Keine Belastung durch Flieger am Lerchesberg

Wind verwirbelt Schadstoffe

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Frankfurt/Kelsterbach - Ein Jahr lang hat das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie die Schadstoffbelastung der Luft am Lerchesberg in Frankfurt gemessen. Die Ergebnisse dieser vergleichenden Untersuchung wurden jetzt in Kelsterbach vorgestellt. Von Harald H. Richter

„Die Immissionsbelastung zeigt keine Auffälligkeiten, die Grund zur Besorgnis geben müssten“, sagte Dr. Stefan Jacobi. Doch so ganz gelang es dem Experten des Landesamtes für Umwelt und Geologie am Donnerstagabend bei der Präsentation der Ergebnisse nicht, die Befürchtungen im Publikum zu zerstreuen, dass neben Lärm auch Abgase aus den Triebwerken der auf der Nordwest-Landebahn des Frankfurter Flughafen niedergehenden Flugzeuge den Bewohnern zusetzen könnten.

Etwa 60 Interessierte sind im Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH) versammelt, um sich über die Resultate der Untersuchungen, die am Lerchesberg direkt unter der Anfluggrundlinie vorgenommen worden waren, zu informieren. Neben Dr. Jacobi stehen Dr. Marita Mang (Hessisches Umweltministerium) sowie Prof. Thomas Eikmann vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universität Gießen zu den gesundheitlichen Wirkungen von Luftschadstoffen Rede und Antwort.

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Bis Ende Mai diesen Jahres hat das Landesamt für Umwelt und Geologie seine Untersuchung in dem südlichen Frankfurter Wohngebiet vorgenommen. Dazu befand sich im Bereich des Kleingartenvereins „Die Rosisten“ ein Messcontainer zur kontinuierlichen Feststellung von insgesamt acht Schadstoffen. Fazit: In der Summe ist der Lerchesberg in Bezug auf die Luftqualität ein für den Ballungsraum Frankfurt vergleichsweise gering belasteter Standort. Die Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit werden in allen Bereichen deutlich unterschritten. Das gilt auch für die Problemkomponenten Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid (NO2). Erhöhte Ozon- und sehr niedrige NO2-Konzentrationen sind nach Jacobis Überzeugung eher typisch für größeren Abstand zu Emissionen aus Verbrennungsmotoren, wie sie insbesondere im Straßenverkehr vorkommen. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Schadstoffmengen durch den Flugverkehr nicht gestiegen sind.“

Im Publikum regt sich Widerspruch. Eine vergleichende Untersuchung vor Inbetriebnahme der neuen Landebahn hat es nicht gegeben, und die Resultate anderer Messstationen lassen sich mit denen am Lerchesberg nicht vergleichen, argumentieren die Kritiker. In der Tat: Die Ergebnisse wurden zwar mit denen der Messpunkte in Höchst (Ffm), Raunheim, an der Friedberger Landstraße (Ffm), in Hanau sowie einer weiteren in Kassel verglichen, nicht aber mit Daten der Station Frankfurt-Ost. „Wieso hat man nicht diese zum Vergleich genommen?“, wird aus dem Auditorium gefragt. Jacobi sichert zu, im Nachhinein die Lerchesberg-Daten den Messresultaten der ausgelassenen Station gegenüberzustellen.

Airlines & ihre Flugbegleiterinnen

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„Dass die Messungen keine erhöhten Schadstoffkonzentrationen durch den Luftverkehr nachgewiesen haben, bestätigt die Annahme der Fachleute, wonach Luftverwirbelungen und Verwehungen einen Abtransport der Stoffe verursachen, wodurch letztlich keine Verursacherzuordnung möglich ist“, urteilt Günter Lanz vom Umwelthaus UNH. Niemand habe behauptet, bei der Verbrennung von Kerosin entstünden keine Schadstoffe. Anders könnte es in Raunheim ausschauen, denn dort ist die Überflughöhe der Maschinen mit 300 Metern deutlich geringer. Seit 28. Mai wird dort – ebenfalls über einen Zeitraum von einem Jahr – die Luftqualität untersucht.

Walpurgisnacht am Flughafen Frankfurt

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Quelle: op-online.de

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