Neue Landebahn, neue Flugrouten, neuer Ärger

Frankfurt - Beschwerdeanrufe und Protestmails türmen sich in den Rathäusern und Kreisverwaltungen. Im Vordertaunus und Rheingau hat der Fluglärm viele Bürger in den vergangenen Monaten auf die Barrikaden getrieben.

„Jetzt haben wir nicht nur den Eisenbahnlärm. Der Rheingau wird auch noch von oben verlärmt“, schimpft der Sprecher des Rheingau-Taunus-Kreises Christoph Zehler in Bad Schwalbach. Der Zorn richtet sich gegen die neuen Flugrouten, die seit dem 10. März gelten. Mit Blick auf die neue Nordwest-Landebahn am Frankfurter Flughafen, die im Oktober eröffnet werden soll, wurden die sogenannten Gegenflugrouten um rund 2,5 Kilometer nach Norden verschoben. Auf denen bewegen sich die Jets, bevor sie ihren Endanflug beginnen.

Bisher vom Fluglärm verschonte Gebiete sind jetzt plötzlich betroffen - andere wurden allerdings entlastet. Aber noch entscheidender: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen hat für die Maschinen, die nach dem Gegenanflug zwischen Gelnhausen und Hanau (bei Westwind) oder zwischen Mainz und Ingelheim (bei Ostwind) in den Endanflug auf den Airport eindrehen, die Flughöhen reduziert. Ein von der Stadt Wiesbaden in Auftrag gegebenes Gutachten kam zum Ergebnis, dass nicht nur die Verschiebung der Gegenflugroute nach Norden Hessens zweitgrößte Stadt stark trifft. Zusätzlich sind 48 Prozent mehr Maschinen auf der Zwischenflughöhe von 4000 Fuß (rund 1200 Meter) unterwegs. „Das haben wir nicht so vorausgesehen“, räumt DFS-Sprecher Axel Raab ein.

Inzwischen seien Fluglotsen im südhessischen Langen aber angewiesen, die Jets bis zum Eindrehen bei Eltville auf 5000 Fuß (rund 1500 Meter) zu halten. An der um 1000 Fuß reduzierten Zwischenflughöhe hält die DFS aber fest. Die Lotsen benötigten mehr Luftraum, damit künftig zwei oder drei Maschinen übereinander fliegen könnten, sagt Raab. Mit der neuen Landebahn, die von zahlreichen Kommunen in Rhein-Main bis heute bekämpft wird, soll die Zahl der Flüge an Deutschlands größtem Flughafen in den kommenden Jahren deutlich steigen. Von rund 80 bis auf 120 Flugbewegungen pro Stunde - eine Zunahme von 50 Prozent.

Südumfliegung sorgt für Ärger

Für zusätzlichen Ärger sorgt eine Flugroute, die mit der Eröffnung der neuen Landebahn am 20. Oktober kommen soll: die sogenannte Südumfliegung. Damit sie einem durchstartenden Jet auf der Nordwest-Landebahn nicht in die Quere kommen, müssen Maschinen auf dem Weg nach Norden beim Start künftig zuerst eine Schleife nach Süden fliegen. Die eine Hälfte soll nach einem Vorschlag der DFS dann über die Landkreise Groß-Gerau und Mainz-Bingen auf der „Alternative 13“ genannten Route nach Nordwesten geführt werden. Die andere Hälfte wird auf dem Weg nach Norden östlich an Mainz und Wiesbaden vorbeigelotst („Alternative 7“).

Nach Prognose der Flugsicherung werden täglich 120 Maschinen die Südumfliegung benutzen. Für den Weg über Südhessen und Rheinhessen habe man bewusst eine Linie „zwischen den Dörfern“ gewählt. Diese Route soll jedoch erst im Laufe des kommenden Jahres in Betrieb gehen, da vorher noch eine Navigationsanlage installiert werden muss. Ansonsten käme es zu Konflikten mit Abflügen auf der Startbahn West, heißt es. Die zunächst geltende Übergangsroute („Alternative 5“) ist nicht so schonend angelegt.

Rheinland-Pfalz läuft gegen die Südumfliegung seit Monaten Sturm. Die rot-grüne Landesregierung in Mainz argwöhnt, das schwarz-gelb regierte Hessen wolle damit den Lärm ins Nachbarland exportieren. Eine Einschätzung, die die Fluglärmkommission Frankfurt aber nicht teilt. Rund 75 Prozent der stark Betroffenen seien auf hessischem Gebiet, sagt Anja Wollert, Geschäftsführerin der Organisation. „Die Südumfliegung ist nicht politisch motiviert“, betont sie.

Der Kommission gehören neben den Bundes- und Landesbehörden und dem Flughafenbetreiber Fraport auch die vom Fluglärm betroffenen Kommunen an - einschließlich der aus Rheinhessen. Eines gilt als sicher: Nach dem 20. Oktober ist eine neue Protestwelle abzusehen. „Davon bin ich überzeugt“, meint DFS-Sprecher Raab.

Quelle: op-online.de

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