2,5 bis drei Milliarden Euro

Spatenstich für drittes Terminal am Flughafen

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Der Ministerpräsident von Hessen, Volker Bouffier (CDU, Mitte), der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, Stefan Schulte (links) und der Fraport-Aufsichtsratsvorsitzende Karlheinz Weimar (CDU, rechts) beim Spatenstich für das Terminal 3.

Frankfurt - 450 Spaten stachen gleichzeitig in die Erde, um den Baubeginn des dritten Passagierterminals am Drehkreuz Frankfurt zu markieren. Nach jahrelangem Streit werden nun Fakten geschaffen. "Die richtige Entscheidung" oder "menschenverachtend"?

Der größte deutsche Flughafen will mit einem dritten Passagierterminal weiter wachsen. Aus Sicht von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ist eine Erweiterung in Frankfurt unerlässlich: "Dieser Flughafen ist der Herzmuskel unserer wirtschaftlichen Entwicklung", sagte Bouffier beim offiziellen ersten Spatenstich für das neue Terminal 3 am Montag. Der Ausbau sei "eine zwingende Entscheidung, wenn wir ein starkes Land bleiben wollen". In den nächsten sechs Jahren will die Betreibergesellschaft Fraport für 2,5 bis 3,0 Milliarden Euro ein neues Terminal bauen. Dort könnten ab 2022 jährlich rund 14 Millionen Fluggäste abgefertigt werden - das entspräche der Größe des Flughafens in Hamburg.

450 Fraport-Mitarbeiter stachen bei dem Festakt auf der Baustelle im Süden des Flughafengeländes gleichzeitig ihre Spaten in die Erde. "Unser Anzug wird uns zu klein", begründete Fraport-Chef Stefan Schulte die Notwendigkeit für ein weiteres Passagierterminal. Der Flugverkehr wachse jährlich um zwei bis drei Prozent, die Kapazitäten der beiden bestehenden Abfertigungshallen seien erschöpft. "Mit dem Bau des Terminals stellen wir sicher, dass Frankfurt auch zukünftig Deutschlands Tor zur Welt bleibt." Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) nahm nicht am Festakt teil: Seine Partei hatte gegen den Ausbau des Flughafens gekämpft, bevor sie in Wiesbaden zum Koalitionspartner der CDU wurde. Auch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) war nicht dabei.

Bilder: Spatenstich für Terminal 3 am Flughafen Frankfurt

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hält das Terminal 3 für "eine noch größere Fehlinvestition" als den "Flughafen BER": Das neue Terminal werde in einigen Jahren entweder leerstehen oder nur notdürftig mit Billigfliegern aufgefüllt sein, sagte VCD-Landesvorstand Werner Geiß. Für die Grünen im Landtag war der Spatenstich indes "ein bitterer Tag". Die Ausbau-Befürworter in Wiesbaden hätten "in der Zeit vor unserer Regierungsbeteiligung" Fakten geschaffen, sagte der Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner. "Ein weiterer tiefschwarzer Tag für die Menschen im Rhein-Main-Gebiet", fand die grüne Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner, Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages. Die Grenzen der Belastbarkeit seien überschritten. Fraport agiere "rücksichtslos und menschenverachtend". Die FDP im Landtag fand Al-Wazirs Abwesenheit "peinlich". "Ein Minister, der beim Spatenstich der größten Investition in seinem Bundesland nicht anwesend ist, hat den Anspruch eines ernsthaften Wirtschaftspolitikers verwirkt." Die SPD äußerte sich zunächst nicht.

Fluglärmgegner befürchten, dass das "Shoppingcenter für Umsteiger mit angeschlossenem Flughafen" eine neue Landebahn nach sich ziehen könnte - und damit mehr Lärm. Proteste am Bauzaun gab es dennoch nicht. Erst für den Abend riefen die Ausbaugegner zu ihrer 151. Montagsdemonstration auf. Bouffier sagte, er "respektiere" die Kritiker und versprach "weitere Schritte", um die Belastungen für die Bürger zu reduzieren. "Wir haben gründlich geprüft: Diese Entscheidung ist die richtige." Der Ausbau sichere nicht nur Arbeitsplätze, sondern schaffe auch neue. "Die große Mehrheit der Hessen steht hinter dieser Entscheidung." Das neue Terminal soll vor allem die Abfertigung bequemer machen. Mehr Kapazitäten für Starts und Landungen schafft das Gebäude nicht. Fraport will die Kapazitäten dort vor allem an Fluggesellschaften vergeben, die nicht wie Lufthansa zur "Star Alliance" gehören. Das Terminal 3 biete "erstklassige Dienstleistungen und moderne Infrastruktur gerade auch für Interkontinentalflüge".

dpa

Quelle: op-online.de

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