Piloten lieben Hessens Himmel

Sehr kompliziert, aber sicher

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Ein Mitarbeiter der Flugsicherung beobachtet im „Contingency-Tower“ auf dem Frankfurter Flughafen das Vorfeld mit einem Fernglas. An Hessens Himmel fühlen sich die Piloten sicher.

Frankfurt - Piloten lieben Hessens Himmel - und das hat auch etwas mit den guten Fluglotsen in Langen zu tun. Von Christian Ebner

Piloten und Fluglotsen sind dem Himmel über Hessen schon aus beruflichen Gründen eng verbunden. Sie fühlen sich dort gut aufgehoben, obwohl es im Luftraum drunter und drüber geht. Wenn Jörg Handwerg mit seiner Airbus A320 über dem grünen Spessart langsam Richtung Frankfurt eindreht, hat der Flugkapitän „einfach ein gutes Gefühl“. Er mag die weitläufigen Wälder unter sich, aber auch die Professionalität seiner Partner im Luftverkehr. „Die Lotsen hier sind hoch professionell und wissen immer, was sie tun“, lobt der Lufthansa-Pilot. Das sei im weltweiten Maßstab ebenso wenig selbstverständlich wie fließendes Englisch.

Über Hessen und damit im Zuständigkeitsbereich der Deutschen Flugsicherung fühlten sich die Piloten gut aufgehoben, sagt Handwerg. Er ist gleichzeitig Sprecher der Vereinigung Cockpit, die sich die Flugsicherheit als wichtigstes Ziel auf die Fahnen geschrieben hat.

Natürlich gibt es am Himmel keine Landesgrenzen. Der langjährige Fluglotse Axel Raab spricht daher lieber vom Luftraum Rhein-Main, den er für einen der kompliziertesten der Welt hält. Dafür ist nicht allein der Frankfurter Flughafen die Ursache, denn ähnlich verkehrsreiche Drehkreuze gibt es auch anderswo.

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Fast einzigartig wird der Hessen-Himmel durch den Umstand, dass es in geringer Entfernung eine Vielzahl weiterer Airports gibt, deren An- und Abflüge mit den jährlich mehr als 470 000 Frankfurter Flugbewegungen koordiniert werden müssen. In Köln-Bonn, Nürnberg oder Stuttgart startende Flugzeuge haben über Rhein-Main noch längst nicht ihre Reisehöhe von mehr als 10 000 Metern erreicht beziehungsweise sie bei Landungen schon längst verlassen. Dazu kommt eine Vielzahl von Überflügen aus Richtung der Großflughäfen Amsterdam und Brüssel in größerer Höhe.

Die Fluglotsen stapeln die verschiedenen Verkehre, wobei die Überflüge ganz oben und die Anflüge auf Frankfurt ganz unten stattfinden müssen. Vor der Landung am größten deutschen Flughafen müssen sich die Flieger in eine Art Perlenkette einreihen, auf der sie zunächst in relativ konstanter Höhe und mit geminderter Geschwindigkeit über viele Kilometer über Hessen entlangfliegen. „Das ist wie die Einfahrt mit dem Auto in eine größere Stadt. Da wird man auch immer langsamer, wenn man von der Autobahn in die Innenstadt kommt“, zieht Raab einen Vergleich.

Ihre Funkfeuer und Radarstationen hat die Flugsicherung auf das ganze Land verteilt. Sie stehen im Taunus und im Odenwald, in Gießen, Gedern, Karben, Fulda, Fritzlar und im Ried. Standorte mit Personal gibt es in der Langener Zentrale, im Tower des Frankfurter Flughafens und in Frankfurt-Rödelheim, wo sich Geschäftsflieger und Airlines über Flugrouten und Pläne beraten lassen können. „Es ist immer ein gutes Gefühl, nach Hause zu kommen“, sagt der Jumbo-Pilot Uwe Strohdeicher, der als „Siegerflieger“ die deutschen Fußball-Weltmeister nach Hause geflogen hat. Schon frühzeitig erkennt der Wiesbadener Lufthanseat im Cockpit seiner Boeing 747 sein Heimatbundesland: „In Kassel ist das VW-Werk leicht auszumachen, im Westen sind das Deutsche Eck in Koblenz und der Feldberg deutliche Landmarken. Doch vor Frankfurt steht für die Männer und Frauen im Cockpit harte Arbeit in höchster Konzentration an, denn allzuviel Vertrautheit erhöht das Unfallrisiko. „Man darf sich nie zu sicher fühlen, wenn man den Heimatflughafen ansteuert. Sonst könnten Fehler passieren.“

dpa

Quelle: op-online.de

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