Kommentar: Der Druck nimmt zu

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Michael Eschenauer

Nun reiht sich auch die Fluglärmkommission in die Phalanx der Kritiker von Deutschlands-Mega-Hub ein. Das Gremium macht sich die Einschätzung des immerhin schwarz-gelben Umweltbundesamtes zu eigen. Von Michael Eschenauer

Danach wird der Geist der Mediation nur erfüllt, wenn es nachts deutlich ruhiger wird. Ansonsten drohen Krankheit, Depressionen und hohe Folgekosten im Gesundheitswesen. Die harsche Forderung des Vorsitzenden Jühe an Ministerpräsident Bouffier, nun endlich wirklich etwas gegen die Belastung der Bevölkerung zu tun - und sei es nur, um der eigenen Glaubwürdigkeit nicht noch mehr Schaden zuzufügen - passt in die rauhe Gesamtwetterlage.

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Die Geschäfte laufen exzellent, der Ausbau ging technisch glatt über die Bühne, und in Sachen Pünktlichkeit im Flugbetrieb fährt Fraport Rekorde ein. Gleichzeitig aber kämpft man an immer mehr Fronten. Nicht nur, dass in den Medien zunehmend das Job-Argument unter Feuer genommen wird, und man derzeit darum ringt, sein streikendes Vorfeld-Personal unter Kontrolle zu bringen. Jetzt stellte auch noch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig überraschend in Aussicht, man werde den Mediationsacker wohl nochmal ganz tief umpflügen. Es sei nicht ganz sicher, ob die Berechnung des Fluglärms, tragendes Teil des gesamten Genehmigungsverfahrens, ganz koscher sei.

Dem Flughafen drohen neue, womöglich deutlich größere Schutzzonen mit völlig neuen Entschädigungs- und Klagemöglichkeiten. Reihenweise fallen einstige politische Verbündete um und fordern die buchstabengetreue Umsetzung der flugfreien Mediationsnacht. All dies findet statt vor dem Hintergrund eines Dauerfeuers an Protesten und Demonstrationen. Jetzt rächt es sich, dass Ex-Ministerpräsident Koch das Versprechen des Nachtflugverbots gebrochen hat, man die Piste betonierte und Kanzlerin Merkel landen durfte, bevor es überhaupt eine endgültige richterliche Entscheidung über die acht Musterklagen in Leipzig gab. Vier Milliarden Euro kostet der Ausbau des Frankfurter Flughafens, die Investition kann derzeit nicht als sicher gelten. Fraport und die Landesregierung dürfen weiterhin nicht auf Ruhe im Flughafenstreit hoffen. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie sie auf die von einer Bundesfachbehörde ausgesprochenen Befürchtungen steigender Krankheitsrisiken und auf deren Forderung nach einer Ausweitung des Nachtflugverbots reagieren. Sie sollten es in jedem Fall schnell tun.

Quelle: op-online.de

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