Cargo seit rund einem Monat zu nahezu 100 Prozent den gekrümmten Anflug nutzt, wird diese „Südumgehung“ seit vergangenem Donnerstag auch von Passagierflugzeugen geflogen. Bei Lufthansa-Cargo spricht man von einem „völlig unproblematischen Verfahren“, das auf „volle Akzeptanz bei den Piloten stößt“, so Sprecher Michael Göntgens.

Landungen je nach Jahreszeit deutlich höher

Man habe hier „keine Berührungsängste“. Das ganze sei „keine Herausforderung für unsere Piloten“. Doch um wie viele Flieger geht es derzeit überhaupt. „In den vergangenen Wochen landeten im Schnitt von 23 bis 5 Uhr zehn bis 15 Maschinen auf Rhein-Main“, so Kraft. Bei den Abflügen sind es 15 bis 20. Üblicherweise landen etwa zwei Drittel aus östlicher Richtung und passieren damit normalerweise Offenbach.

Bei der Flugsicherung geht man davon aus, dass mittelfristig 80 Prozent der Piloten über die erforderliche technische Ausrüstung verfügen und den Segmented Approach fliegen. „Air Berlin, Condor und TUIfly sind hier sehr engagiert, aber auch viele andere Linien geben sich interessiert“, berichtet Kraft. Damit könnten im Idealfall den Offenbachern und Hanauern in einer Nacht mit Westwind acht von zehn Überflügen erspart bleiben. Der Effekt wird noch größer, führt man sich vor Augen, dass die Zahl der nächtlichen Landungen je nach Jahreszeit deutlich höher liegen kann.

Auch bei der Routengenauigkeit gibt sich Kraft „sehr zufrieden“. Die Abweichungen der Machinen vom vorgeschriebenen Korridor lägen bei unter 100 Metern. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Flugzeuge beim Segmented Approach zwar im Schnitt um 100 bis 200 Fuß niedriger unterwegs seien wie beim geraden Instrumentenanflug direkt über Offenbach. Die Maschinen befänden sich dabei aber ohne Antrieb im Sinkflug.

Weniger im Focus: steilere Startwinkel

Damit, so Kraft, wirkten zwei lärmsenkende Faktoren zusammen: Erstens werden dichtbesiedelte Gebiete geschont, zweitens seien bei den überflogenen, dünner besiedelten Arealen die Triebwerke leiser. Kraft schränkt ein, die genauen Auswirkungen auf den Lärmpegel müssten noch ermittelt werden. „Die Datenmenge, die uns vorliegt, ist noch zu gering. In einigen Wochen wissen wir mehr.“

Herausfinden will man ebenfalls, wie viele Flugzeuge über den Segmented Approach ohne Sicherheitseinbußen abgewickelt werden können. Dies würde die Frage beantworten, inwieweit sich der gekrümmte Anflug für den dichteren Tagbetrieb eignet. Als weitere Vorteile nennt Kraft beim Segmented Approach die häufig kürzere Anflugstrecke, verbunden mit einem geringeren Spritverbrauch und weniger Emissionen.

Die weniger im Focus der Debatte stehenden steileren Startwinkel, die ganztags dazu führen sollen, dass die Flugzeuge schneller eine größere Höhe erreichen und damit leiser am Boden werden, würden umgesetzt und hätten sich als wirksam erwiesen, so Kraft. Das Verfahren Dedicated Runway Operations (DROPS), bei dem in jeder zweiten Nacht Nutzung oder Nichtnutzung bestimmter Flugrouten so konzipiert ist, dass Siedlungsbereiche planbar geschont werden, sei ebenfalls sehr gut angelaufen, so Kraft.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Schnappschuss / Pixelio.de

Kommentare